BMW Hauptversammlung: Nicht zum "Blackberry" der Autobranche werden

Bei der virtuellen Versammlung äußern Aktionärsvertreter harsche Kritik  und werfen dem Konzern langes Festhalten am Verbrenner sowie zu schwere und große Elektroautos vor. Umweltschützer protestieren vor der BMW-Welt gegen den Hersteller. Der verwehrt sich gegen die Vorwürfe zurück und verweist auf seine Pläne.

Im Zentrum der Kritik: BMW-Chef
Im Zentrum der Kritik: BMW-Chef
Johannes Reichel

Auf der virtuellen Jahreshauptsversammlung des Münchner Autoherstellers BMW, der einen Rekordgewinn von zwölf Milliarden Euro und eine Ausschüttung von 3,8 Milliarden Euro an die Aktionäre verkündete, haben einige Aktionärsvertreter massive Kritik an der Strategie des Konzerns und von BMW-Chef Oliver Zipse geäußert. Der Manager der Investmentfirma Inyova Andreas von Angerer warf dem Anbieter vor, an "klimaschädlichen Brückentechnologien" festzuhalten. "BMW muss jetzt die Weichen für die Zukunft stellen, um nicht zum Blackberry der Automobilindustrie zu werden", mahnte der Manager laut Süddeutscher Zeitung.

Er warf BMW-Vorstandsvorsitzende Oliver Zipse vor, gegen ein rasches Verbrennerverbot zu lobbyieren. Manche löbliche Klimaschutzinitiative könne nicht verdecken, dass der Hersteller nicht konsequent nachhaltig arbeite und nicht wirklich führend im Umweltschutz sei. Dadurch nehme man "erhebliche Risiken" in Kauf, im Extremfall ein Schicksal wie Blackberry. Der Hersteller von Tastatur-Mobiltelefonen hatte den Trend zum Smartphone verpasst und ist heute nahezu bedeutungslos. Kritik kam auch von Union Investment. Janne Werning sieht die Münchner eigentlich besser aufgestellt in sachen Nachhaltigkeit als Volkswagen oder Mercedes, allerdings keinen Grund nachzulassen. "Machen Sie Ernst und Tempo bei der CO2-Reduktion", appellierte der Investorenvertreter. Er monierte darüber hinaus, dass die E-Autos, die vorgestellt würden, in die falsche Richtung führen. "BMW will das grünste Elektroauto der Welt bauen, das 2,5 Tonnen schwer sein wird. Wie passt das Gewicht mit dem Anspruch zusammen", fragte der Manager rhetorisch. Auch der Vertreter der Kritischen Aktionäre hielt es für nicht akzeptabel, dass Gewinne direkt an die Familien Quandt und Klatten flössen.

"Stattdessen müsste der Konzern das Geld in die Abmilerung und die Anpassung an an die "existenzielle Herausforderung der von BMW mit verursachten Klimakatastrophe und den Umbau des Konzerns investieren", forderte Dufner.

Man solle die Ausschüttung von 5,80 Euro pro Aktie reduzieren auf 10 Cent. BMW-Chef Zipse verteitigte die Strategie vehement und meinte, man bringe die richtigen Autos zum genau richtigen Zeitpunkt. Man habe 2021 erneut die CO2-Vorgaben in der EU übererfüllt und um rund 10 g/km unterschritten. Zudem verwies er auf die Strategie namens „Net Zero“, die klare Etappenziele bis 2030 beschreibe, transparent und wissenschaftlich untermauert sei. Dazu sei man der „Business Ambition for 1.5 degrees“ der „Science Based Targets Initiative“ beigetreten, als erster deutscher Automobilhersteller und beziehe die gesamte Wertschöpfungskette mit ein.

"Die Märkte ordern begeistert unsere vollelektrischen Neuheiten: den BMW i4 und iX. Auch den MINI Cooper SE und den iX3. Die BMW X Familie ist beliebter denn je. Bis heute haben wir fast zehn Millionen X Fahrzeuge verkauft. Fast die Hälfte unserer Auslieferungen 2021 waren X Modelle", schwärmte Zipse.

Und fügte an: Der BMW Weg sei nicht Mainstream, dafür wirksam. Man senke die CO2-Emissionen. Dabei leiste jeder Antrieb einen Beitrag.

"Europa stellt gerade die Weichen für den Green Deal. Aber: Bevor wir einzelne Technologien frühzeitig abschalten, sollten wir die neuen erst ausreichend absichern. Wir entwickeln alle Technologien weiter. Davon profitieren Klimaschutz wie Kunden. Die Märkte „ticken“ auch künftig nicht identisch. Die Ladeinfrastruktur ist unterschiedlich ausgebaut. Die Kunden haben regional verschiedene Bedürfnisse", rechtfertigte Zipse seinen Kurs und verwies auf den neuen 7er, der auf einer Plattform mit vier Antrieben komme, die Verbrenner bereit für Euro 7 und das Fahrzeug "seiner Zeit weit voraus".

Acht vollelektrische Modelle habe man auf der Straße. In diesem Jahr, inklusive Vorserienmodellen bereits 15 BEVs. Zipse kündigte an:

  • 2022 sollen vollelektrische Fahrzeuge mindestens zehn Prozent der Auslieferungen ausmachen. Im ersten Quartal habe man die Zahl der verkauften BEVs mehr als verdoppelt zum Vorjahresquartal.
  • Bis Ende 2025 sollen zwei Millionen BEVs auf der Straße sein.
  • 2030 soll mindestens die Hälfte des Absatzes weltweit vollelektrisch sein. Man wolle das Ziel auch schon früher erreichen.
  • Die Marken MINI und Rolls-Royce sollen Anfang der 2030er Jahre vollelektrisch sein. In wenigen Monaten kommt ein Ausblick auf die neue MINI Familie.
  • Bei BMW Motorrad sind alle kommenden urbanen Modelle vollelektrisch.

Ungeachtet dessen protestierten vor der BMW-Welt NGOs und Umweltschützer gegen den Kurz des Konzerns. Unter dem plakatierten Vorwurf "Mit Vollgas gegen Mensch und Natur" warf der Bund Naturschutz Bayern dem Hersteller vor, immer größere und schwerere Autos auf den Markt zu bringen. Von "stählernen CO2-Schleudern" sprach BN-Chef Richard Mergner. Der Konzern ignoriere die Klimakatastrophe, so Mergner weiter und kritisierte, dass noch imer 90 Prozent der Fahrzeuge Verbrenner seien und der Anteil großer Limousinen und SUV weiter steige. Der Konzern solle sich stärker auf Mobilitätsdienstleistungen statt den Bau schwerer Autos fokussieren. Zudem monierte der Umweltverband, dass der Konzern hinter den Kulissen für einen Autobahnanschluss des Werks mit einem Tunnel an die A99 Druck mache, der massive Umweltauswirkungen habe. Auch der Münchner OB Dieter Reiter (SPD) hält diesen Tunnel, der eigentlich im Grün-Roten Koalitionsvertrag ausgeschlossen worden war, "verkehrlich für notwendig". Er warnte sogar davor, BMW könne sonst aus der Stadt abwandern. Eine Befürchtung, die BN-Chef Mergner für "absurd" hält. Derartige Aussagen würden BMW selbst diskreditieren. 

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