Bristol Cars: Elektro-Comeback mit neuem Investor

2025 soll ein neuer elektrischer Viersitzer das Comeback der Marke einläuten.

Nach der endgültigen Insolvenz 2020 soll Bristol wieder auferstehen: Ab 2025 endlich elektrisch. | Foto: Bristol
Nach der endgültigen Insolvenz 2020 soll Bristol wieder auferstehen: Ab 2025 endlich elektrisch. | Foto: Bristol
Gregor Soller

Bristol gehörte einst zu den großen britischen Flugzeugunternehmen und spaltete nach dem Krieg die Autosparte ab. Bristol Cars war seit 1960 ein privat geführtes Unternehmen, das dem ehemaligen Rennfahrer Tony Crook gehörte, der die Marke eher exzentrisch ins 21. Jahrhundert schleppte. Mit einer Kundenkartei auf handgeschriebenen Karten in einem einzigen Verkaufsraum in der High Kensington Street in London. Doch genau das prägte den Kultcharakter der Marke, die vereinzelt auch Autos in die EZU verkaufte. Laut Wikipedia wurden bereits im Frühjahr 2009 wurden die letzten Neufahrzeuge hergestellt. Danach restaurierte man vornehmlich ältere Modelle der eigenen Marke. Es folgten zwei Insolvenzen 2011 und 2019 und im März 2020 wurde das Unternehmen aufgelöst.

Es tauchten auch Fotos von der verlassenen Fabrik auf, zu sehen unter

https://www.carexpert.com.au/car-news/photos-from-bristols-abandoned-car-factory-are-amazing#gallery-22

Doch jetzt will Investor Jason Wharton zum 80-jährigen Jubiläum von Bristol im Jahr 2026 neu durchstarten. Im Zuge der Insolvenz-Auktion 2020 erwarb Wharton die Rechte am geistigen Eigentum von Bristol Cars und plant das Elektro-Comeback: 2025 soll die Elektro-Ära mit einem vollelektrischen Viersitzer namens Bristol Buccaneer EV beginnen. Der Hauptsitz soll in London liegen, doch die Produktion wird namensstiftend in Bristol geplant.

Geld verdienen helfen sollen bis dahin eher vorgestrige Verbrenner: Ab 2022 will Bristol sollen wieder einmal überarbeitete Versionen früherer Modelle gebaut werden, quasi als neu aufgelegte „Restomods“ ihrer selbst, darunter er 411 Series 8, der Fighter und der Speedster. Die soll der altehrwürdige 6,4 Liter Hemi-V8 von Chrysler befeuern – womit Bristol ebenfalls seinen Wurzeln treu bliebe. Die Preise sollen bei 495.000 Pfund (das sind rund 575.000 Euro) vor Steuern beginnen.

Wharton, der eigentlich Immobilienentwickler ist, sieht sich selbst als langfristigen Investor in jetzt seine „ikonische britische Marke“ und er erklärt:

„Ein Teil meiner Aufgabe ist es, sie voranzutreiben und weiterzuentwickeln, damit sie als Premium-Automobilunternehmen endlich nachhaltig wird.“

Und das wird künftig auch Bristol in die E-Mobilität führen, so Wharton:

„Daher müssen wir mit der Zeit gehen und ein voll Batterieelektrisches Modell einführen.“

Wharton möchte die ikonische Marke wieder- und neu beleben, „ihr Erbe bewahren und sie für das 21. Jahrhundert vollständig überarbeiten.“

Im nächsten Schritt sollen im Frühjahr 2022 ein CEO, ein CTO und zwei nicht geschäftsführende Direktoren ernannt werden. Dann will Wharton in Folge auch eine „bedeutende Kapitalerhöhung“ bekannt geben. Zahlen nennt er zwar nicht, will und muss aber weitere Investoren für sein Projekt gewinnen und den künftigen Kunenstamm merklich erweitern.

Was bedeutet das?

Bristol ist ein Phänomen. Es war schon ein Wunder, dass die Marke es überhaupt ins neue Jahrtausend schaffte, doch in dem Fall ist es die Aura der schrulligen Verschwiegenheit, die sie für potenzielle Kunden reizvoll machen könnte. Wofür man aber unbedingt Stromer braucht, was auch unter den letzten Eigentümern schon angedacht war, bevor man Bristol hinter verschlossenen Türen ins Grab restaurierte und wurschtelte. Man darf gespannt sein, wie ernst es Wharton mit seinen Ambitionen ist: leistungsstarke elektrische E-Plattformen gibt es von diversen Anbietern und große Stückzahlen braucht Bristol auch nicht. Trotzdem kostet ein neues Auto viel Geld und Geduld.

 

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