CATL und Mercedes-Benz erweitern Kooperation

Bei Forschung und Entwicklung wollen beide Unternehmen enger zusammenarbeiten. Außerdem soll auch Daimler Zellen aus der CATL-Zellfabrik bei Erfurt erhalten.

Daimler und CATL haben ihre Kooperation vertieft. | Foto: Daimler
Daimler und CATL haben ihre Kooperation vertieft. | Foto: Daimler
Gregor Soller

Mercedes-Benz legt in der Koopertion mit CATL nach. Die jetzt erweiterte Kooperation soll die Entwicklungszyklen verkürzen, die Reichweiten zukünftiger Batterien durch höhere Energiedichten deutlich steigern und die Ladezeiten signifikant zu verkürzen. Daimler-Forschungsvorstand und COO von Mercedes-Benz Cars, Markus Schäfer erklärt dazu:

„Wir wollen im Bereich der Batterietechnologie führend sein.“

CATL werde in den kommenden Jahren ein wichtiger Lieferant sein, der Kapazitäten für die nächsten Generationen der EQ-Produkte sichern soll. Die neue Vereinbarung umfasst jetzt laut Daimler die gesamte Palette an Batterietechnologien, von Zellen über Module für Mercedes-Benz Pkw bis hin zu Komplettbatterien für Mercedes-Benz Vans. Dabei plant Daimler auch, bei einzelnen Projekten die von CATL entwickelte „Cell-to-Pack-Technologie (CTP)“ einsetzen, bei der die Zellen direkt ins Batteriepack integriert werden und die herkömmlichen Module entfallen.

Robin Zeng, Gründer und CEO von CATL, bezeichnete die Vereinbarung als „entscheidenden Schritt“ in den Elektrifizierungsstrategien beider Partner. Wichtig ist dabei außerdem die CO2-neutrale Produktion der Batterieprodukte: CATL verwende dazu in der Fertigung Strom aus regenerativen Energiequellen. So will Daimler den gesamten CO2-Fußabdruck einer Batterie um „deutlich über 30 Prozent“ senken. Erstes Produkt mit CATL-Zellen soll der EQS sein, der über 700 Kilometer Reichweite bieten soll zusammen mit erehblich verkürzten Ladezeiten.

Daimler will aber an der eigenen Montage von Batteriemodulen aus zugekauften Zellen festhalten – der globale Batterie-Produktionsverbund soll wie geplant in neun Fabriken auf drei Kontinenten die Batterien für die jeweiligen Fahrzeug-Werke montieren und bereitstellen. In Deutschland ist dafür bisher Kamenz zuständig. Noch offen gelassen hat Daimler, wie sich die künftige Zuliefererstruktur zwischen Eigenmontage und CATL-Lieferungen aufteilen soll.

Was bedeutet das?

Dass sich jetzt auch Daimler so stark an CATL anlehnt, hat sicher Vorteile, denn die Chinesen sind in Sachen Akkutechnik weit vorn und haben mit der Fertigung in Erfurt künftig kurze Lieferwege. Aktuell scheint Daimler bewusst eine mehrgleisige Strategie zu fahren. Bisher bezog man die Zellen von LG Chem, SK Innovation und von CATL. Zudem stieg man Anfang Juli 2020 beim chinesischen Batteriezellenhersteller Farasis Energy ein: Daimler beteiligt sich mit einem „Euro-Betrag in Millionenhöhe“ mit drei Prozent an Farasis und bakam dafür die Zusage für eine „sichere Belieferung mit Batteriezellen für die anstehende Elektro-Offensive“. Farasis bekommt dafür Planungssicherheit für den geplanten Kapazitätsaufbau. Denn auch Farasis plant ein Werk in Deutschland: Die Produktion in Bitterfeld-Wolfen soll vor allem die deutschen Mercedes-Werke beliefern. Aktuell hält sich Daimler also alle Optionen offen. Sollte ein Zulieferer ausfallen, gibt es definitiv Alternativen.

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