carwow-o-mat: Mehrheit gegen Tempolimit und CO2-Preis - aber für Innovation

Bizzarres Ergebnis einer Umfrage der Vergleichsplattform mit 15.000 Teilnehmern: Die Mehrheit ist gegen ein Tempolimit, will keinen CO2-Preis auf Sprit, findet aber Innovationen toll - und kostenlosen ÖPNV. 40 Prozent sehen nicht, dass der Abgase von Verbrennerfahrzeugen zur Klimaerwärmung beitragen.

Stimme des Auto-Volkes: Der carwow-o-mat stellte acht simple Fragen und bekam klare Antworten von 15.000 Nutzer*innen, die auf wenig Einsicht in die Notwendigkeit einer echten Verkehrswende schließen lassen. | Foto: Screenshot
Stimme des Auto-Volkes: Der carwow-o-mat stellte acht simple Fragen und bekam klare Antworten von 15.000 Nutzer*innen, die auf wenig Einsicht in die Notwendigkeit einer echten Verkehrswende schließen lassen. | Foto: Screenshot
Johannes Reichel

Kurz vor der Bundestagswahl hat das Neuwagenvergleichsportal carwow die Ergebnisse seines Carwow-o-mat vorgestellt, an dem sich 15.220 Interessierte beteiligten, ihre Positionen im Hinblick auf die Forderungen der Parteien zu überprüfen. Die Plattform hatte alle Parteien, die aktuell im Bundestag vertreten sind, nach ihren Positionen zur Verkehrspolitik befragt und daraus einen Online-Vergleich erstellt. Das Umfragetool besteht aus acht Thesen, denen man entweder zustimmen, sich enthalten oder die man ablehnen konnte. Von Geschwindigkeitslimits auf Autobahnen bis hin zur Förderung von elektrischer Mobilität umfasste es alle wichtigen Themen der aktuellen Debatten über moderne Verkehrspolitik.

Mehrheit gegen Tempolimit und CO2-Steuer auf Sprit

Mit 61 Prozent hat sich die Mehrheit deutlich gegen ein generelles Geschwindigkeitslimit auf deutschen Autobahnen ausgesprochen. 30 Prozent befürworten dies, während der Rest neutral bleibt. Ebenso will die Mehrheit (56 Prozent) nicht, dass eine CO2 -Steuer auf Diesel und Benzin erhoben wird. Ähnlich wie bei dem Geschwindigkeitslimit stimmen der Forderung nur gut ein Drittel zu. Seit Anfang des Jahres gilt im Zuge des nationalen Emissionshandels ein CO2 -Preis, dessen Höhe stark debattiert wird. Zudem sind die meisten skeptisch, was autofreie Zonen in Städten betrifft. 37 Prozent der Teilnehmenden hält dies für eine gute Idee, während 47 Prozent dieser These widersprechen.

Freifahrt im öffentlichen Nahverkehr gewünscht

Der kostenlose öffentliche Nahverkehr trifft auf große Zustimmung. Die Mehrheit (57 Prozent) möchte, dass dies umgesetzt wird, nur 27 Prozent sprechen sich dagegen aus. Innovation: Made in Germany Die deutlichste Zustimmung erhielt die These, dass neue Technologien, um Autos mit alternativen Antrieben zu entwickeln, gefördert werden sollen. Mit 81 Prozent stimmt eine große Mehrheit der Teilnehmer:innen dieser Aussage zu. Auch die staatliche Förderung der Elektromobilität erhält mit 43 Prozent mehr Zustimmung als Ablehnung (36 Prozent), wenn auch nur knapp. Zur Umsetzung der Verkehrswende legen die Nutzer:innen also viel Hoffnung in die Innovationskraft der deutschen Automarken, meinen die Macher der Plattform. Dafür soll es nach 38 Prozent auch staatliche Förderungen geben, 36 Prozent hingegen widersprechen jedoch solch einer Subvention der deutschen Automobilkonzerne. Dass sich bei dieser These ein Viertel der Leute enthält, zeige aber auch, wie schwierig der richtige Weg einer Verkehrswende sei, so die Verantwortlichen.

Wissenschaftliche Fakten über Klimaerwärmung für manche offen

Die These, dass Autos mit Verbrennungsmotor durch die Emission von CO2 zur Klimaerwärmung beitragen, trifft bei 61 Prozent auf Zustimmung. Wissenschaftlich ist eindeutig geklärt, welche Rolle CO 2 in der Atmosphäre spielt: CO2 verhindert, wie andere Treibhausgase auch, dass Wärmestrahlung ins Weltall entweichen kann. Daraus resultiert eine höhere Temperatur. Dem widersprechen jedoch 22 Prozent der Teilnehmenden, während sich der Rest dazu neutral positioniert.

Was bedeutet das?

Klar, vermutlich haben auf dem Neuwagenvergleichsportal überwiegend autoaffine Mitbürger*innen ihre Haltung zu Verkehrsthemen kundgetan. Aber eine so eindeutige Ablehnung zu dringend notwendigen und unter Fachleuten nicht umstrittenen Maßnahmen wie Tempolimit und längst eingeführten CO2-Preisen auf fossile Kraftstoffe oder auch autofreien Zonen in Städten, das lässt schon tief blicken in die "Freie-Fahrt-für-freie-Bürger"-Seele. Die Einsicht in die Notwendigkeit einer echten und entschlossenen Verkehrswende mit einem umfassenden Bündel an Maßnahmen, scheint in manchen Kreisen noch nicht durchgesickert zu sein.

Dass dann auch noch ein glattes Fünftel die evidenten und nicht fundiert nachgewiesenen Zusammenhänge zwischen CO2-Ausstoß von Verbrennern und der Erderwärmung leugnet und ein weiteres Fünftel in "neutral" verharrt, wirkt dann schon erschreckend, realitätsverweigernd und wie der berühmte Vogel Strauss. Die nebulöse Hoffnung auf Innovationen klingt nach FDP- und Unionswahlprogramm. Und ein kostenloser ÖPNV ist eine wohlfeile Forderung, aber völlig realitätsfern in Zeiten klammer Kassen und über Jahrzehnte unterfinanzierter Öffi-Infrastruktur.

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