Meinungsbeitrag

Carsharing: Sharing not caring!

Sharing is caring - not! Unsere Erfahrung zeigt das Dilemma der Almende: Wie die „User“ mit den Fahrzeugen umgehen, zeugt von wenig Gemeinsinn in der Sharing Community. Dabei spart man durch das Teilen von Autos viel Verkehrsraum und viel Geld!

Irgendwie ist am Eck schon noch Platz....| Foto: G. Soller
Irgendwie ist am Eck schon noch Platz....| Foto: G. Soller
Redaktion (allg.)

Es ist mal wieder ein gutes Beispiel für das sozialwissenschaftliche Modell von der "Tragik der Allmende", der Tragödie der Allgemeingüter, heruntergebrochen auf unsere kleine Alltagswelt: Wie der Mensch das von allen Erdbewohnern geteilte Gemeingut Umwelt einfach verschmutzt, die Ressourcen gnadenlos übernutzt und ausbeutet, die Atmosphäre verdreckt, tut er (oder sie) dies häufig auch mit von vielen Menschen geteilten Fahrzeuggütern. Mensch kümmert sich oft, sorry für den Ausdruck", im wahrsten Sinne des Wortes "einen Dreck" um die geteilte Ressource. Seien es die berühmt-berüchtigen E-Tretroller, die alle Nase lang mutwillig umgekippt die Rad- und Fußwege blockieren oder gleich in Flüssen versenkt oder zerlegt werden. Oder eben auch Sharing-Autos, mit denen nicht gerade pfleglich oder verantwortungsbewusst umgegangen wird.

Ein Beispiel der jüngsten Zeit. Allein in unserer Nebenstraße in München Schwabing standen am Sonntag Abend, den 11.12.2022, drei Autos von drive now – wovon zwei davon so geparkt waren, dass es den Dive Now-Verantwortlichen die Tränen in die Augen treiben dürfte: Der Peugeot 3008 war in die Kreuzung hineingestellt – sodass er zwar keinen wirklich stört, im Falle des Falles aber ein Knöllchen erhalten hätte. Nach dem Motto: „Warum soll ich einen besseren Parkplatz suchen und dafür extra zahlen?“ – wenn ich die Karree doch irgendwie ans Eck gestellt bekomme?

Licht aus?! Mir doch egal!

Dabei waren die Straße abwärts zwei Plätze frei – wir vermuteten gar drei, denn der Share-Now Citroen C3 hatte bereits auch das Licht angeschaltet. Doch irgendwie traute er sich nicht aus der Lücke…klar, saß gar niemand mehr drin, aber Standlicht brannte. Ob die Batterie am nächsten Morgen leergeleuchtet ist oder nicht – who cares? Und so kann man die Liste der Unaufmerksamkeiten in Miet- oder Sharingfahrzeugen beliebig fortsetzen: Denn die leere Coladose im Becherhalter oder das Kaugummipapier am Boden kann ja auch irgendein anderer entsorgen…

Tatsächlich fallen Sharing-Fahrzeuge überdurchschnittlich oft mit zurückgelassenem Abfall oder unmöglich geparkt auf. Was uns wundert, denn wer hat schon Lust, im Müll des anderen herumzufahren oder den erhaltenen Strafzettel dann an den Vermieter weiterzureichen – was wieder extra Arbeit und Zeit kostet…hier greift das Problem, dass auch den Sozialismus zu Fall brachte: Es gehört mir nicht, also ist es mir auch egal – war schon bei den „volkseigenen Betrieben“ so, die dem Volk eben nicht eigen waren und die deshalb auch finanziell desaströs geführt wurden.

Sharing-Auto: Fahren ohne Effizienz

Und wenn wir schon beim Thema "Sharing & Umwelt" sind: Manche Leute fahren mit den von uns selbstredend bevorzugten Teile-Elektro-Autos, als hätten sie noch nie was von Energiesparen gehört. Sport-Modus eingeschaltet, Heizung auf 28 Grad, ist ja nicht meine Energie und auch nicht mein Geld. Also nicht mein Problem. Ist es eben doch! In Summe hochgerechnet auf viele tausende Sharing-Autos erhöht sich der Verbrauch mit diesem Fahrstil signifikant und eben auch der Strom, der aus der Leitung fließt und im Kraftwerk produziert werden muss. Entgegen landläufiger Annahme ist es nämlich nicht so, das der Strom aus der Steckdose kommt. 

Vielleicht ist da der Ansatz von Start-ups wie Privatautosharern wie getaround und Snappcar oder Sono mit ihrer Carsharing-App oder Disruptoren wie Lynk & Co gar nicht schlecht: "Peer to Peer"-Sharing von Privatbesitzern oder Community Sharing in einem selbst festgelegten Kreis von Familie und Freunden. Vorausgesetzt, er ist so groß, dass die "Blechbüchsen" nicht doch bloß wieder herumstehen und sich die Katze in den Schwanz beißt. Dann fühlt man sich auch mehr verantwortlich für die Dinge, wenn man weiß wem sie gehören und wer im Zweifel für Schäden aufkommen oder sich um den Müll im Fußraum kümmern muss. Und behandelt fremdes Eigentum als wäre es das eigene. Klingt eigentlich ganz selbstverständlich. Ist es leider nicht. Gregor Soller/Johannes Reichel

Was bedeutet das?

Einmal mehr überlegt man: Lernt die Menschheit denn gar nicht hinzu? Eine Frage, die man sich spätestens seit dem Ukraine-Konflikt mehr denn je stellen muss … Das Konzept des Teilens von Gütern hätte so viel Potenzial unseres überbordenden Ressourcenverbrauch in den Griff zu bekommen. Aber es setzt voraus, dass man auch pfleglich mit den geteilten Gütern umgeht. Und das gilt eigentlich auch ganz "planetar" gesprochen. Auch wenn die Verantwortlichkeit bei zehn Milliarden Erdenbürgern mikroskopisch klein erscheint, sie ist doch vorhanden. Und erst recht bei geteilten Gütern, die wir gemeinsam nutzen. Wir sollten nicht nur miteinander pfleglicher umgehen, sondern auch mit der Allmende.

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