BMW will Verbrenner massiv zurückfahren

Mit der Erhöhung der elektrifizierten Modelle will BMW das Verbrenner-Angebot ausdünnen.

Der 6er GT wird wahrscheinlich keinen Nachfolger erhalten. | Foto: BMW
Der 6er GT wird wahrscheinlich keinen Nachfolger erhalten. | Foto: BMW
Gregor Soller

Auch BMW veröffentlichte einen positiven Geschäftsbericht für 2020. Trotzdem machte BMW-CEO Oliver Zipse einige Andeutungen konkreter: Auf den weiterentwickelten „CLAR“ genannten Fahrzeug-Architekturen für Verbrenner und Elektrofahrzeuge sollen ab 2021 „bis zu 50 Prozent der klassischen Antriebsvarianten entfallen – zugunsten von zusätzlichen elektrifizierten Antrieben“, so Zipse. Zu den Streichkandidaten dürfen die Sechser-Reihe ebenso zählen wie Varianten des 8er-Coupés oder auch er Roadster Z4. Das Sportwagensegment könnte künftig allein ein i8-Nachfolger mit erstarktem Plug-in-Hybrid bestreiten. Außerdem werden BMW—intern V8- und V12-Benziner immer wieder neu gerechnet. Der V12, der auch bei Rolls-Royce verbaut wird, könnte künftig V8-Motoren Platz machen, die wiederum in die Kooperation mit Jaguar-Land-Rover einfließen. Insofern dürfte deren Totenglöckchen so schnell noch nicht läuten. Leistungsseitig kann man mittlerweile extrem viel mit der Reihendrei- bis Reihensechszylinder-Familie abbilden, die je 500 Kubikzentimeter Zylindervolumen hat und auf einem ausgeklügelten Motorenbaukasten basiert. Ergänzt man den R6 um E-Maschinen, lassen sich problemlos die Leistungen der heutigen V8- und V12-Benziner abbilden. Der i3 soll Stand heute noch in weiteres Update erhalten und so bis 2024 weitergebaut werden. Die Schaffung einer neuen hochflexiblen Plattform sei zum jetztigen Zeitpunkt genau richtig, wie Zipse erklärt:

„Wir gehen die Transformation unserer Branche mit Zuversicht und Vertrauen in unsere Innovationskraft an. Wir haben die anstehenden Veränderungen frühzeitig erkannt und unsere Hausaufgaben gemacht. Jetzt entfaltet sich unser volles Potential – genau im richtigen Moment.“

Tatsächlich konnte die BMW Group im letzten Quartal ihre Profitabilität weiter steigern. Das Unternehmen erzielte dabei zwischen Oktober und Dezember dank eines zunehmenden Anteils von Fahrzeugen aus dem oberen Segment den bisher höchsten Quartalsumsatz, wie Zipse stolz bemerkt:  

„Wir haben unsere Profitabilität 2019 von Quartal zu Quartal gesteigert – und das trotz eines herausfordernden Marktumfelds. Das zeigt, dass wir die richtigen Produkte auf der Straße haben und unsere Strategie wirkt.“

Nachdem BMW aktuell einen Großteil der Palette auch Plug-in-Hybride zur Seite gestellt hat, sollen noch ab 2020 weitere reine Elektroautos folgen. Darunter der iX3 aus China, ab 2021 denn der i4 und das SUV iNext. Wobei sich i4 teils und der iNext dann komplett der neuen hochflexiblen CLAR-Plattform bedienen, die alle Antriebsvarianten trägt. Damit einher geht allerdings auch ein Paradigmenwechsel: Der iX3 ist neben dem Mini Cooper SE der letzte „umkonstruierte“ Verbrenner, während der i4 noch eng mit den Verbrennern der 3er und 4er-Reihe verwandt ist. Deren Basis sah von vornherein Stromer auf der Plattform vor. Der iNext wird jedoch als Elektromodell starten, das später auch X3 bis X7 tragen könnte – mit welchem Elektrifizierungsgrad und Verbrenner auch immer.

Bis 2021 will BMW den Absatz elektrifizierter Fahrzeuge gegenüber 2019 verdoppeln – im letzten Jahr waren es mehr als 85.000 voll- und teilelektrische Wagen. 2023 sollen 25 elektrifizierte Modelle angeboten werden, mehr als die Hälfte davon, also wahrscheinlich 13 Autos, vollelektrisch. Bis 2025 rechnet BMW mit einer steilen Wachstumskurve: Jahr für Jahr soll der Absatz an Elektrofahrzeugen um durchschnittlich über 30 Prozent steigen.

Was bedeutet das?

BMW wird sein Programm in den nächsten Jahren stärker umsortieren als je zuvor: Einer Ausweitung der elektrifizierten Modelle dürfte ein Streichkonzert bei den Verbrennern gegenüberstehen, das jetzt schon begann: Dopplungen wie 3er-GT und 4er Gran Coupé wird es künftig nicht mehr geben. Der Corona-Virus und die CO2-Richtlinien dürften das "Aussortieren" bestimmter Verbrenner eher beschleunigen. 

 

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