BMW-Entwicklungschef: Brennstoffzelle bleibt Nische

In einem Interview, das Andreas Flömer von t3n mit BMWs Entwicklungschef Frank Weber führte, lies der durchblicken, dass Wasserstoff im Pkw allenfalls eine Nischenlösung sein werde.

BMW-Entwicklungsvorstand Frank Weber präferiert klar die Batterieelektrik. | Foto: BMW
BMW-Entwicklungsvorstand Frank Weber präferiert klar die Batterieelektrik. | Foto: BMW
Gregor Soller

BMW scheint für das Thema Brennstoffzelle nicht mehr so recht zu brennen. Das belegen neben unserer Mitfahrt im iX5 Hydrogen auf der IAA, von dem wieder nur eine „zweistellige“ Stückzahl gebaut werden soll, auch Aussagen des Entwicklungschefs Frank Weber, der seit Juli 2020 das Entwicklungsressort von BMW als Vorstand führt. In einem Gespräch mit t3n.de Mitte September 2021 ließ er durch blicken, dass Wasserstoff für die Masse „keine Lösung sein" werde. Er sieht das Konzept allenfalls in einem Nischenmarkt großer und schwerer SUV.

Zwar deckt BMW nach eigenen Angaben mit seinem Wasserstoff-Kompetenzteam die gesamte Fahrzeugentwicklung ab, wobei das Antriebssystem mit Luftansaugung, Luftfilter, Kompressor, Wasserstoffeinspritzung, Rezyklierung von nicht verbrauchtem Wasserstoff, bis hin zur Abluft selbst entwickelt wurde. Dazu kommt die Software, die Betriebsstrategie und das Tanksystem. Die Brennstoffzellen stammen dagegen von Kooperationspartner Toyota und die fügt BMW zu einem Stack zusammen. Doch zweistellig wie die iX5 Hydrogenstückzahl soll laut Auto Motor und Sport auch das Wasserstoff-Entwicklungsteam sein. Ein Grund für die ablehnende Haltung ist auch er schwache Wirkungsgrad des Wasserstoffs und das teure und im Detail immer noch anfällige dünne Tankstellensystem.

Hauptfokus auf batterieelektrischen Modellen

Stattdessen lege BMW seinen Hauptfokus auf die Entwicklung von batterieelektrischen Autos, so Weber zu t3n. Denn: Die die Tage des Verbrenners seien langfristig auch wegen externer Vorgaben gezählt. Schon auf der Jahrespressekonferenz 2021 hatte Weber angekündigt:

„Wir werden bereits 2023 in rund 90 Prozent unserer heutigen Marktsegmente jeweils mindestens ein vollelektrisches Modell auf der Straße haben!".

Die neue Cluster Architecture II (CLAR) für Modelle vom 2er bis zum 7er präferiert den Elektroantrieb, kann aber auch Verbrenner und für X5 bis X7 oder X8 eventuell auch Brennstoffzelle. Doch hier sieht man laut einem Insider „frühestens ab Mitte des Jahrzehnts einen weltweiten Markt“ – den ganz großen Entwicklungssprung wird man mit den wenigen iX5 Hydrogen jedenfalls nicht machen.

Das komplette t3n-Interview steht unter: 

https://t3n.de/news/wasserstoff-fragen-bwm-entwicklungsvorstand-weber-1404426/

 

Was bedeutet das?

BMW hat Toyota mit dem Z4 das Unterzeug für den Supra gegeben und dafür die Mirai-Brennstoffzelle erhalten. Doch statt jetzt ein eigenes Brennstoffzellenmodell zu entwickeln, kommt ein iX5 Hydrogen, bei dem es nicht mal für optimal bauraumnutzende Tanks gereicht hat, weil auch er nur in zweistelliger Stückzahl gebaut wird. Auch er wird nur BMW intern gefahren werden – ein klares Ja zum Brennstoffzellenmodell hätte anders aussehen müssen, zumal auch Audi und Mercedes-Benz keinerlei Ambitionen mehr zeigen, das System im Pkw noch weiterzutreiben.

 

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