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BYD will ab 2026 E-Autos in der Türkei bauen

BYD hat mit der türkischen Regierung eine Vereinbarung zur Errichtung einer Produktionsstätte für Elektroautos und Plug-in-Hybride unterzeichnet. Das Werk soll eine Jahreskapazität von 150.000 Fahrzeugen haben und Ende 2026 in Betrieb gehen.

BYD in Budapest: das ungarische Werk soll 2025 starten, ein Weiteres in der Türkei 2026 folgen. | Foto: G. Soller
BYD in Budapest: das ungarische Werk soll 2025 starten, ein Weiteres in der Türkei 2026 folgen. | Foto: G. Soller
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Gregor Soller

BYD baut seine Europa-Präsenz aus: Neben Ungarn hätte das Unternehmen dann zwei Montagen in Europa. Dem türkischen Industrie- und Technologieministerium zufolge haben beide Seiten das Abkommen am Montag, den 8.7.2024 in Anwesenheit von Staatschef Recep Tayyip Erdogan unterzeichnet.

Schnelle Planung: Ab 2026 (!) soll das Werk am Netz sein!

BYD wird demnach rund 920 Millionen Euro in der Türkei investieren, um eine Produktionsstätte mit rund 5.000 Arbeitsplätzen zu errichten. Hinzu kommt ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für Mobilitätstechnologien. Bereits Ende 2026 soll das Werk ans Netz gehen. Für BYD waren die Gründe für die Standortwahl offiziell das sich entwickelnde Technologie-Ökosystem, die starke Zuliefererbasis und die qualifizierten Arbeitskräfte, die (noch) zu dezenten Löhnen arbeiten. Eine Rolle dürfte aber auch gespielt haben, dass die Regularien in der Türkei nicht so streng sind wie in der EU. Mehmet Fatih Kacır, Minister für Industrie und Technologie, kommentierte dann auch stolz:

„Wir befinden uns an einem historischen Tag für unsere Automobilindustrie. Wir haben den ersten Schritt einer riesigen Investition in unserem Land getan.“

Die regierungsnahe türkische Zeitung „Yeni Safak“ prognostiziert, dass BYD ein Gebiet in der Provinz Manisa (im Norden der Hafenstadt Izmir) zugeteilt worden sei. Für dieses Grundstück soll sich vor einigen Jahren auch Volkswagen interessiert haben. Es ist logistisch auch über den Seeweg gut angebunden und Izmir gilt als weltoffene Metropole mit gut ausgebildeten Arbeitskräften.

In der Türkei kann man die Sonderzölle umgehen

Die neue Fabrik erleichtert BYD vor dem Hintergrund der drohenden Sonderzölle den Zugang zur EU, denn die Türkei und die EU sind durch eine seit 1995 bestehende Zollunion miteinander verbunden. Auch andere Autobauer sehen darin einen strategischen Standortvorteil. Dazu gehören die seit Jahrzehnten in der Türkei produzierenden Hersteller Fiat, Ford, Hyundai, Krone, Renault und Toyota. Wobei der emsländische Trailerhersteller über seinen Türkei-Satelliten vor allem den regionalen Markt und die angrenzenden Nachbarstaaten bedient.

BYD muss den von der EU gefassten Plänen zufolge bei Einfuhren aus China künftig mit Zöllen von 27,4 Prozent (10 % regulärer Zoll, 17,5% Sonderzoll) auf seine E-Autos rechnen. Das könnte BYDs Pläne für eine zweite E-Auto-Fabrik in Europa beschleunigt haben. Die Türkei lockt mit verhältnismäßig geringen Lohnkosten und China-freundlicher Politik. Interessanter Twist: Die Regierung in Ankara gab erst kürzlich bekannt, dass sie ihre im Juni 2024 angekündigten Pläne, einen extra Zoll von 40 Prozent auf alle Fahrzeuge aus China zu erheben zurücknimmt. Die Begründung: Man wolle Investitionen (aus China) wieder fördern.

BYD baut auch in Südostasien und auf dem amerikanischen Kontinent

Ungarn soll Ende 2025 in Betrieb gehen, dazu kommt eine E-Auto-Fabrik in Thailand für Südostasien und eine Fabrik in Usbekistan, in der zwei Plug-in-Hybrid-Modelle produziert werden sollen. Außerdem übernahm BYD eine ehemalige Ford-Fabrik in Brasilien und sucht auch in Mexico einen Standort, um die Präsenz in Süd- und Mittelamerika zu stärken und auch hier regional reagieren zu können. Mit dem mexikanischen Werk hätte man auch Zugang zum US-Markt: Gemeinsam mit Kanada bilden diese beiden Länder die NAFTA-Freihandelsregion, womit BYD seine in Mexiko gebauten Autos zollfrei in die USA und Kanada einführen könnte. In China gefertigte Modelle werden ab 1.8.2024 bei der Einfuhr in die USA mit 100% Zoll belegt, auch Kanada prüft mittlerweile Zölle. Inkonsequent: Der Schulbusmarkt der USA wird im elektrischen Segment längst von BYD dominiert!

Was bedeutet das?

Man kann es drehen und wenden wie man will, aber grundsätzlich stimmt die Entwicklung, denn: Auch in China darf man ohne Aufschläge nur Autos verkaufen, die in Kooperation mit einem heimischen Hersteller dort gebaut werden! Das wird bei der ganzen Zolldiskussion immer gern vergessen! Insofern wäre es ein bisschen ausgleichende Gerechtigkeit, wenn auch chinesische Hersteller in Europa und Nordamerika Werke errichten müssen, um vor Ort verkaufen zu dürfen. Auch wenn man sie nicht direkt zu einem BYD-Tofas oder Geely-Ebro oder X-Peng-Audi zwingt…

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