Cargobike-Förderung: "Sinnvoller als E-Auto-Prämien"

Plattform cargobike.jetzt listet Prämienregelungen für gewerbliche und private Lastenräder auf, sieht darin einen wichtigen Impuls und hält sie für besser als E-Auto-Prämien. Potenzial in Cargobike-Sharing.

Sparen im Betrieb - und bei der Anschaffung: Cargobikes boomen - und auch die Förderangebote nehmen zu. Nur setzt jedes Land oder Kommune ein bisschen anders an. | Foto: Cargobike.jetzt
Sparen im Betrieb - und bei der Anschaffung: Cargobikes boomen - und auch die Förderangebote nehmen zu. Nur setzt jedes Land oder Kommune ein bisschen anders an. | Foto: Cargobike.jetzt
Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

Nachdem immer mehr Kommunen und Bundesländer die Anschaffung privater und gewerblicher Cargobikes fördern, hat die Berliner Online-Plattform cargobike.jetzt ein Angebot gestartet, das Grundinformationen zu über 60 Cargobike-Kaufprämien in Deutschland und Österreich bündelt. Der Überblick des hersteller- und händlerneutralen Blogs wird unterstützt vom deutschen Zweirad-Industrie-Verband - ZIV, der deutsche Fahrradleasing-Anbieter JobRad und dem österreichischen Cargobike-Testprojekt KlimaEntLaster.

"Unser Ziel mit dem Kaufprämien-Überblick ist es, die Bekanntheit von Cargobike-Kaufprämien und ihre Inanspruchnahme zu steigern. Außerdem wollen wir die Fixierung auf E-Autos bei der Förderung der Elektromobilität überwinden und Prämien für alle Cargobikes als längerfistige Bundesaufgabe etablieren", wie der Blog-Gründer Arne Behrensen das Anbebot begründet.

Beliebteste Prämien in Köln und Hamburg

Zuletzt hatte es nach Angaben des Branchen-Experten Behrensen im März und April großen Ansturm auf Kaufprämien für private Cargobikes unter anderem in Münster, Nürnberg und Wien gegeben. Im April war in Sachsen-Anhalt eine landesweite Lastenrad-Kaufprämie mit einem Budget von 300.000 Euro in Kraft, in Hamburg soll ab dem 1. Juni eine neue Förderrunde mit 700.000 Euro starten. Auch kleinere Städte wie Geldern und Straelen (beide NRW) seien mittlerweile mit Cargobike-Kaufprämien am Start, weiß Behrensen. Dort stünden seit Februar bzw. März jeweils 10.000 Euro Föderbudget zur Verfügung. Die am meisten nachgefragten Cargobike-Kaufprämien habe es 2020 in Köln und in Hamburg, wo die Förderbudgets kurzfristig auf 1,9 bzw. 1,5 Million Euro erhöht worden waren, wie Cargobike-Spezialist Behrensen weiter berichtet.

Deutschland: Förderung nur für E-Schwerlast-Bikes

In Österreich gibt es bundesweit eine Kaufprämie von 400 Euro für alle Cargobikes. In Deutschland ist eine bundesweite Kaufprämie bisher auf das kleine Marktsegment gewerblicher Schwerlasträder mit E-Antrieb beschränkt. Für diese gibt es bis 2.500 Euro Zuschuss. In Aachen und Mainz bieten auch lokale Stromversorger ihren Ökostrom-Kund*innen eine Kaufprämie für eCargobikes. München und einige andere Städte kombinieren Cargobike-Kaufprämien mit einer zusätzlichen Auto-Abwrackprämie von bis zu 1.000 Euro, skizziert Behrensen weiter. Und der Stuttgarter Gemeinderat habe im April einen zusätzlichen Sozialbonus beschlossen, der bis zu 90 Prozent der Kosten für ein eCargobike abdeckt.

"Kaufprämien geben einen wichtigen Marktimpuls für vielerorts noch wenig bekannte Cargobikes und ihre junge Branche mit vorwiegend kleinen Herstellern", glaubt Behrensen.

Er hält sie auch für sinnvoller als Kaufprämien für E-Autos, wenn es um lebenswerte Städte und klimafreundliche Mobilität auf vielen kurzen Strecken gehe. Die auffällige Zunahme von Cargobikes im Straßenbild durch erfolgreiche Kaufprämien erhöht nach seinem Dafürhalten das Bewusstsein und den Handlungsdruck für die Schaffung besserer Infrastruktur für alle Radfahrenden. Darüber hinaus mahnt Behrensen auch die Förderung von Cargobike Sharing an. Dies sei eine wichtige Ergänzung zu den Kaufprämien.

"Von Sharing-Angeboten profitiert auch, wer nur gelegentlich ein Cargobike braucht oder sich trotz Kaufprämie kein Cargobike leisten kann oder will", glaubt der Lastenrad-Experte.

 

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