BMW: Mehr Nachhaltigkeit auch mit Verbrennern

Kein Premium ohne Nachhaltigkeit: BMW setzt sich neue Klimaziele und will sich künftig stärker als umweltfreundliches Unternehmen profilieren - ohne den kompletten Abschied vom Verbrenner zu vollziehen.

Mehr Grün im Wagen: BMW gibt sich neue Nachhaltigkeitsziele und will diese jährlich überprüfen lassen. | Foto: BMW Group
Mehr Grün im Wagen: BMW gibt sich neue Nachhaltigkeitsziele und will diese jährlich überprüfen lassen. | Foto: BMW Group
Johannes Reichel

Der Münchener Automobilhersteller BMW Group hat sich neue Klimaziele verordnet und will sich künftig stärker als umweltfreundliches Unternehmen profilieren. Künftig solle es "Kein Premium ohne Nachhaltigkeit" geben, kündigte BMW-Chef Oliver Zipse in München an. Über diese gesamte Bandbreite sollen die CO2-Emissionen je Fahrzeug deutlich um mindestens ein Drittel gesenkt werden. Für eine Flotte von gut 2,5 Millionen Fahrzeugen, die 2019 von der Gruppe produziert wurden, würde das 2030 einer Reduktion von mehr als 40 Millionen Tonnen CO2 über den Lebenszyklus entsprechen. Erstmals will man dabei CO2-Ziele für kompletten Lebenszyklus bis 2030 einführen, die auf wissenschaftlichen Daten basieren, den sogenannten Science Based Targets.

Eine "deutliche CO2-Reduzierung" erhofft man auch durch mehr als sieben Millionen elektrifizierte Fahrzeuge bis in zehn Jahren. Die CO2-Emissionen von Produktion und Standorten je Fahrzeug sollen zudem um 80 Prozent sinken, ab 2030 will man nur noch Grünstrom verwenden und setzt hier auch Hoffnungen auf die Potenziale von "grünem Wasserstoff" zur Energiegewinnung an den Standorten. Man erhebt den Anspruch, über nachhaltigste Lieferkette der gesamten Branche zu verfügen und will dafür eine Kreislaufwirtschaft als "Zielbild für Umgang mit Ressourcen" installieren. 

„Wir haben uns sehr klar dem Pariser Klimaabkommen verpflichtet. Mit der neuen Ausrichtung schlagen wir deswegen einen Kurs ein, der deutlich ambitionierter als das Zwei-Grad-Ziel ist", proklamierte Zipse.

Man treffe dabei keine abstrakten Aussagen, sondern habe einen detaillierten 10-Jahresplan mit jährlichen Zwischenzielen für die Etappe bis 2030 entwickelt, so Zipse weiter. Zudem wolle man jährlich über die Fortschritte berichten und sich an diesen Zielen messen lassen. "Das wird auch in die Vergütung von Vorstand und Top-Management einfließen“, kündigte Zipse an. 

Keine dezidierte Rede von Klimaneutralität

Allerdings ist bei BMW nicht von Klimaneutralität die Rede, wie etwa bei Daimler, das schon 2039 klimaneutral wirtschaften will oder dem VW-Konzern, der dieses Ziel für 2050 ausgegeben hat. Auch ein Datum für den Abschied aus der Verbrennertechnologie will Zipse nicht nennen. Die komplette Umstellung auf Elektromobilität hält Zipse für eine "Wette", deren Einlösung unklar sei. Möglicherweise gebe es gar keinen so großen Weltmarkt für E-Fahrzeuge und viele Menschen würden weiter auch und überwiegend mit Verbrenner-Modellen fahren. Daher mache man hier auch keine konkrete Aussage. Zudem gibt es auch keine Abkehr von großen und schweren Fahrzeugen der SUV-Klasse, die man aber elektrifizieren und mittels Ökostrom sowie automatischer Umschaltung auf E-Betrieb "nachhaltiger" machen will.

Bis 2023 25 elektrifizierte Fahrzeuge da sein, zur Hälfte BEV

Zudem will man bis Ende 2021 mit dem BMW i3, dem MINI Cooper SE*, dem BMW iX3, dem BMW iNEXT sowie dem BMW i4 fünf vollelektrische Serienfahrzeuge anbieten. Ein weiterer Meilenstein soll die kommende Generation des BMW 7er werden, der als Diesel oder Benziner mit 48 Volt Technologie sowie als elektrifizierter Plug-in-Hybrid und erstmals als vollelektrisches BEV-Modell kommt. 2023 werde das Unternehmen 25 elektrifizierte Modelle auf der Straße haben – die Hälfte davon vollelektrisch, kündigte Zipse weiter an.

Mehr Sekundärmaterial verwenden

Rohstoffseitig verwies der Hersteller darauf, dass Fahrzeuge bereits zu 95 Prozent recyclingfähig sein müssten. Allerdings sei der Anteil an Sekundärmaterial in neuen Fahrzeugen noch vergleichsweise niedrig. Man plane, diesen Anteil von Sekundärmaterial in ihren Fahrzeugen bis 2030 deutlich zu erhöhen. Sekundärmaterial reduziere die CO2-Emissionen gegenüber Primärmaterial deutlich, bei Aluminium etwa um den Faktor 4-6. Zudem sei gerade bei kritischen Rohstoffen eine Minimierung der notwendigen Neugewinnung essentiell, um Bestände zu schützen und Konfliktpotenziale zu reduzieren.

"Gerade mit Blick auf die Hochvoltspeicher elektrifizierter Fahrzeuge mit ihren teils kritischen Rohstoffen kommt der Kreislaufwirtschaft eine entscheidende Rolle zu", glaubt der Hersteller.

Während EU-weit derzeit nur eine Recyclingquote von 50 Prozent bei Hochvoltspeichern gefordert sei, habe die BMW Group gemeinsam mit dem deutschen Recycling Spezialisten Duesenfeld ein Verfahren entwickelt, mit dem eine Recyclingquote von bis zu 96 Prozent erreicht werden könne – inklusive Grafit und Elektrolyte. Zudem nehme die Gruppe schon heute weltweit alle gebrauchten Hochvoltspeicher zurück – auch ohne gesetzliche Verpflichtung, wie man betont. Vor dem Recycling stehe dabei noch eine Second Life Nutzung in Speicherfarmen wie etwa im BMW Group Werk Leipzig.

 

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