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Cadillac Optiq: Zurück mit einem Weltauto?

Cadillac erweitert sein EV-Programm nach dem Lyriq nach unten – wir konnten in Paris schon mal Probe sitzen. Europäischer war bisher kaum ein Caddy...

Der Optiq wird in China schon produziert, die USA folgen bis Spätherbst, Europa 2025. | Foto: G. Soller
Der Optiq wird in China schon produziert, die USA folgen bis Spätherbst, Europa 2025. | Foto: G. Soller
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Gregor Soller

Beginnen wir gleich mit der „Optiq“ – die beim Optiq für einen Cadillac sehr dezent ausfällt. Anders gesagt: Er wird auch in Asien, Arabien und Europa funktionieren, ohne anzuecken. Wer jetzt stehende LED-Schlitze wie bei Kia oder ein wildes Heck wie beim Lyriq erwartet hat, dürfte angenehm oder unangenehm enttäuscht werden.

Cadillac legte großen Wert auf die Straßenlage - sehr großen Wert

Wir konnten mit John Roth, Vizepräsident von Cadillac Global und John Cockburn, dem Chefentwickler der Baureihe sprechen und schnell wird klar: Die beiden wollen endlich echt global werden. Cockburn hat auf „drivability“ größten Wert gelegt und eine knackige Fahrwerksabstimmung angestrebt, wie er sie einst bei Opel in Deutschland kennen und schätzen gelernt hat. Ihn sind schon die kleineren Bremsen des US-Modells und die dort gewünschten Ganzjahresreifen ein Dorn im Abstimmungs-Auge.

Und Roth sucht neue und jüngere Kunden und erklärt offiziell:

„Cadillac hat in den letzten fünf Jahren etwa 600.000 neue Kunden in seiner Familie willkommen geheißen, während unser Anteil jüngerer Käufer um fünf Prozent gestiegen ist. Bis zum Ende des Jahrzehnts wollen wir ein vollständig elektrisches Portfolio anbieten. Der Optiq wird ein wichtiger Wegbereiter sein, um luxusorientierte Kunden für Elektrofahrzeuge von Cadillac zu begeistern.“

Und erklärt uns am Tisch, das man auch Cadillac in China die jüngsten Kunden hat: Eher 25 bis 40 Jahre jung, während man in den USA eher auf 30 bis 50-jährige ziele.

Und er wurde ein Weltauto: Der 4,8 Meter lange Optiq wird in zehn Regionen weltweit verkauft, wozu neben Europa auch die USA, Kanada, Mexiko, Mittelamerika, China und der Nahe Osten gehören. Auch als Rechtslenker für UK, Australien und Japan, wie uns Cockburn noch erklärt. Das sei bei einem Stromer ohnehin einfacher darzustellen als bei einem Verbrenner.

Jaclyn McQuaid, President und Managing Director von General Motors Europe, freut sich, Paris als Präsentationsort des EU-Modells bekanntzugeben – und wir merken schon: Halb Detroit, namentlich so französisch wie Cadillac, ist zur Präsentation an die Seine gekommen….

Mit 4,8 Metern Länge, 2,95 Metern Radtand, 300 PS und 480 Nm ist der SUV der oberen Mittelklasse gut bei Kräften und Raum und als wir Cockburn nach weiteren Versionen fragen, erklärt er nur verschmitzt lächelnd, dass die Allradversion eben die „Launchvariante“ sei. Heißt, Long-Range und eine wildere X-irgendwas-Version dürfen noch erwartet werden.

Die Reichweite gibt man nach US-Standard mit 300 Meilen, also 480 Kilometern an. Das ist relativ realistisch und wir ziehen hier nur 80 km für den worst case ab, auch wenn WLTP eher 500 plus ergeben wird. Auch hier achtete Cockburn auf Details: Conti-Reifen mit geringem Rollwiderstand ein durchströmter Heckspoiler und Diffusoren fördern die aerodynamische Effizienz

In den USA startet der Optiq mit 85-kWh Batteriepaket mit Zellen von LG und das HPC-Laden soll mit bis zu 190 kW klappen. Auf langen Strecken wollen wir in den USA nicht lange laden, erklärt der Kanadier Cockburn, der auch schon in China und UK gelebt hat. In den USA rechnet Cadillac das Schnellladen mit bis zu 79 Meilen Reichweite in 10 Minuten – passt!

"Regen." on demand - nicht aufs Wetter, sondern die Rekuperation bezogen

Die Funktion „Regen On Demand“ meint nicht Regen wie in Paris am Präsentationstag, sondern Regeneration – einen extra druckempfindlichen Hebel am Lenkrad, um verschieden stark zu rekuperieren – bis zum Stopp.

Und klar gibt es verschiedene Fahrmodi zu wechseln, darunter Tour für alltägliche Fahrten, Sport für ein optimierte Performance und eine präzisere Lenkung, Snow/Ice, um ein Durchdrehen der Räder zu verhindern sowie My Mode, der die Personalisierung des Fahrerlebnisses einschließlich des Ansprechverhaltens der Bremsen und des Lenkgefühls ermöglicht.

Interessant sind aber auch Karosseriedetails: Zum Beispiel die hintere Seitenverkleidung: Das Design der Heckscheibe umfasst ein Muster in schalldämmendem Verbundglas, das bei Cadillac zum ersten Mal eingesetzt wird. Das grafische Muster erstreckt sich über das gesamte Fahrzeug und entspricht dem Mondrian-Wappen als Verweis auf das klassische Cadillac-Design. Optisch streckt es das Auto und kaschiert die Fenster in den C-Säulen. Sonst bleibt er eher unauffällig.

Innen bietet er vorn extrem viel, hinten ordentlich Platz – vor allem Beinraum. Im Kopfbereich ist er etwas niedriger als der Lyriq, riesige Kofferräume haben beide. Aber keinen Frunk. Hier entschied man sich laut Cockburn bewusst dafür, möglichst viel Technik unter die Haube zu packen, unter der ohnehin nur ein Mini-Frunk verblieben wäre. Und wie bei BMW will man keinen Caddy mit offener Haube an der Straße stehen sehen. Dafür gibt es im Heck seitlich zwei große Ausbuchtungen, in die man ein langes Ladekabel stopfen kann, das dann allerdings den schönen Teppich versaut…

Innen gibt sich der Caddy ebenfalls eher weltmännisch oder-fraulich und könnte so auch in Asien oder Europa gestaltet worden sein – vielleicht wäre er nicht ganz so plüschig-gemütlich geworden. Und es gibt natürlich nachhaltige Materialien: Die gemusterte Stoffakzentuierung besteht aus einem Garn, welcher zu 100 Prozent aus recycelten Materialien hergestellt wird. Das PaperWood-Furnier setzt sich zu gleichen Teilen aus Tulpenholz und recyceltem Zeitungspapier zusammen.

Super-Cruise: Das klingt nach Elvis und den wilden 50ern - soll aber Fahrassistenz auf deutschem Premiumniveau sein

 Man blickt auf ein curved Display mit 33 Zoll Bildschirmdiagonale und einer Auflösung von 9K, das mehr als eine Milliarde Farben darstellt. Ja, das ist sehr klar und wertig. Und er kommt mit der sogenannten Super Cruise-Fahrerassistenz-Technologie, die auch immer Karten hinterlegt respektive "hinterlädt", um vor Kreuzungen oder an engen Kurven rechtzeitig zu bremsen – eben mit Hilfe der hochauflösenden GPS-Kartierung, Aufmerksamkeitssystem, Spurwechselfunktion, Lenkradlichtleiste und Routenplanung. Auch hier hat sich Cockburn sehr genau bei Audi, BMW und Mercedes umgesehen. Man nutzt zudem Radars und Kameras, aber kein Lidar. Die Technologie wird in Europa verfügbar sein, nachdem sie die erforderlichen Genehmigungen erhalten hat.

Zu den serienmäßigen Sicherheits- und Fahrerassistenztechnologien gehören unter anderem Adaptive Cruise Control, Blind Zone Steering Assist, Enhanced Automatic Parking, Forward Collision Alert und eine Radfahrererkennung, welche die hinteren Fahrgäste nicht aussteigen lässt, wenn der Caddy einen Biker im Spiegel erkennt.

.Auch sonst kommt er „fully loaded“ wie die Amerikaner gern sagen: Mit AKG-Audiosystem samt 19 Lautsprechern mit Dolby Atmos; 3D Surround Technology Kompatibilität durch speziell angefertigte Speaker und Verstärker für ein laut Cadillac „unverfälschtes und nuanciertes Klangerlebnis“. Wir haben kurz aufgedreht und fanden es einfach gut..

Der Optiq wird als Luxury und Sport angeboten, in den USA startet er vor Steuern bei 54.000 Dollar. In der EU wären 59.900 Euro brutto spannend. Die Produktion beginnt in Mexico im Spätherbst – in China wird er bei Partner SAIC in Wuhan schon gefertigt und läuft gerade an.

Was bedeutet das?

Es ist wohl der europäischste Caddy, den sie je bauten. Weshalb er gute Chancen hat, sofern das Händlernetz stimmt. Doch hier ist man noch am suchen: Mit einzelnen High-End-Luxusschauhäusern und Pop-Up-Stores wird man sich schwer tun speziell in Deutschland…am Auto liegt es aber nicht. P.S.: 2023 hat Cadillac in Frankreich zwei Autos verkauft - da sollte sich 2024 und erst recht 2025 eine x-100-prozentige Steigerung ausgehen...

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