Bosch gibt Gas bei Wasserstoff

Vor allem für den Einsatz in Lkw mit Erstkunden Nikola/Iveco, aber auch in Pkw und Stationäranwendungen sieht der Zulieferer große Potenziale für die Technologie. Standort Bamberg strebt Richtung Serienfertigung.

Autonome Zellen: Bosch fertigt die erste Generation noch mit Fremdkomponenten, prüft aber eine Vertiefung der Wertschöpfung, wie es heißt. | Foto: Bosch
Autonome Zellen: Bosch fertigt die erste Generation noch mit Fremdkomponenten, prüft aber eine Vertiefung der Wertschöpfung, wie es heißt. | Foto: Bosch
Johannes Reichel

Nach der Fuel-Cell-Offensive des Automobilherstellers Daimler in einem Joint-Venture mit Volvo bei den Trucks hat unabhängig davon auch der Stuttgarter Technologiekonzern Bosch sein Bekenntnis zum Wasserstoffantrieb bekräftigt. Die neu und unter Verwendung externer Komponenten entwickelte Brennstoffzelle soll bereits im Jahr 2023 in den Trucks von Nikola/Iveco sowie in Pkw eines chinesischen Herstellers im Einsatz sein.

"Wir stecken in Bamberg mitten in der Fertigungsvorbereitung, das sieht schon richtig nach Serienfertigung aus", erklärte Produktbereichsleiter Jürgen Gerhardt gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Mittelfristig will Bosch hier die interne Wertschöpfung aber erhöhen. Man prüfe intensiv, ob man in der zweiten Generation "noch tiefer in die Wertschöpfungskette hineingehen könne", bekräftigte Gerhardt weiter. Sein Unternehmenschef Volkmar Denner hatte für die Zeit nach der Corona-Krise einen mutigen Einstieg in die Wasserstoff-Wirtschaft gefordert, aber auch in die Produktion von E-Fuels. Nur so könne seiner Einschätzung nach Europa bis 2050 klimaneutral werden.

„Heutige Wasserstoff-Anwendungen müssen raus aus den Reallaboren und rein in die Realwirtschaft“, erklärte Denner im Frühjahr und mahnte eine entschlossenere Förderung durch die Politik an.

Bereit für Wasserstoff: Mobile und stationäre Brennstoffzellen

Aus Sicht des Technologiekonzerns beschleunige der Klimaschutz den Strukturwandel in vielen Branchen. „In der Automobilindustrie genauso wie in der Gebäudetechnik gewinnt Wasserstoff an Bedeutung", erklärte Denner, der den Konzern darauf vorbereitet sieht. Für den Einsatz in Fahrzeugen habe Bosch bereits mit dem Partner Powercell die Industrialisierung des Stacks einer mobilen Brennstoffzelle in Vorbereitung, dessen Markteinführung ist für 2022 geplant ist. Man sieht darin klar einen Wachstumsmarkt und schätzt, dass 2030 könnte jedes achte neuzugelassene schwere Nutzfahrzeug mit einer Brennstoffzelle ausgestattet sein könnte.

An stationären Brennstoffzellen wiederum arbeitet man mit dem Partner Ceres Power. Diese können zum Beispiel bei der Stromversorgung von Rechenzentren zum Einsatz kommen. Bosch rechnet bereits 2030 mit einem Marktvolumen von mehr als 20 Milliarden Euro für Brennstoffzellen-Kraftwerke und will noch in diesem Jahr über die Industrialisierung der Technologie entscheiden. 

Bosch-Prognose: Auch 2030 noch zwei Drittel Verbrenner

Trotzdem glaubt Denner, dass „elektrische Lösungen die bisher dominierende Verbrennertechnik im Auto zunächst nur ergänzen können“. Man treibe daher auch die Weiterentwicklung der Antriebstechnik "technologieoffen" voran, investiere weiter. Laut eigener Marktforschung würden auch 2030 zwei von drei Neuwagen Diesel oder Benziner sein, mit oder ohne Hybrid. So stoße der Diesel mit der neuen Abgastechnik von Bosch nahezu kein Stickoxid mehr aus, auch Benziner könnten mit innermotorischen Maßnahmen und effizienter Abgasnachbehandlung den Partikelgrenzwert der Euro-6d-temp-Norm um etwa 70 Prozent unterbieten. Der Zulieferkonzern setzt sich zudem für erneuerbare Kraftstoffe ein, da auch der bereits vorhandene Fahrzeugbestand einen Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten müsse, so die Begründung.

"Sogenannte eFuels, also synthetische Kraftstoffe, die ausschließlich mit erneuerbaren Energien erzeugt werden, können den Verbrenner CO2-neutral machen", glaubt der Bosch-Chef.

Laut Denner wäre es deshalb zielführend, solche eFuels auf den Flottenverbrauch anzurechnen, anstatt die CO2-Regulierung für die reinen Fahrzeugemissionen weiter zu verschärfen.

Schwierige Gratwanderung: Verbrenner behalten, E-Mobilität ausbauen

Dennoch will Bosch nach eigenem Bekunden Marktführer in der Elektromobilität werden. Dazu investiere das Unternehmen in seinen Werken Eisenach und Hildesheim in diesem Jahr rund 100 Millionen Euro in die Produktion elektrischer Antriebssysteme. Auch im Bereich Thermotechnik hält die Elektrifizierung beispielsweise bei der Heizungsmodernisierung ihren Einzug. „Wir erwarten eine Dekade der Elektrifizierung im Heizungskeller“, sagte der Bosch-Chef voraus. Vor diesem Hintergrund investiert Bosch zusätzlich 100 Millionen Euro ins Wärmepumpen-Geschäft und will seine Entwicklung ausbauen sowie die Marktanteile verdoppeln.

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