Brüssel plant grüne Auto-Prämie

Für die Anschaffung umweltfreundlicher Fahrzeuge sollen in den nächsten zwei Jahren bis zu 20 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Die Definition ist allerdings noch strittig. Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Sauber oder rein? Brüssel plant eine EU-weite Prämie für umweltfreundliche Autos. Ein in Tschechien gefertigter Hyundai Kona Electric dürfte dazu zählen. | Foto: Hyundai
Sauber oder rein? Brüssel plant eine EU-weite Prämie für umweltfreundliche Autos. Ein in Tschechien gefertigter Hyundai Kona Electric dürfte dazu zählen. | Foto: Hyundai
Johannes Reichel

Auch die Europäische Kommission will offenbar der schwächelnden Autobranche unter die Arme greifen und ist dabei wohl schon weiter als die Bundesregierung. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat Brüssel ein komplettes Förderpaket für den gesamten Mobilitätssektor im Blick, das bis zu 100 Milliarden Euro umfassen soll. Ein Teil davon bezieht sich auf eine Kaufprämie für "saubere Autos", für die in den nächsten zwei Jahren bis zu 20 Milliarden Euro zur Verfügung stehen könnten. Das solle dabei helfen, "CO2 und Schadsstoffe im Einklang mit den europäischen Standards zu reduzieren", wie die SZ aus einem Entwurf der EU-Kommission zitiert.

Dabei ist auf EU-Ebene ebenso wie in der Bundesregierung allerdings strittig, was genau unter "sauberen Autos" zu verstehen sei. Auf Bundesebene sollen hier bis Anfang Juni Vorschläge aus den Ressorts vorliegen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) versteht darunter etwa auch Verbrenner-Fahrzeuge, die weniger als 140 g CO2/km ausstoßen, was weit von dem von der EU vorgegebenen 2021er-Grenzwerten von 95 g CO2/km läge. Solche Förderungen halten etwa Umwelt-NGOs wie Transport & Environment für "komplett inakzeptabel. Und auch der Geschäftsführer des europäischen Autoclubs ACE Stefan Heimlich warnt, es sei falsch, Modelle zu unterstützen, die mehr als die 95 g CO2/km austoßen würden.

Automobil-Macht Europa: Zweigrößter Standort nach China

Die EU betrachtet sich weltweit als zweitgrößter Automobilstandort und -hersteller der Welt nach China und listet in dem Papier 300.000 Unternehmen mit 13,8 Millionen Beschäftigten in den einzelnen EU-Ländern auf. Allerdings müsse sich die Industrie rasch wandeln, schließlich stünde der Straßenverkehr für drei Viertel der Emissionen im Verkehrssektor insgesamt, mit steigender Tendenz.

"Eine massive Unterstützung der Autoindustrie bürdet künftigen Generationen eine signifikante Last auf", heißt es laut SZ in dem EU-Entwurf.

Den Wandel will man EU-seitig unterstützen mit einem 40 bis 60 Milliarden Euro schweren Paket zur Förderung von alternativen Antriebstechnologien. Zudem sollen die Förderprogramme für die Elektromobilität auf das Doppelte aufgestockt werden. Bis 2025 will man zwei Millionen öffentliche Lademöglichkeiten für E-Mobile geschaffen haben. Aber auch die Bahn will man üppig unterstützen mit bis zu 40 Milliarden Euro zum Ausbau von Schüsselkorridoren, um den Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern zu können.

 

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