BMW schlittert in die roten Zahlen

Zum ersten Mal seit über zehn Jahren macht der Autobauer Verluste - und führt das unter anderem auf die hohen Investitionen in E-Mobilität und autonomes Fahren zurück. Doch auch die Antriebsstrategie ist unklar.

Was bin ich - und wenn ja, wie viele: Die Studie iNext von BMW, hier am Stand auf dem MWC in Barcelona, wirkt seltsam unentschlossen zwischen SUV und Limousine, wenig elegant und soll ab 2021 als i5 auf den Markt kommen. | Foto: J. Reichel
Was bin ich - und wenn ja, wie viele: Die Studie iNext von BMW, hier am Stand auf dem MWC in Barcelona, wirkt seltsam unentschlossen zwischen SUV und Limousine, wenig elegant und soll ab 2021 als i5 auf den Markt kommen. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Der Autobauer BMW hat erstmals seit Ende der Finanzkrise wieder einen Verlust vermeldet: Im ersten Quartal machte das Autogeschäft ein Minus von 310 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 1,88 Milliarden Euro im Vorjahr. Außerdem muss der Hersteller Rücklagen von 1,4 Milliarden Euro bilden für ein mögliches Bußgeld im EU-Kartellverfahren, bei dem es um den Verdacht illegaler Absprachen mit den Wettbewerbern Daimler und Volkswagen bei der Einführung von neuer Abgastechnik geht. Auch der mögliche Brexit trifft den Hersteller härter als andere, weil man mit zwei Marken Mini und Rolls-Royce auf der Insel verwurzelt ist. Nicht zuletzt werden die schlechten Zahlen neben höheren Rohstoffpreisen auf die hohen Investitionen in Elektromobilität sowie autonomes Fahren zurückgeführt. BMW-Chef Harald Krüger hat ein massives Sparprogramm angekündigt. Bis Ende 2022 will man zwölf Milliarden Euro an Einsparungen realisieren. "Es gibt keine Tabus. Wir drehen jeden Stein um", erklärte der BMW-Topmanager.

Was bedeutet das?

Es ist eine Zäsur nach einer beispiellosen Rekordfahrt, die kein Ende zu nehmen schien. Doch jetzt wies BMW erstmals seit Manager-Gedenken wieder einen Verlust aus, korrigierte die Prognosen nach unten und vermeldete schmerzhaft sinkenden Ertrag. Was lief da falsch? Hat sich der Hersteller, der doch so mutig als erster Premiumhersteller und mit einem wirklich progressiven, fast avantgardistischen Elektrofahrzeug in die Vorleistung ging, verzettelt, ist gar "vom Weg abgekommen", wie die Süddeutsche Zeitung titelt. Jedenfalls ist da was dran: Der Schlingerkurs zwischen einerseits effizienzgetriebener Elektromobilität und Nachhaltigkeit einerseits und immer größeren und schwereren SUV mit Verbrennungsmotoren, jüngster Exzess der X7, erzählt keine glaubwürdige, eher eine doppelzüngige Geschichte. Und es kostet immens viel Geld, auf allen Hochzeiten - Elektro, Hybrid, Verbrenner - tanzen zu wollen.

Einstige Pioniertaten etwa im Bereich Brennstoffzelle gerieten da ohnehin schon ins Hintertreffen. BMW-Chef Harald Krüger steckt in einem Dilemma: Er will das aktuelle Geschäftsmodell so lange es geht erhalten - setzt seit Genf erst recht massiv auf Plug-In-Hybride. Und muss andererseits eine Vision für die Bayerischen Motorenwerke entwickeln, die in die Zukunft weist. Sinnbild für diesen Widerstreit ist die Konzept-Studie iNext, die seltsam unentschlossen wirkt und in ihrer Klobigkeit so gar nicht BMW-like elegant. Auch der für 2020 angekündigte iX3 ist eine vergleichsweise uninspirierte Elektro-Version des Verbrenner-SUV. Da waren i3 und i8 visionärer. Es ist dringend nötig, dass BMW nicht nur einen Sparkurs fährt, sondern auch festlegt, wo dieser Kurs hingehen soll. 

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