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Car Symposium 2020: Optimistischer Auftakt

Das Car Symposium 2020 eröffnete mit einer optimistischen Auftaktrede von BMW-CEO Oliver Zipse.

Prof. Ferdinand Dudenhöffer gab einmal mehr den kritisch-loyalen Gastgeber. | Foto: G. Soller
Prof. Ferdinand Dudenhöffer gab einmal mehr den kritisch-loyalen Gastgeber. | Foto: G. Soller
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Gregor Soller

Einmal mehr lud „Auto-Professor“ Ferdinand Dudenhöffer nach Bochum zum Car Symposium, auch wenn er seinen Lehrstuhl an der Uni Duisburg-Essen mittlerweile altersbedingt abgeben musste. Ein Unruhegeist wie er kann nicht einfach in Rente gehen und verlegte seine Aktivitäten jetzt kurzerhand an die Uni nach St. Gallen, die damit erstmals auch die Schirmherrschaft über das Symposium übernahm. Sein Automotive-Schiff segelt also auch im 20. Jahr weiter, wenn auch unter anderer Flagge. Und bot trotz zahlreicher Konkurrenzveranstaltungen in dem Bereich wieder hochkarätige Infos und spannende Erkenntnisse, auch wenn die manchmal nur zwischen den Zeilen oder an den Ständen der Aussteller kommuniziert wurden.

Fest steht: Es wird ernst in Sachen Klimaschutz

Den Auftakt übernahm diesmal Oliver Zipse, CEO von BMW, der gleich scherzhaft anmerkte, dass das Car-Symposium in Bochum in der 20. Ausgabe jetzt ja die IAA in Frankfurt überlebt habe und damit gleich den Humor des Gastgebers traf, der auf diese Art oft scharfzüngige Fragen oder Anmerkungen elegant verpackt. Doch Zipse trat an, um Lösungen zu diskutieren, nicht um über Probleme zu sprechen, von denen die Branche gerade genug hat: Das Erreichen der CO2-Ziele und die Elektrifizierung des Fuhrparks erfordert große Aufwendungen, gleichzeitig droht das Corona-Virus, den chinesischen Markt und die chinesischen Fertigungslinien der Autohersteller empfindlich zu treffen. Doch BMW scheint auf beides vorbereitet zu sein. So erklärte Zipse, das er erst jüngst in Brüssel Klimaschutzkommissar Frans Timmermanns traf und spürte, dass der es mit der Ansage, die EU zur klimaneutralen Region zu machen absolut ernst meinte.

Tatsächlich wurde in der EU schon viel beschlossen, doch jetzt scheint (endlich) Druck auf den Kessel zu kommen. Das gelte laut Zipse auch für die Elektrifizierung der Palette und die Verbräuche der Elektroautos, die laut dem BMW-CEO noch „ganz großes“ Thema werden.  Und brachte als Beispiele gleich BMW-Kunden, die ihren i3 mit 13 kWh/100 km fahren können und Plug-in-Hybrid-Kunden, welche die WLTP-Normverbrauchswerte schaffen – weil sie immer brav nachladen zumindest beim Spritkonsum. Trotzdem betont er als BMW-Chef natürlich die „Freude am Fahren“, die ja auch darin bestehen könne, beim elektrifizierten Modell ein bisschen mehr Reichweite herauszukitzeln. Womit er feststellt, dass die Bedarfe bei dem Thema sich weltweit zwischen 300 und 500 Kilometern eingependelt hätten und das könne man liefern. Vielleicht noch nicht auf deutschen Autobahnen und mit dem Mini Cooper SE, aber prinzipiell…

Außerdem baue man das Ladenetz weltweit aus und böte BMW-Kunden über Kooperationen in China mittlerweile 400.000, in Europa 150.000 und in den USA immerhin 30.000 Ladepunkte an. Außerdem bringt man sich in die Infrastrukturentwicklung ein: Mit Rotterdam hat man ein Innenstadtkonzept entwickelt, dass per Geofencing erkennt, wann der Plug-in-Hybrid-BMW in die Stadt fährt, um dann auf rein elektrischen Antrieb umzuschalten. Und weil bei BMW ja die Emotionen nie zu kurz kommen dürfen, wurde der Ex-Frankfurter Hollywoodkomponist Hans Zimmer mit einer Soundkomposition beauftragt, die man als spacig oder etwas verkitscht-verspielt empfinden kann, je nach Sichtweise – jedenfalls stehen hier laut Zipse diverse Möglichkeiten offen.

Klimaschutz hat eine rationale und eine emotionale Seite

Wichtig ist Zipse immer wieder, dass Klimaschutz neben seiner rationalen durchaus auch eine emotionale Seite habe. Und es sei gut hier mehr zu fordern, doch es brauche nun mal Umsetzer und das sind neben BMW die Kunden. Auch zum Thema Wasserstoff Brennstoffzelle äußerte er sich:

„Die Brennstoffzelle bleibt für uns eine Option, die wir nicht vom Tisch nehmen werden.“

Und natürlich arbeite man weiter an sparsameren und Verbrennern: So konnte der CO2-Ausstoß des neuen Einsers laut Zipse gegenüber dem Vorgänger um bis zu 15 Prozent gesenkt werden.

Auf die Frage Dudenhöffers nach eventuellen Auswirkungen des Corona-Virus antwortete der BMW-Chef zweigeteilt: Generell könne man nicht absehen, welche Auswirkungen er habe, aber es habe keine Auswirkungen auf die Lieferströme. Hier merkt man auch, dass Zipse Produktionsvorstand war und immer darauf geachtet haben dürfte, einen „Plan B“ für alle Regionen und Produktionsorte der Welt in der Tasche zu haben.

Interessant auch die Auswertungen der elektrifizierten und vernetzten Fahrzeuge im Feld – mittlerweile rund 14 Millionen Modelle, darunter auch 15.000 BMW 530e, welche natürlich anonym ausgewertet wurden. Und hier erreichten einige Kunden zumindest beim Spritverbrauch die WLTP-Normwerte, da sie permanent nachladen. Interessant: 70 Prozent der 530e-Kunden ihre Autos regelmäßig. Aber auch diejenigen, die wenig bis gar nicht luden, brauchten weniger Sprit als vergleichbare Benziner. Man sei also weltweit auf dem richtigen Weg und hier gäbe es laut Zipse künftig kein „Entweder oder“ mehr, sondern nur noch ein „sowohl als auch“.

Was bedeutet das?

Zwar hatte auch BMW ein schwieriges 2019 hinter sich, doch nach Zipses Ausführungen ist man für die Zukunft gut gerüstet – auch gegen Unvorhersehbares wie den Corona-Virus.

 

 

 

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