Bosch forciert E-Bike-Sparte mit Antriebsupdate und Notfall-App

Dynamischere Perfomance soll das E-Bike noch relevanter als Pendler- und Transportmittel machen. Neue App alarmiert bei Sturz. Zehn Jahre e-Bike-Antriebe mit Sondereditionen und einer Concept-Studie.

Für den Fall eines Unfalls: Die App erkennt die schwere des Sturzes, warnt die Umgebung und alarmiert nötigenfalls einen Notarzt. | Foto: Bosch
Für den Fall eines Unfalls: Die App erkennt die schwere des Sturzes, warnt die Umgebung und alarmiert nötigenfalls einen Notarzt. | Foto: Bosch
Johannes Reichel

Die E-Bike-Sparte des Automobilzulieferkonzerns Bosch, die eBike Systems, beschleunigt das Tempo zum Modelljahr 2021 und hat für für die Cargo Line, Cargo Line Speed, Performance Line Speed und Performance Line CX Software-Updates bereitgestellt. Mit einem maximalen Drehmoment von 85 Nm und einer weiterentwickelten Software sollen E-Biker von einem noch natürlicheren und dynamischeren Fahrgefühl profitieren. Das erhöhte Drehmoment der Antriebe bringt ein Plus an Leistung, das speziell in niedrigen Trittfrequenzen spürbar sein soll. Die Cargo Line in zwei Ausführungen – mit Unterstützung bis zu 25 km/h und als Cargo Speed mit bis zu 45 km/h - soll nach dem Software-Update neben einem höheren Drehmoment von bis zu 85 Nm mit einer dynamischeren Abstimmung aufwarten. Der Motor unterstützt in niedrigen Trittfrequenzen noch kraftvoller, was das Anfahren an Steigungen und Beschleunigen mit schwerer Ladung spürbar erleichternt.

Auch für Umland-Pendler: Performance Line Speed bis 45 km/h

Die Performance Line Speed beschleunigt S-Pedelecs auf bis zu 45 km/h. Damit seien auch weite Strecken leicht möglich. Ab Modelljahr 2021 bietet der Antrieb ebenfalls ein ein maximales Drehmoment von 85 Nm. Das sorge für mehr Schub und für ein dynamischeres Fahrgefühl, das vor allem in niedrigen Trittfrequenzen zum Tragen kommt. Hohe Geschwindigkeiten würden zudem schneller erreicht. Die Software-Updates für die Cargo Line und Performance Line CX (ab Modell- jahr 2020) können ab Sommer 2020 vom Fachhändler aufgespielt werden. Allerdings lassen sich Lastenräder mit der Drive Unit Cargo Speed sowie S-Pedelecs mit der Drive Unit Performance Speed nicht nachrüsten.

Neue App: Automatisches Notrufsystem wie im Pkw

Neu zum neuen Modelljahr ist auch eine die sogenannte Premium-Funktion der COBI.Bike App namens Help Connect. Damit bekommen Pedelec-Fahrer einen digitalen Begleiter zur Seite, der im Ernstfall ein geschultes Service-Team alarmiert. Das setzt bei Bedarf die Rettungskette in Gang, so das Versprechen. „Wir arbeiten daher permanent an Technologien und Lösungen wie dem Bosch eBike ABS, die das eBiken noch sicherer machen“, sagt Claus Fleischer, Geschäftsleiter von Bosch eBike Systems. Die Smartphone-App erkennt dank eines intelligenten Algorithmus, dass der eBiker gestürzt ist und wie schwer der Sturz war und setzte einen Notruf ab.

„Automatische Notrufsysteme kennt man bereits vom Auto, wo sie bei neuen Fahrzeugmodellen inzwischen sogar Pflicht sind. Aber auch für das eBike ergibt ein solches System Sinn“, erklärt Claus Fleischer.

Die Funktionalität nutzt über die Datenverbindung des Smartphones die Koordinaten des aktuellen Standorts. Das Smartphone sendet nach erkanntem Sturz zudem Warntöne aus, um die nähere Umgebung zu alarmieren. Ersthelfer werden so schneller auf den Unfall aufmerksam und können eingreifen. Zudem haben eBiker jederzeit die Möglichkeit, die Verbindung zum Help Connect Service auch manuell herzustellen.

„Wir haben dieses Feature in Zusammenarbeit mit der Bosch.IO GmbH entwickelt. Der Help Connect Service ist auch für Autos, Motorräder und Smart Homes verfügbar", wirbt Fleischer.

Concept-Bike weist in die Zukunft: Nahtlos integrierter Antrieb

Darüber hinaus haben anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Antriebssysteme von Bosch eBike Systems ausgewählte Hersteller wie Cannondale, Cube oder Moustache exklusive Jubiläums-Bikes designt. Die eBikes sind limitierte Modelle, die durch einen Wettbewerb ermittelt wurden. 2010 präsentierte der Anbieter sein erstes Antriebssystem für Pedelecs.

"Die Entwicklung des Marktes und damit auch des eBike-Designs verliefen in den vergangenen zehn Jahren rasant: Vom Tiefeinsteiger bis zum Mountainbike sind heute nahezu alle Fahrradtypen elektrifiziert", resümiert der Hersteller.

Parallel hierzu seien die Systemkomponenten zunehmend nahtloser in das Fahrraddesign integriert worden. Diese Entwicklung sei noch lange nicht zu Ende. Und mit der Studie eBike Design Vision wolle man die Integration der Komponenten so darstellen, dass es Impulse für das Pedelec-Design der Zukunft gibt. Antrieb und Akku sind dabei im Rahmen eingebettet. Das Concept-Bike ist als Urban Sports Cruiser konzipiert – und soll durch seinen Carbon-Rahmen mit vollständig integrierter Vorder- und Hinterradfederung höchsten Komfort für urbane Wege ebenso für Pendelstrecken und Feldwege bieten. Das Antriebssystem wird mit Rahmen und Lenker zu einer Einheit weiterentwickelt, bei der der Performance Line CX-Motor, der Akku PowerTube 625 sowie der neue Bordcomputer Nyon und eBike ABS voll integriert sind.

Was bedeutet das?

Der vormalig prioritäre Autozulieferer hat längst erkannt, dass die Zukunft weniger im automobilen Sektor, als vielmehr auch in der leichten Elektromobilität liegt. Vom E-Bike bis zum E-Scooter mischt Bosch längst überall mit und liefert komplette Systeme inklusive regelmäßiger Software-Updates wie jetzt. Man mag das als "Freak-Thing" für Bike-Enthusiasten abtun, was der E-Bike-Antriebspionier da abliefert. Aber es ist mehr: Je leistungsfähiger und intelligenter E-Bike-Antriebe werden, desto relevanter und ernstzunehmender sind sie als Transportmittel, auch für mittlere Distanzen, die bisher noch meist mit dem Automobil bestritten werden. Löblich ist, dass Bosch über die ohnehin schon mächtigen 85 Nm nicht hinaus geht - und dass Bosch-eBike-Chef Fleischer in der Pressekonferenz betont, man wolle das Gefühl des Fahrradfahrens und des Pedalierens erhalten und nicht etwa verkappte E-Motorräder kreieren.

In der Tat: Die Entwicklung verläuft hier rasant und immer mehr Anbieter tummeln sich in dem boomenden Markt. Erst recht mit Corona bekam das Fahrrad als Mittel der Wahl einen Schub, wie ihn Bosch jetzt seinen Antrieben gibt. Wobei man ehrlicherweise sagen muss, für Kurzstrecken mit dem Solo-Fahrrad in der Stadt braucht man auch keine elektrische Unterstützung. Für das weitere Pendeln oder die Anwendung im Lastenrad, sei es privat oder erst recht gewerblich, da ergibt der E-Antrieb wirklich Sinn und erschließt komplett neue Horizonte und Chancen. Dass man auch in Sachen "Notruf"-System zum Automobil aufschließt, ist da mehr als eine Randnotiz: Es ist ein Symbol. Das Fahrrad ist in vielen Mobilitäts-Fällen ebenbürtig - und in Sachen Nachhaltigkeit weit überlegen.

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