Cadillac Lyriq Concept: So startet Cadillac ab 2022 in die Elektromobilität

Der Elektro-Cadillac steht auf der neuen Elektroplattform von GM mit dem sogenannten „Ultium“-Batteriesystem.

Der Lyriq dürfte knapp unter fünf Meter Länge bleiben und kommt mit Heck- und Allradantrieb. | Foto: Cadillac
Der Lyriq dürfte knapp unter fünf Meter Länge bleiben und kommt mit Heck- und Allradantrieb. | Foto: Cadillac
Gregor Soller

Cadillacs erster Stromer lehnt sich optisch nicht zu weit aus dem Fenster: Er verbindet Designzitate der US-Heydays der 50er-Jahre mit modernen Elementen und schafft so immerhin einen eigenen US-Style. An der Front dominiert „Black Crystal“, ein wird von dem angedeuteter, aber geschlossener Kühlergrill. Dazu kommt das „neue Chrom aus LEDs“. Das Heck zitiert mit den weit in die D-Säule hineingezogenen Rückleuchten die klassischen Caddys, die meist hohe, senkrechte „Rückleuchtenschlitze“ hatten. Steve Carlisle, Executive Vice President und President von GM North America, versprach:

„Angefangen mit dem Lyriq wird Cadillac den amerikanischen Luxus in den nächsten zehn Jahren mit einem neuen Portfolio transformativer Elektrofahrzeuge neu definieren.“

Bei der Größe hält man trotzdem Maß: Die Länge des Concept Cars soll aber näher am XT5 (gut 4,8 Meter) als am XT6 (5,05 Meter) liegen – womit Cadillac exakt auf Audi e-tron, NIO ES6 respektive BMW X5 PHEV und Co. zielt – in die Mitte der großen Premium-SUV. Er wird sowohl mit Heck- und Allradantrieb erhältlich sein. Ein möglicher weltweiter Vertrieb ist noch nicht beschlossen, aber immerhin gibt es erste Fakten: Cadillac verspricht eine Reichweite von über 300 Meilen (480 Kilometer). Die Performance-orientierte Allrad-Variante wird wohl eine um 20 bis 30 Meilen (32 bis 48 Kilometer) geringere Reichweite haben als das RWD-Modell. Die Batteriekapazität beträgt rund 100 kWh und man plant Ladeleistungen von bis zu 19 kW AC und 150 kW DC. Hier darf man von der Long-Range-Version mit Heckantrieb ausgehen, es dürfte aber auch kleinere Akkupakete und Antriebsleistungen geben. Auf den EV Day im März stellte GM jedenfalls schon mal eine Ladeleistung von bis zu 200 kW für die 400-Volt-Fahrzeuge in Aussicht (die größeren Pickups und Nutzfahrzeuge sollen auf 800-Volt-Basis bis zu 350 kW schaffen), doch realistisch dürften eher die üblichen 150 kW sein. Weshalb die Ladekurve des Lyriq umso spannender wird.

Leider noch nicht bekannt sind Abmessungen und Gewichte des Akkus. Hier halten es die Amerikaner wieder einfach, denn:  Die neuen Pouch-Zellen, die in einem Joint Venture mit LG Chem entstehen dürften, sollen laut GM eine simplere Modulkonstruktion mit geringerem Kühlbedarf ermöglichen. Und die Verkabelung will man auch sparen, denn die Elektronik soll direkt in die Module integriert werden. Damit soll laut GM „im Vergleich zu den aktuellen Elektrofahrzeugen von GM“ - also dem Chevrolet Bolt - fast 90 Prozent der Verkabelung innerhalb des Akkupaketes überflüssig werden. Wie Marty Hogan, Chefingenieur des Lyriq, begründete seine teils noch vagen Angaben damit, dass man sich noch in der Entwicklungsphase befinde. Immerhin entspreche das Showcar schon zu „80 bis 85 Prozent“ der Serie.

Innen fällt das 33 Zoll-LED-Display auf, das optisch mit dem Infotainmentscreen in der Mittelkonsole veschmilzt, so dass man vor einer riesigen schwarzen Fläche sitzt. Bis man startet, dann kommen wieder Superlative: Das Display soll über eine Milliarde Farben zeigen können und über die höchste Pixel-Dichte der Autoindustrie bieten. Zudem soll der Fahrer per Head-up-Display samt Augmented-Reality-Funktion informiert werden. Interessant ist auch eine Art „Active Noise Cancelling“, wie man es von Kopfhörern kennt: Mikrofone und Beschleunigungssensoren sollen die Fahrt genau erfassen und die Fahrgeräusche in gewissen Frequenzbereichen aufheben können – so dass im Caddy absolute Ruhe herrscht oder, wie es GM ausdrückt ein „friedlicheres Erlebnis“ auf der Reise zu bieten.

Aber auch bei der Fahrassistenz legt man nach, ebenfalls wieder mit einem Namen, der aus den 1950ern stammen könnte: „Super Cruise“ nennt GM seinen Fahrassistenten, der zumindest teilautonomes Fahren bis Level 4 ermöglichen dürfte. Genaue Details ließ man aber auch hier aus. Die Produktion soll noch Ende 2021 starten, man hat aber noch nicht genau definiert, wo. Kernmärkte und –Produktionsstätten werden aber China und die USA sein.

Was bedeutet das?

Das Lyriq-Konzept bietet viel Greifbares und bis auf die Displays innen auch keine Superlative. Wichtiger wäre, eine klare Vertriebs- und Servicestrategie auch für Europa – sonst wird Cadillac auch hier schnell von Polestar, aber auch Nio und Co. abgehängt. Und damit auch in Zukunft nur Exote in einer Mini-Nische bleiben, denn US-Design und US-Cars funktionieren weltweit gesehen eher schwierig – gleichwohl ist ein solcher Charakter für einen Cadillac unabdingbar.

 

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