BMW iX: Starkes Statement

Ab November 2021 wird der iX weltweit ausgeliefert. Später wird eine M-Version mit über 600 PS folgen.

Mit dem iX schlägt BMW ein neues Kapitel auf - hier mal wieder vor klassischer Münchner Kulisse | Foto: BMW
Mit dem iX schlägt BMW ein neues Kapitel auf - hier mal wieder vor klassischer Münchner Kulisse | Foto: BMW
Gregor Soller

BMW iX spricht von einer „Neuinterpretation des Fahrzeugkonzepts des Sports Activity Vehicles (SAV)“ – wir tun uns etwas schwer mit den blockigen Proportionen, die vor von schräg hinten auch aussehen können, als schleife der iX eine volle Windel hinter sich her (was auch für den X4 gilt) - Geschmackssache. Fest steht: Der Dingolfinger wurde von Beginn an für reine Elektromobilität konzipiert und nutzt den modernsten BMW-Baukasten, der noch Potenzial für weitere Innovationen in den Bereichen automatisiertes Fahren, Bedienung, Vernetzung und digitale Services bieten soll.

Start mit zwei starken Modellen

Zur Markteinführung stehen zwei Modellvarianten zur Wahl. Beide verfügen über elektrischen Allradantrieb, dessen Systemleistung 385 kW/523 PS im BMW iX xDrive50 (Stromverbrauch kombiniert gemäß WLTP: 19,8 bis 23,0 kWh/100 km) und 240 kW/326 PS im BMW iX xDrive40 (Stromverbrauch kombiniert gemäß WLTP: 19,4 bis 22,5 kWh/100 km) beträgt. Die Effizienz der Antriebstechnik und die jüngste Batteriezellen-Technologie sollen im Testzyklus WLTP ermittelte Reichweiten von bis zu 630 Kilometer im BMW iX xDrive50 und bis zu 425 Kilometer im BMW iX xDrive40 bieten, wovon reell gut 500 respektive gut 300 übrig bleiben dürften. Genug auch für Langstrecken. Später soll noch der „Überdrüber-iX“ folgen: iX M60 (Stromverbrauch kombiniert gemäß WLTP: 21,6 kWh/100km), der dann eine Höchstleistung von mehr als 440 kW/600 PS bieten soll. Bei den Angaben über Motorleistung und Energieverbrauch handelt es sich bisher allerdings um Prognosen auf Basis des bisherigen Entwicklungsstands des Fahrzeugs. Schade, dass BMW es nicht auch kleiner hat: 150 bis 180 kW in der Basis hätten es im Alltag für viele Kunden sicher prinzipiell auch getan.  

Tolle Aerodynamik: Ein cW-Wert von 0,25 ist eine Ansage

Karosseriestruktur, Konstruktionsprinzip und Fahrwerksabstimmung des BMW iX sind darauf ausgerichtet, souveränen Fahrkomfort mit sportlichen Handlingeigenschaften zu kombinieren. Das Aluminium-Spaceframe-Konzept und der Carbon Cage mit carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK) im Dach-, Seiten- und Heckbereich bilden einen intelligenten Materialmix, der eine erhöhte Steifigkeit mit einem optimierten Gewicht kombiniert. Effizienz und Reichweite profitieren auch von den optimierten Aerodynamik-Eigenschaften, die dem BMW iX zu einem CW-Wert von 0,25 verhelfen. Die tief im Unterboden angeordnete Hochvoltbatterie senkt den Fahrzeugschwerpunkt und fördert das agile Fahrverhalten ebenso wie die ausgeglichene Achslastverteilung. Die perfekt ausbalancierten Fahreigenschaften lassen den BMW iX sowohl solide und komfortabel als auch agil und leichtfüßig wirken.

Neues Goodie: Die aktornahe Radschlupfbegrenzung

Der elektrische Allradantrieb mit intelligenter Steuerung soll eine vollvariable Kraftübertragung vom reinen hocheffizienten Hinterradantrieb bis zum auf maximale Traktion ausgeregelten Allradantrieb ermöglichen. Für eine zusätzliche Optimierung von Traktion und Fahrstabilität sorgt die erstmals in Verbindung mit Allradantrieb eingesetzte sogenannte „aktornahe Radschlupfbegrenzung“. Das in die Motorsteuerung integrierte System soll besonders schnelle und präzise Regeleingriffe bieten. So soll auch unter widrigen Witterungs- und Fahrbahnbedingungen stets „souveräner Vorwärtsdrang“ möglich sein. Der iX xDrive50 spurtet in 4,6 Sekunden von null auf 100 km/h. Im iX xDrive40 lässt sich dafür 6,1 Sekunden Zeit.

Auch hier verbaut BMW die eDrive Technologie der fünften Generation, bei der Elektromotor, Leistungselektronik und Getriebe in einem gemeinsamen Gehäuse zusammengeführt sind. Davon profitieren laut BMW sowohl die Leistungsdichte als auch der Wirkungsgrad. Außerdem wird so der Bauraum im Bereich der Vorder- und der Hinterachse besonders effizient genutzt und man gewinnt Platz für die Insassen.Die beiden Motoren stellen die Motoren ihr maximales Drehmoment unmittelbar aus dem Stand heraus und über ein besonders breites Drehzahlband hinweg zur Verfügung. Das maximale Systemdrehmoment beträgt 630 Nm im iX xDrive40 und 765 Nm im iX xDrive50. Wie im i4 setzt BMW auch hier auf die adaptive Rekuperation: Die intelligente Vernetzung der Antriebssteuerung ermöglicht es, die Intensität der Rückgewinnung von Energie in Schub- und Bremsphasen auf die mithilfe von Navigationsdaten und den Sensoren der Fahrerassistenzsysteme ermittelte Verkehrssituation abzustimmen. Klappt auch im iX3 schon hervorragend. Die adaptive Rekuperation ist die Standard-Einstellung in der Fahrstufe D. Alternativ dazu kann der Fahrer im BMW iDrive Menü eine hohe, mittlere oder niedrige Bremsenergie Rückgewinnung für alle Verkehrssituationen auswählen. In der Fahrstufe B ist automatisch die hohe Rekuperationsleistung aktiviert, in der auch das charakteristische One-Pedal-Feeling erzeugt wird. Unabhängig von der gewählten Fahrstufe können auf dem Control Display Informationen über den Energiefluss angezeigt werden. Der Efficiency Trainer liefert Hinweise für besonders verbrauchsgünstiges Fahren, mit dem Reichweitenhorizont lässt sich der Einfluss der Fahrweise auf den Ladezustand der Hochvoltbatterie nachvollziehen.

Die jüngste Batteriezellen-Technologie bietet noch mehr Dichte als beim i4

Die volumetrische Energiedichte auf Zellebene liegt um rund 40 Prozent höher als in der Hochvoltbatterie des BMW i3 aus dem Modelljahr 2020. Der BMW iX xDrive50 hat einen Netto-Energiegehalt 105,2 kWh (Brutto-Energiegehalt: 111,5 kWh) beträgt. Beim iX 40 sind es 71 kWh netto oder 76,6 kWh brutto. Ein integriertes Heizungs- und Kühlsystem für den Innenraum, die Hochvoltbatterie und den Antrieb, das mit einer besonders effizienten Wärmepumpen-Funktion agiert, gehört zur Serienausstattung des BMW iX. Ein vorausschauendes Wärmemanagement ermöglicht es, rechtzeitig vor dem Stopp an einer Schnellladestation die Betriebstemperatur der Hochvoltbatterie für schnelles und effizientes Aufladen zu optimieren.

Mit bis zu 150 respektive 200 kW schnell laden

Die Combined Charging Unit (CCU) des BMW iX wurde für besonders flexibles Aufladen konzipiert. Gleichstrom kann mit einer Leistung von bis zu 200 kW (BMW iX xDrive50) beziehungsweise bis zu 150 kW (BMW iX xDrive40) geladen werden. So lässt sich der Ladezustand der Batterie im BMW iX xDrive50 in rund 35 Minuten und im BMW iX xDrive40 in rund 31 Minuten von 10 auf 80 Prozent erhöhen. Außerdem kann an einer Gleichstrom-Schnellladestation und bei einem Batterieladezustand von 10 Prozent die Reichweite innerhalb von 10 Minuten um bis zu 150 Kilometer (BMW iX xDrive50) beziehungsweise um mehr als 95 Kilometer (BMW iX xDrive40) erhöht werden. Der Auslieferungsumfang des BMW iX umfasst in Europa die BMW Charging Card, den Flexible Fast Charger für bis zu 11 kW Ladeleistung und ein Mode-3-Ladekabel zur Nutzung von öffentlichen Ladestationen. Mit einem speziellen Tarifsystem ermöglicht BMW Charging einen besonders günstigen Bezug von Strom an öffentlichen Ladestationen und High Power Charging Stationen.

Die Reifen: Optional mit Schaumstoffschicht auf der Innenseite für bessere Akustik!

Die serienmäßige Fahrwerkstechnik des BMW iX umfasst eine Doppelquerlenker-Vorderachse, eine Fünflenker-Hinterachse, hubabhängige Stoßdämpfer und eine elektrische Lenkung mit Servotronic Funktion und variabler Übersetzung. Optional werden eine Zweiachs-Luftfederung mit elektronisch geregelten Stoßdämpfern, eine Integral-Aktivlenkung und eine Sportbremsanlage angeboten. 20 Zoll große Leichtmetallräder gehören ebenfalls zur Serienausstattung. Alternativ dazu stehen Air Performance Räder in den Größen 21 und 22 Zoll zur Auswahl. Sie können mit geräuschreduzierten Reifen bestückt werden, auf deren Innenseite eine Schaumstoffschicht den Akustikkomfort optimiert.

Premiere für neue Generation des Bediensystems BMW iDrive.
Das neue iDrive soll den iX mit dem Fahrer wie beim i4 im „natürlichen Dialog“ kommunizieren lassen. Es basiert wie im i4 auf dem neuen BMW Operating System 8 und wurde laut BMW mit einer Fokussierung auf die Touch-Funktion des neuen BMW Curved Displays und die Kommunikation via Sprache mit dem umfangreich weiterentwickelten BMW Intelligent Personal Assistant konzipiert. Das BMW Curved Display bildet einen volldigitalen Anzeigenverbund aus einem 12,3 Zoll großem Information Display und einem Control Display mit einer Bildschirmdiagonale von 14,9 Zoll hinter einer gemeinsamen zum Fahrer gekrümmten Glasfläche. Der digitale persönliche Assistent verfügt über zusätzliche Fähigkeiten und nimmt nun in Form einer neuen grafischen Gestalt Kontakt zu den Insassen auf.

Logischer Schritt: Software-Updates over the air

Die neuen My Modes erweitern die Möglichkeiten zur Auswahl von Fahrzeugeinstellungen und erzeugen so ein gesamthaftes Fahrerlebnis. Die Remote Software Upgrades und die Möglichkeit, über Functions on Demand Fahrzeugfunktionen auch nachträglich im BMW ConnectedDrive Store zu erwerben und over-the-air zu installieren, halten die Fahrzeug-Software immer aktuell. Eine schnelle und präzise Routenplanung sowie eine perfekte Orientierung im Verkehrsgeschehen gewährleistet die Navigation mit dem cloudbasierten System BMW Maps und Augmented Reality Video auf dem Control Display. Der BMW iX ist außerdem Vorreiter bei der Datenübertragung mit dem Mobilfunkstandard 5G und bei der Integration des persönlichen Mobilfunk-Accounts ins Fahrzeug mithilfe der Personal eSIM.

Ein weiterer Schritt Richtung autonomes Fahren

Autonom fahren, wie man noch vor einigen Jahren dachte, kann der iX dann doch noch nicht. Trotzdem bietet der neue Technologiebaukasten laut BMW noch „ein erhebliches Potenzial für die konsequente Weiterentwicklung von automatisierten Fahr- und Parkfunktionen – mittelfristig mit Funktionalität auf Level 3“. Eine neue Sensorgeneration, ein neuer Software-Stack und eine leistungsstarke Rechenplattform sollen für hohe Intelligenz sorgen. Zur Überwachung des Fahrzeugumfelds werden fünf Kameras, fünf Radar- und zwölf Ultraschallsensoren eingesetzt.

Fahrerassistenz: Mehr als je bei BMW zuvor

Der BMW iX verfügt über die umfangreichste je bei einem BMW Modell eingesetzte Serienausstattung im Bereich der Fahrerassistenzsysteme und über zahlreiche Innovationen. So umfasst die Frontkollisionswarnung erstmals eine Erfassung des Gegenverkehrs beim Linksabbiegen sowie von Radfahrern und Fußgängern beim Rechtsabbiegen. Deutlich erhöht wurde die Verfügbarkeit des optionalen Lenk- und Spurführungsassistenten. Die optionale Aktive Geschwindigkeitsregelung mit Stop & Go-Funktion bietet laut BMW eine „optimierte situative Abstandseinstellung“. Neu, aber bei anderen schon länger Serie, sind die Ausstiegswarnung, die vor dem Öffnen der Türen auf Radfahrer und Fußgänger im Fahrzeugumfeld hinweist, und der Remote Theft Recorder. Die Serienausstattung des BMW iX beinhaltet auch den Parking Assistent einschließlich Rückfahrkamera und Rückfahrassistent.

Die Optik: Von innen nach außen samt eckigem Lenkrad für ein "konzentriertes Fahrerlebnis" - echt?

Der BMW iX wurde konsequent von innen nach außen gestaltet, weshalb er die Akzente auch innen setzt. Während die Proportionen außen gewöhnungsbedürftig und etwas plump wirken, schuf BMW innen tatsächlich eine Lounge mit Immobiliencharakter. Großzügige Platzverhältnisse und neuentwickelte Sitze mit integrierten Kopfstützen prägen das Ambiente. Der Entfall des Mitteltunnels schafft zusätzliche Beinfreiheit sowie Platz für Ablagen und eine im Stil eines hochwertigen Möbelstücks gestaltete Mittelkonsole. Hier geht der iX viel weiter als der i4, der doch nah am Dreier bleibt. Das Bedienfeld mit „Fühlstegen und Aktivhaptik“ sowie einem Wippschalter für die Gangwahl soll „besonders moderne Akzente“ setzen, heißt es in der vollmundigen Pressemitteilung. Warum das wie im Aiways sperrige hexagonale Lenkrad „zum konzentrierten Fahrerlebnis“ beitragen soll, bleibt uns allerdings ein Rätsel. Diese Aufgabe unterstützt laut BMW auch der rahmenlos integrierte Projektor des optionalen Head-Up Displays. Zur Individualisierung stehen drei Interieurwelten zur Auswahl.

Klimatisierung: Smart kombiniert für mehr Wohlbefinden

Die Klimaautomatik des BMW iX umfasst einen Nanofaser-Partikelfilter zur Luftreinigung und eine neuartige Steuerung über das Touch-Display. Dabei werden Belüftung sowie Flächen-, Sitz- und Lenkradheizung laut BMW intelligent miteinander kombiniert, um für maximales Wohlbefinden zu sorgen. Ein Klangerlebnis auf hohem Niveau dürfte tatsächlich das optionale Bowers & Wilkins Diamond Surround Sound System bieten. Es arbeitet mit unsichtbar in die Kopfstützen integrierten Lautsprechern und einer 4D-Audio-Funktion durch Bass-Shaker in den Sitzen für Fahrer und Beifahrer. Und klar – auch beim iX hat Hans Zimmer den Antriebssound komponiert: Neben dem akustischen Fußgängerschutz bietet der iX auch einen modellspezifischen Klang, der mit einer authentischen Rückmeldung auf Lastanforderung und Geschwindigkeit zum emotionsstarken Fahrerlebnis beitragen soll. kann klappen, denn schon im iX3 gefällt uns der optionale Sound ganz gut. Serienmäßig ermöglicht die Funktion BMW IconicSounds Electric außerdem die Integration neuer Klangvarianten aus einer Kooperation mit dem Filmmusik-Komponisten Hans Zimmer.

Made in Niederbayern: Der iX kommt aus dem Ex-Glas-Werk Dingolfing

Größe statt Goggo: Produziert wird der iX im Werk Dingolfing. Für die Fahrzeugfertigung wird ebenso wie für die Herstellung der Batteriezellen zu 100 Prozent Öko-Strom genutzt. Das für die Hochvoltbatterien benötigte Aufkommen an Kobalt und Lithium wird von der BMW Group aus kontrollierten Quellen in Australien und Marokko beschafft und an die Hersteller der Batteriezellen geliefert. Das Konstruktionsprinzip der Elektromotoren ermöglicht den Verzicht auf den Einsatz von Metallen der Seltenen Erden in den Rotoren der Antriebe. Darüber hinaus bezieht das Unternehmen Aluminium, bei dessen Herstellung Strom aus Solarenergieanlagen zum Einsatz kommt.

Im Gegensatz zum i4 versucht man sich hier an vielen neuen Materialien

Zur ressourcenschonenden Produktion des BMW iX tragen auch ein hoher Anteil an Sekundär-Aluminium und wiederverwertetem Kunststoff bei. Im Innenraum werden FSC-zertifiziertes Holz, mit Olivenbaumblätter-Extrakt gegerbtes Leder und andere natürliche Materialien verwendet. Als Rohmaterial für Bodenverkleidungen und Fußmatten dienen unter anderem recycelte Fischernetze.

Was bedeutet das?

Mit dem iX geht BMW noch einen Schritt weiter als beim i4. Auch optisch setzt man hier neue Akzente, wobei die Proportionen objektiv gesehen trotzdem etwas aus dem Leim gegangen sind – was uns beim flexiblen Package etwas wundert. Trotzdem dürfte der iX schnell starke Akzente setzen und sich sehr schnell bei den Edel-SUV etablieren, zumal es auch hier bislang kaum effiziente Konkurrenz gibt. Und innen bewundern wir den Mut, hier tatsächlich einmal eine Lounge eingerichtet zu haben und nicht das Thema „Automotive“ pseudomäßig auf „Immobilie“ getrimmt zu haben. Insofern wird der iX definitiv eine Bereicherung des Marktes sein!

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