Bosch und VW planen Produktionssysteme für Akkuzellfertigung

Die beiden Konzerne prüfen die Gründung eines europäischen Anbieters zur Ausrüstung von Akkuzellfabriken. Dabei geht es allerdings nicht um eine gemeinsame Produktion von Zellen, sondern um Entwicklung und Bau von Produktionsanlagen, mit denen Akkuzellen hergestellt werden.

Die Unterzeichnung des Vertrages zwischen Bosch und VW fand digital statt. | Foto: VW
Die Unterzeichnung des Vertrages zwischen Bosch und VW fand digital statt. | Foto: VW
Gregor Soller

Bosch und VW planen, integrierte Batterieproduktionssysteme zu liefern sowie Batteriezellen- und Systemhersteller beim Hochlauf und Wartung vor Ort zu unterstützen. Dabei streben beide Unternehmen nach eigenen Angaben „die Kosten- und Technologieführerschaft bei der Industrialisierung von Batterietechnologie und der Serienproduktion nachhaltiger, moderner Batterien“ an. Beide Partner bringen bereits entsprechende Erfahrungen in der Akkuproduktion mit ein: VW hat bereits eine Akkupilotfertigung in Salzgitter und plant sechs Akkufarbriken in Europa. Bosch will seinen Kunden eine komplette Fabrikausrüstung für die Akkuproduktion anbieten können – von einzelnen Komponenten über Softwarelösungen bis hin zu kompletten Montagelinien. Dabei handelt es sich allerdings nicht um die Zellfertigung, sondern um die Montage von Modulen und Packs.

Diese Kompetenzen sollen nun in der Partnerschaft kombiniert werden: VW baut Fahrzeuge und sieht sich selbst auf dem Weg, „ein bedeutender Batteriezellhersteller zu werden“. Bosch hingegen biete nach eigenen Angaben „exzellentes Know-how in der Fabrikautomation und Systemintegration“. Damit sollen alle Schritte in der Akkufertigung von der Zelle bis ins Fahrzeug effizienter werden. Gestartet wurde mit der Einrichtung eines „Projekthauses“ eingerichtet, um die Industrialisierungslösungen zur Batterieproduktion in Europa auszuloten. Bis Ende 2022 soll dann die Gründung eines konkreten Unternehmens vorbereitet werden. sagt Thomas Schmall, Technik-Vorstand des Volkswagen-Konzerns und Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Group Components, erklärt dazu:

„Europa hat die einmalige Chance, in den kommenden Jahren ein globales Kraftzentrum für Batterien zu werden. Es gibt eine starke – und wachsende – Nachfrage nach allen Aspekten der Batterieproduktion, einschließlich der Ausrüstung neuer Gigafactories“.

Er ergänzt:

„Volkswagen und Bosch loten die Chancen aus, diese kommende Multi-Milliarden-Industrie in Europa zu entwickeln und zu gestalten. Aus der Entscheidung, aktiv in die vertikale Integration entlang der Wertschöpfungskette der Batterieherstellung einzusteigen, erwachsen erhebliche neue Geschäftsmöglichkeiten. Wir arbeiten daran, eine vollständig lokalisierte europäische Lieferkette für E-Mobilität ‚made in Europe‘ aufzubauen – eine historische Chance in der Wirtschaftsgeschichte.“

Rolf Najork, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH und Vorsitzender der Geschäftsführung von Bosch Rexroth, erklärt dazu:

„Gemeinsam mit Volkswagen suchen wir nach einem Weg, Produktionsprozesse für Batteriezellen mit standardisierter Ausstattung zu industrialisieren. Dafür bieten wir die besten Voraussetzungen: Bosch ist nicht nur einer der weltweit größten Automobilzulieferer, sondern auch einer der führenden Fabrikausrüster. Wir verstehen die Batterietechnik und verfügen über das Know-how, diese zu fertigen.“

Die Unterzeichnung der Absichtserklärung fand coronabedingt virtuell statt. Für Bosch nahmen neben Najork auch Günter Krenz, Geschäftsleiter Bosch Manufacturing Solutions, und Aemen Bouafif, Referent der Bosch-Geschäftsführung, an der Unterzeichnung teil. Neben VW-Vorstand Schmall saßen Frank Blome, Gesamtleitung Batterie Volkswagen Konzern, und Sebastian Wolf, Leiter Operations Batteriezelle Volkswagen Konzern. Für den früheren Europachef von Farasis Energy war es einer der ersten Auftritte für seinen neuen Arbeitgeber.

Was bedeutet das?

Bosch und VW wollen die Kosten- und Technologieführerschaft bei der Akkumontage – klammern aber das Thema Zellfertigung immer noch aus. Womit man sich ein bisschen auf die deutsche Stärke des Maschinenbaus zurückzieht, der nach wie vor zu den starken Assets im Land gehört. Den Knackpunkt Zelle, die immer noch zu großen Teilen aus Asien bezogen werden muss, respektive den fast ausschließlich asiatische Hersteller beherrschen, klammert das leider aus.

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