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Bosch und Continental rissen Blei-Grenzwerte bei Kleinteilen

Jetzt ist es offiziell: In den vergangenen Jahren wurden in Fahrzeuge Elektrikteile mit Bleimengen eingebaut, die über den zulässigen EU-Grenzwerten lagen.

Der Teufel steckt im Detail: Bosch und Conti haben Kleinteile mit zu hohem Bleigehalt verbaut. | Foto: Bosch
Der Teufel steckt im Detail: Bosch und Conti haben Kleinteile mit zu hohem Bleigehalt verbaut. | Foto: Bosch
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Gregor Soller

Bosch und Continental räumten am Wochenende (11. und 12. August 2019) ein, die Vorschriften nicht eingehalten zu haben. Das ergaben Recherchen der „Bild“. Nach übereinstimmenden Aussagen beider Unternehmen und des niedersächsischen Umweltministeriums besteht aber keine Gefahr für Mensch und Umwelt, denn die   betroffenen Komponenten sind verbaut und keinem Verschleiß ausgesetzt. Dabei handelt es sich überwiegend um Leiterplatten und darauf montierte Kondensatoren. Bosch räumte auf Anfrage ein, dass man bereits vor einigen Wochen auf den Sachverhalt aufmerksam geworden sei. Die Auslieferung potenziell betroffener Produkte sei daraufhin gestoppt worden. Auch Continental teilte am Freitagabend (9. August 2019) mit, man habe die "geringfügige Überschreitung" der gesetzlichen Grenzwerte selbst festgestellt und Anfang Juni den zuständigen Behörden gemeldet.

Der Bild am Sonntag hatte ein Unternehmenssprecher von Conti erklärt: "Es war unser Fehler. Wir haben die gesetzlichen Anforderungen übersehen. Wir werden nicht juristisch gegen den Zulieferer vorgehen." Continental hatte Kondensatoren von einem chinesischen Zulieferer bezogen und dann in Komponenten für Autos verbaut.

Unklar blieb zunächst, ob den betroffenen Autos ein behördlicher Rückruf droht. Continental teilte mit, die fraglichen Bauteile mit dem Blei seien vor allem seit 2016 verwendet worden. Nach Informationen der Bild am Sonntag sind die Komponenten in Fahrzeugen fast aller Autohersteller weltweit zu finden. Es soll sich demzufolge um mehrere Millionen Autos handeln, die nach 2013 produziert worden seien.

Typengenehmigung für neue Automodelle in Gefahr

Der Continental-Sprecher sagte der dpa, das Unternehmen könne noch keine Zahl nennen, da sich die Grenzwerte für Schwermetalle in diversen Bauteilen in den Jahren 2013, 2015 und 2016 geändert hätten. Formal hat Continental gegen die jeweils gültige Altfahrzeug-Richtlinie der EU verstoßen, die abhängig vom Datum der Typgenehmigung eines Fahrzeugmodells Grenzwerte festlegt.

Das niedersächsische Umweltministerium fordert Continental auf, einen Maßnahmenplan zu erstellen, der eine schnellstmögliche Reduzierung des Bleigehalts der betroffenen Komponenten auf das zulässige Maß gewährleistet." Dieser Plan sei am Freitag (9. August 2019) eingegangen und werde nun geprüft. Continental will nach eigenen Angaben die Bleimengen in seinen elektronischen Bauteilen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus verringern.

Nach Darstellung der Bild am Sonntag ist jedoch die Typengenehmigung für neue Automodelle in Gefahr. Demnach verlangt das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) von Continental und den Herstellern nun eidesstattliche Versicherungen und Gutachten darüber, dass der Bleigehalt in allen Bauteilen gesetzeskonform ist.

Das Schwermetall Blei ist für die Umwelt nur dann gefährlich, wenn es sich in Verbindungen löst oder als Staub in die Atemluft gelangt. Nach Angaben von Continental geht es um eine Bleimenge von durchschnittlich rund 0,0003 g je Komponente oberhalb des Grenzwerts.

Was bedeutet das?

Komplexe Produkte, komplexe Lieferketten – mit der Problematik, dass keiner mehr das letzte Detail kontrollieren kann oder möchte. Der Schaden für Nutzer und Umwelt hält sich hier in Grenzen, der Schaden für das Image von Bosch und Conti wiegt da schwerer.

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