Bosch iDisc-Bremsscheibe: 90 Prozent weniger Bremsstaub

Bosch geht das Thema Feinstaub auch bei den Bremsscheiben an.

Die Beschichtung macht den Unterschied: Die iDisc soll 90 Prozent weniger Feinstaub emittieren. | Foto: Bosch
Die Beschichtung macht den Unterschied: Die iDisc soll 90 Prozent weniger Feinstaub emittieren. | Foto: Bosch
Gregor Soller

Neben den Abgasen des Motors rücken im Zuge der Feinstaubdiskussion auch Bremsen- und Reifenabrieb in den Fokus. Laut Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg sollen 32 Prozent der Partikelemission im Straßenverkehr von Bremsen und Reifen stammen, davon wiederum etwa die Hälfte vom Bremsstaub.

Deshalb entwickelte die Bosch-Tochter Buderus Guss die neue Bremsscheibe iDisc. Die soll im Vergleich zu einer herkömmlichen Bremsscheibe bis zu 90 Prozent weniger Bremsstaub erzeugen. Grund dafür soll unter anderem eine Hartmetall-Beschichtung aus Wolframkarbid sein, die so aktuell nur Buderus Guss anbietet. Die Basis ist eine gewöhnliche Grauguss-Bremsscheibe, von denen die Bosch-Tochter in Breidenbach und Ludwigshütte (Nordhessen) bis zu 20 Millionen Stück jährlich fertigt. Um aus der Basisscheibe eine iDisc zu machen, werden die Reibringe in einem über viele Jahre von Buderus Guss und der Bosch-Forschung entwickelten Verfahren mechanisch, thermisch sowie galvanisch behandelt und schließlich beschichtet. Das kostet natürlich – laut Bosch ungefähr dreimal so viel wie die normale Grauguss-Bremsscheibe. Doch iDisc ist immer noch ungefähr zwei Drittel billiger als eine Keramik-Bremsscheibe, an deren Verzögerungswerte sie nah herankommen soll.  Auch Fading und Verschleiß solle geringer sein als bei der Standardscheibe: Je nach Stärke der Hartmetall-Beschichtung soll die iDisc ungefähr doppelt so lang wie eine normale Bremsscheibe halten.

Ein weiterer Vorteil bei harten Bremsmanövern oder langen Standzeiten in der Feuchtigkeit oder im Winter: Riefenbildung am Reibring Korrosion sollen kein Thema mehr sein. Was auch zur Elektrifizierung passt, denn wegen der Bremsenergie-Rückgewinnung braucht man die Bremse dort weniger. Und Autobahnkilometerfresser dürften sich freuen, dass die Felgen durch den Bremsstaub nicht mehr so stark verschmutzen sollen. Trotz des (noch) deutlich höheren Preises rechnet Bosch aktuell damit, dass die iDisc die herkömmliche Grauguss-Bremsscheibe ablöst: Allein für Pkw lag der Bedarf an Bremsscheiben 2016 weltweit bei mehr als 330 Millionen Stück.

Was bedeutet das?

Die Elektrifizierung und Feinstaubdiskussion schlug bis zur Bremsscheibe durch – fein, dass sich hier mal jemand des Themas annahm und hier einen großen Schritt weiterkam. Jetzt muss sich iDisc nur noch in der Praxis beweisen.

Printer Friendly, PDF & Email