BMWs Start in die Brennstoffzellen Großserie: SUV iX5 Hydrogen

Die Kleinserienproduktion des Geländewagens soll noch vor Ende 2022 beginnen. Laut Medienberichten wollen die Münchner nun Brennstoffzellen-Fahrzeuge ab 2025 in Großserie produzieren. Zudem strebt BMW die Teilnahme an einer europaweiten Initiative zum Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft an.

Im März diesen Jahres am Polarkreis unterwegs soll der iX5 Hydrogen nun doch in Großserien-Produktion gehen.| Foto: BMW Group
Im März diesen Jahres am Polarkreis unterwegs soll der iX5 Hydrogen nun doch in Großserien-Produktion gehen.| Foto: BMW Group
Thomas Kanzler

BMW Vertriebschef Pieter Nota kündigte an, bereits 2025 mit der Serienproduktion und dem Verkauf von Brennstoffzellenfahrzeugen beginnen, die gemeinsam mit Toyota Motor entwickelt wurden. Dies sagte Vertriebschef Pieter Nota gegenüber Pressevertretern und skizzierte damit den Vorstoß des deutschen Automobilherstellers in Richtung umweltfreundlicherer Autos angesichts der zunehmend strengeren Umweltvorschriften in Europa.

"Wir sehen, dass die Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie besonders für größere SUVs relevant ist", so Nota.

Dazu strebt der Automobilhersteller eine Kooperation mit Toyota über den gemeinsam entwickelten iX5 Hydrogen hinaus an. BMW hatte das Brennstoffzellen-Konzeptfahrzeug iX5 Hydrogen im September 2021 auf der Internationalen Automobilausstellung in Deutschland präsentiert.

Vorgestellt 2021, Testfahrten 2022

Der iX5 basiert auf dem Geländewagen X5. Mit den Fahrtests am Polarkreis setzte die BMW Group den Entwicklungsprozess für den iX5 Hydrogen fort und will noch im Laufe dieses Jahres eine Kleinserie dieses Modells produzieren. Parallel dazu setzt sich das Unternehmen für den Ausbau des Wasserstoff-Tankstellen-Netzes ein.

„Die Wintererprobung unter Extrembedingungen zeigt deutlich, dass der BMW iX5 Hydrogen auch bei Temperaturen von minus 20 Grad die volle Performance bietet und damit eine valide Alternative zum BEV darstellt. Um unseren Kunden mit einer Brennstoffzelle ein attraktives Angebot für nachhaltige Mobilität machen zu können, ist auch eine ausreichende Wasserstoff-Infrastruktur erforderlich“, sagt Frank Weber, Mitglied des Vorstands der BMW AG für Entwicklung.

Vorteile bei Reichweite und Tankgeschwindigkeit – aber fehlende Infrastruktur

FCVs können in drei bis vier Minuten aufgetankt werden - viel schneller als ein batterieelektrisches Fahrzeug. Obwohl BMW die Reichweite des iX5 nicht bekannt gegeben hat, ist das Modell mit zwei rund 6 Kilogramm schweren Tanks ausgestattet. Dies soll Langstreckenfahrten ohne Nachtanken ermöglichen.

Eine wichtige Voraussetzung für nachhaltige individuelle Mobilität in Form von Brennstoffzellen-Fahrzeugen ist neben der Erzeugung von Wasserstoff mithilfe von regenerativ gewonnener Energie auch eine flächendeckende Versorgungs-Infrastruktur.

„Als BMW Group unterstützen wir daher die Bestrebungen der EU-Kommission zur Umsetzung der AFIR (Alternative Fuels Infrastructure Regulation) zum parallelen Aufbau von Wasserstoff-Tankstellen und einer elektrischen Lade-Infrastruktur“, sagt Jürgen Guldner, Leiter BMW Group Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie und -Fahrzeugprojekte. „Wir wünschen uns sogar eine noch ambitioniertere Ausgestaltung und frühere Umsetzung.“

Im Rahmen des Green Deal Gesetzespaktes „Fit for 55“ strebt die Europäische Kommission die Schaffung einer verbindlichen Basisinfrastruktur an. Mit dem Umsetzen des AFIR-Entwurfs sollen europaweit in allen Mitgliedsstaaten 700-bar-Wasserstoff-Tankstellen in einem maximalen Abstand von 150 Kilometern zueinander entlang der Hauptverkehrsstraßen errichtet werden. Die BMW Group begrüßt diese Initiative und fordert, die Abstände bis 2027 auf 100 Kilometer zu verringern.

Bis 2030 50 Prozent Stromer

Auch BMW wird seine Umstellung auf Elektrofahrzeuge beschleunigen. Das Unternehmen strebt derzeit an, dass 50 Prozent der konzernweiten Neuwagenverkäufe - einschließlich der Marken Mini und Rolls-Royce - bis 2030 auf Elektrofahrzeuge entfallen sollen.

„Der Anteil der Elektroautos an den Verkäufen ist größer als erwartet, und wenn das derzeitige Tempo beibehalten wird, können wir diese 50 Prozent vielleicht ein oder zwei Jahre früher erreichen", sagte Nota. Zugleich wies er auf die Hürden hin, die für E-Fahrzeuge noch bestehen. „Die Ladeinfrastruktur ist nicht überall gleich."

Mangelnde Verfügbarkeit von notwendigen Materialien

Die Strategie von BMW wird von einem langwierigen Teilemangel überschattet. Elektroautos benötigen mehr Chips als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Die Automobilhersteller stehen überall unter Druck, um eine ausreichende Versorgung sicherzustellen. Der Münchner Automobilkonzern reagiert auf diese Herausforderung, indem es langfristige Verträge zur Beschaffung von Chips abschließt, die von seinen Zulieferern verwendet werden. Das Unternehmen unterzeichnete Ende 2021 einen Vertrag mit Inova Semiconductors und GlobalFoundries für Smart-LED-Chips. Es wird vermutet, dass BMW im Rahmen dieses Vertrags Millionen von Einheiten pro Jahr garantiert. Der Autobauer plant, diesen Ansatz sowohl in Bezug auf das Gesamtvolumen als auch auf die Vielfalt der Halbleiter zu erweitern.

Große Automobilzulieferer wie Bosch und Continental hätten in Europa traditionell eine große Nachfragemacht. Laut BMW-Manager Nota könnten sich angesichts der weltweiten Halbleiterknappheit die Automobilhersteller jedoch nicht ausreichend mit Chips versorgen, wenn sie sich nur auf diese Zulieferer verlassen würden und müssten ihre Lieferketten erweitern.

BMW nach wie vor Technologieoffen

Der Automobilkonzern erwartet, dass Fahrzeuge mit Benzinmotor, einschließlich Hybride, im Jahr 2030 immer noch etwa die Hälfte des Konzernabsatzes ausmachen werden.

"Wir investieren auch weiterhin in den Bereich der Verbrennungsmotoren", sagte Nota, „wir glauben an die Bedeutung verschiedener Technologien - batterieelektrische Fahrzeuge, aber auch Wasserstoff und effiziente Verbrennungsmotoren - weil wir nicht alle unsere Investitionen in einen Bereich stecken wollen.“

Was bedeutet das?

In der Vergangenheit hatte sich BMW immer wieder für FCEV eingesetzt. Seit 2013 kooperieren die Münchner mit Toyota, um die Brennstoffzellen-Technik voran zu bringen. Bisher hatte BMW aber keine konkreten Pläne veröffentlicht, wann Serienmodelle mit dem Wasserstoff-elektrischen Antrieb auf den Markt kommen sollen. Die Wasserstoff-Infrastruktur steckt quasi noch in den Kinderschuhen. Und immer noch ist BMW "technologieoffen" und einer der wenigen Autobauer, die sich nicht eindeutig zum Stromer bekennen. Die Zukunft wird zeigen, ob die Münchner mit der Weiterentwicklung von Verbrennern nicht auch Geld "verbrennen".

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