BMW-Pilot Maximilian Günther siegt beim Formel-E-Heimrennen in Berlin

Maximilian Günther hat das dritte von sechs Formel-E-Rennen in Berlin gewonnen. Der deutsche BMW-Pilot setzte sich in einem echten Energie-Krimi mit einem Wimpernschlag Vorsprung gegen Robin Frijns durch.

Maximilian Günther sicherte sich in Berlin seinen zweiten Formel-E-Sieg. | Foto: BMW Motorsport
Maximilian Günther sicherte sich in Berlin seinen zweiten Formel-E-Sieg. | Foto: BMW Motorsport
Timo Pape

Maximilian Günther hat das dritte von sechs Formel-E-Rennen in Berlin gewonnen. Der deutsche BMW-Pilot setzte sich in einem echten Energie-Krimi mit einem Wimpernschlag Vorsprung gegen Robin Frijns durch. Jean-Eric Vergne verteidigte bis zur Ziellinie den dritten Platz gegen Teamkollege Antonio Felix da Costa, der nach drei Siegen in Folge erstmals nicht aufs Podium kam. Andre Lotterer im Porsche komplettierte die Top 5.

Am Start behauptete Vergne seine Führung ohne Probleme. Jerome d'Ambrosio erwischte ebenfalls einen sehr guten Start und ging in Kurve 1 an Günther vorbei. Dahinter wagte Stoffel Vandoorne einen Versuch außen herum gegen Alex Lynn, verschätzte sich jedoch beim Bremsen und musste nicht nur Lynn, sondern auch Frijns passieren lassen. In der zweiten Runde holte sich Günther in Kurve 6 den zweiten Platz von d'Ambrosio zurück. Felix da Costa belegte weiterhin den achten Rang, auf dem er gestartet war.

Wenig später schnappte sich Frijns den vierten Platz von Lynn, der wie schon am Donnerstag im Rennmodus nicht ganz so gut vorankam wie im Qualifying. Auch Vandoorne ging in der nächsten Runde am Briten vorbei. Günther machte derweil Druck auf den Führenden Vergne, der sich bemerkenswerterweise nicht absetzen konnte. Der Deutsche folgte dem amtierenden Formel-E-Meister mehrere Runden lang mit weniger als einer Sekunde Rückstand.

Trümmerfeld nach Dreifach-Kollision

Nach 13 Minuten holte sich Lucas di Grassi als Erster den Attack-Mode. Er sollte jedoch nicht lang davon profitieren, denn am Ausgang von Kurve 9 ereignete sich ein Unfall: Zunächst wurde James Calado von Alex Sims gedreht und stand quer auf der Strecke. Sergio Sette Camara wich aus, kollidierte beim Anfahren nach rechts aber mit dem zweiten Jaguar von Mitch Evans. Durch die Verzögerung krachte Neel Jani ins Heck des Dragon.

Um das Trümmerfeld räumen zu lassen, rief die Rennleitung das Safety-Car auf den Plan. Calado kam an die Box, um sich neue Reifen zu holen, klagte aber wenig später am Funk, dass sich das Auto sehr seltsam anfühle. Wenig später gab er auf. Für Sette Camara und Jani war das Rennen ebenfalls vorbei. Kurz vor dem Unfall hatte außerdem Felipe Massa seinen Landsmann di Grassi in Kurve 1 gedreht, als dieser ihn im Attack-Mode außen herum überholen wollte. Di Grassi verlor drei Plätze. Massa sollte später eine Durchfahrtsstrafe für die Aktion erhalten.

Spannendes Duell um die Führung

Pünktlich zur Rennhalbzeit ging es im Renntempo weiter - und zwar mit jeder Menge Action. Günther machte direkt wieder Druck auf Vergne, holte sich dann aber seinen ersten Attack-Mode, wodurch er bis hinter Vandoorne zurückfiel und etwas Zeit verlor. Allerdings eroberte der BMW-Pilot schnell den zweiten Platz zurück. Anschließend fuhr Vergne seinerseits durch die Attack-Zone und kam geradeso eben vor Günther zurück auf die Ideallinie.

Dann der Schreck für Mercedes: Vandoorne erlitt hinten links einen Reifenschaden und fiel ans Ende des Feldes zurück. Frijns, der inzwischen d'Ambrosio überholt hatte, war nun schon Dritter und holte sich ebenfalls den Attack-Mode. Felix da Costa machte nach mehreren Versuchen einen Platz gegen Lynn gut, und auch Lotterer schlüpfte bei dieser Gelegenheit mit durch.

13 Minuten vor Schluss holten sich die beiden Führenden ihren zweiten Attack-Mode. Vergne blieb zunächst wieder knapp vor Günther, hatte zu diesem Zeitpunkt aber schon etwas mehr Energie verbraucht. Das enge Duell zog sich über weitere Runden hin. Oliver Rowland arbeitete sich indes bis auf den vierten Platz vor. Hinter ihm folgten d'Ambrosio und Felix da Costa, die jedoch wenig später die Plätze tauschten. Auch Rene Rast zeigte lange Zeit ein gutes Rennen und lag zu diesem Zeitpunkt schon auf Rang 12. Am Ende sollte er allerdings ausfallen.

Packende Energie-Schlacht in der Schlussphase

Günther folgte Vergne weiterhin direkt im Windschatten und konnte dadurch zunehmend Energie sparen, während sich Vergne stets verteidigen musste. Knapp vier Minuten vor Schluss gerieten die beiden in Kurve 1 erstmals aneinander. Vergne blieb noch vorn, doch in Kurve 7 setzte Günther an und ging am Führenden vorbei. Zudem hatte er gut zwei Prozent mehr Energie - Günther auf dem Weg zum Heimsieg in Berlin.

Lotterer überholte wenig später Rowland und übernahm Platz 5. Felix da Costa war zu diesem Zeitpunkt Vierter, Frijns weiterhin auf Podiumskurs. Es sollte jedoch noch besser kommen für den Niederländer: Eine Minute vor Schluss griff er Vergne in Kurve 1 an und ging an ihm vorbei. Vergne musste nun in den Rückspiegel schauen, denn hinter ihm kam mit Energie-Vorteil bereits Teamkollege Felix da Costa angeflogen.

In der letzten Runde wurde es noch mal richtig spannend: Frijns machte nun Druck auf den Führenden Günther. Der Deutsche wehrte jedoch alle Angriffe ab und kam fast zeitgleich mit Frijns, jedoch als Erster, über die Ziellinie - der Heimsieg für Maximilian Günther! Vergne verteidigte Platz 3 mit aller Macht gegen Felix da Costa, Lotterer sicherte Platz 5.

Vorsprung von Felix da Costa gleich geblieben

Durch seinen Sieg übernahm Günther den zweiten Platz in der Gesamtwertung. Allerdings holte auch Felix da Costa erneut wertvolle Punkte, sodass sein Punktepolster von vor dem Rennen (68 Zähler) identisch blieb. Dritter ist nun di Grassi, Vierter Mitch Evans, der Platz 9 und immerhin noch die schnellste Rennrunde holte.

Bei den Teams konnte DS Techeetah seinen Vorsprung trotz des BMW-Sieges weiter ausbauen und hat die Titelverteidigung beinahe sicher. Einen Satz nach vorn machte Virgin, die nun Gesamtvierter sind. Das vierte von sechs Formel-E-Rennen in Berlin-Tempelhof findet bereits am Sonntag statt.

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