CES 2020: Ford steht doppelt unter Strom

Mit dem Mustang Mach E und zwei Prototypen des Roboters Digit fährt Ford zügig in die Zukunft.

Der Mustang Mach E als starkes Bild an die Wand gehängt. | Foto: G. Soller
Der Mustang Mach E als starkes Bild an die Wand gehängt. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Auf der CES 2019 wirkte der Ford-Stand im Vergleich zu 2020 etwas blass. Doch die Dearborner gehören eher zu den dezenten Ankündigern, weshalb das Innovationsfeuerwerk 2020 umso kräftiger ausfiel. Da wäre zuerst mal der Mustang Mach E, der als eines von ganz wenigen E-Modellen in Sachen Reichweite und Preis mit Tesla konkurrieren kann. Entsprechend üppig wurden die virtuellen Mustangs auch auf der Videoleinwand aufgezäumt. Ted Cannis, Globaler Direktor Elektrifizierung bei Ford äußerte sich auf der CES auch zum dezenten agieren von Ford. Lachend räumte er ein, dass bei einer kompletten Neuentwicklung wie dem Mustang Mach E „hunderte von Kleinigkeiten“ beachtet werden müssten, dass man unter anderem um jedes Gramm Gewicht gefeilscht habe und dass man sich den Zeitpunkt des Markteintrittes sehr bewusst ausgesucht habe. Zu vehement voranzupreschen sei für einen Konzern in der Größenordnung Fords zu riskant, gleichwohl habe die Nachfrage nach reinen E-Autos so zugenommen, dass man adäquat reagieren musste. Produziert wird der Mach E übrigens ins Mexico – hier kommt Cannis zu Gute, dass er fließend spanisch spricht und auch die Fragen der mexikanischen und lateinamerikanischen Kollegen locker beantworten konnte.

Aber auch in Sachen Nutzfahrzeug geht es massiv voran: Denn das US-Unternehmen Agility Robotics bringt einen kollaborativen Roboter mit Armen und Beinen auf den Markt. Ford plant, als erster Kunde zwei dieser Roboter zu kaufen. Dabei soll die bereits bestehende Partnerschaft zwischen Agility Robotics und Ford weitere Möglichkeiten ausloten, wie Nutzfahrzeugkunden ihre Abläufe effizienter gestalten können. Das gilt auch für autonome Fahrzeuge, die Lagerhaltung und natürlich die Warenlieferung selbst. Geforscht wird in dem Zusammenhang auch auf den Feldern Lagerlogistik und die Lieferung auf den letzten 15 Metern bis zur Haustür. Die Tests sollen sich auch darauf konzentrieren, wie Ford-Nutzfahrzeuge und Digit miteinander und mit ihrer Umgebung interagieren.

Das Interessante daran: Der humanoide Roboter wurde für einen aufrechten Gang entwickelt, so dass er die gleiche Umgebung wie ein Mensch durchqueren kann. Auch die Arbeitsabläufe können entsprechend ähnlich ausfallen, was vor allem KEP-Diensten den Job erleichtern würde. Zum Transport kann Digit zusammengefaltet werden, bis er wieder zum Einsatz kommt. Die Idee: Sobald ein Fahrzeug am Ziel angekommen ist, kann Digit ein Paket aus dem Fahrzeug holen und die letzten Schritte im Auslieferungsprozess selbsttätig durchführen. Wenn er auf ein unerwartetes Hindernis stößt, kann er ein Bild zurück ans Fahrzeug senden, um zusätzliche Rechenleistung zu nutzen. Das Fahrzeug könnte diese Informationen in die Cloud senden und Hilfe von anderen Systemen anfordern, damit Digit neu navigieren kann.

Außerdem lässt sich cloudbasiertes Kartenmaterial, das von Ford-Fahrzeugen mit Digit geteilt wird, fortlaufend aktualisieren, sodass nicht derselbe Informationstyp immer wieder neu erstellt werden muss. Als lernfähiger Roboter soll sich Digit vor allem für Paketzustellungsdienste eignen und kann über die vernetzten Kommunikationskanäle im Bedarfsfall bei unerwarteten Ereignissen sogar um Hilfe bitten. Dem Roboter ist es bereits möglich, auf einem Fuß zu balancieren und Hindernisse zu überwinden.

Was bedeutet das?

Im Gegensatz zu Tesla hüllt sich Ford manchmal sehr lange in schweigen, bevor man große Schritte macht. Interessant ist hier vor allem der Einsatz von Robotik bei KEP-Diensten, was auch Partner VW begrüßen dürfte: Der nächste Crafter könnte ein umgestrickter Ford Transit werden.
 

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