BMW: Elektrisch in allen Klassen bis 2023 - Feststoffakkus bis 2030

Reduce, reuse, recycle - bei der Jahreshauptversammlung legt BMW-Chef Zipse den Fokus auf die Nachhaltigkeit der Produkte und will damit gegen Tesla punkten. Autonomes Fahren gerät in Hintergrund.

Von Roller bis Geländewagen: BMW-Chef Oliver Zipse bringt den Konzern allmählich auf die elektrische Spur - und legt Wert auf ganzheitliche Nachhaltigkeit. | Foto: BMW Group
Von Roller bis Geländewagen: BMW-Chef Oliver Zipse bringt den Konzern allmählich auf die elektrische Spur - und legt Wert auf ganzheitliche Nachhaltigkeit. | Foto: BMW Group
Johannes Reichel

Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung des BMW-Konzerns in München hat BMW-Chef Oliver Zipse den Fokus auf die Nachhaltigkeit der Produkte gelegt und den Serienanlauf von Feststoffbatterien bis 2030 in Aussicht gestellt. So sollen generell bis 2030 die Fahrzeuge ein Drittel weniger CO2 in der Produktion verursachen, etwa durch den Einsatz von recyceltem Stahl, aber auch durch den Verbau von Feststoffakkus, die Zipse avisierte. Für 2020 erreiche man im Übrigen die CO2-Ziele in der EU, mit einem Flottenwert von 99,1 g CO2 pro km. Wirksamer Klimaschutz sei die größte Aufgabe der Menschheit, appellierte Zipse. Das jährliche Fördern von 100 Milliarden Toonnen Rohstoffen aus der Erde "gehe nicht gut auf Dauer", gab sich der Manager selbstkritisch.

"Für uns kommt Vermeiden vor Kompensieren. Wir lassen über 200 Millionen Tonnen CO2 gar nicht erst entstehen. Durch technologische Maßnahmen", warb der Firmenchef.

Das Leitmotiv sei Kreislaufwirtschaft mit den Komponenten: RE:THINK. RE:DUCE. RE:USE. RE:CYCLE, zugleich der Kerngedanke für die IAA MOBILITY im September, so Zipse weiter. Die Elektroautos der Marke sollten nachhaltig sein, im Sinne von Effizienz im Betrieb, CO2-armer Lieferkette, Vermeidung kritischer Rohstoffe und der Reduzierung von Ressourcenverbrauch. In der Produktion wolle man um weitere 80 Prozent, in der Nutzungsphase um über 40 Prozent und in der Lieferkette um mehr als 20 Prozent weiter absenken, obwohl hier die CO2-Emissionen durch den Hochlauf der E-Mobilität eigentlich deutlich steigen würden, wie der Manager anmerkte. Zipse rief ein Prinzip nach "Secondary first" aus.

"Ein klimafreundliches Auto entsteht nicht allein, indem wir Grünstrom einsetzen", mahnte Zipse.

So soll etwa die Produktion an allen Standorten ist bilanziell ab diesem Jahr CO2‑neutral sein. Die Zulieferer würden nur Grünstrom für die Herstellung von Batteriezellen verwenden, zudem habe manLieferverträge für nachhaltiges Lithium aus Südamerika abgeschlossen. Außerdem soll das Aluminium für die Leichtmetall-Gießerei in Landshut zur Hälfte mit Solarstrom aus der Wüste in Dubai hergestellt. Und schließlich schütze der Konzern gemeinsam mit dem WWF die Tiefsee und beziehe keine Mineralien aus dem Tiefseebergbau.

Mini: Letzter Verbrenner kommt 2025

Trotz bisher eher überschaubarem Angebot an reinen Elektroautos mit dem solitären Karbon-Kompaktwagen i3, dem umgebauten iX3 sowie dem auf der Multiantriebsplattform des 4ers basierenden i4 und bei Mini dem ebenfalls vom Verbrenner adaptierten SE. Mini soll bis 2025 allerdings zügig zur vollelektrischen Marke umgebaut werden, dann rolle der letzte Verbrenner der Brit-Bayern an den Start. Zur IAA soll zudem ein weiterer Beitrag der Rollersparte kommen, ergänzend zum Definition CE 04, der im Sommer kommt. Startend ab Jahresende in Form des wuchtigen 2,5-Tonnen-Vollformat-SUV iX will der Konzern hier jetzt zügig nachlegen und 2021 mehr als 100.000 vollelektrische Fahrzeuge ausliefern, verteilt auf fünf Modelle.

2023 als "Tipping Point": Vollelektrisch in allen Klassen

Zipse sieht dann das Jahr 2023 als "Tipping Point": 13 reine E-Modelle will man dann auf der Straße haben, in der "Breite des Portfolios". In 90 Prozent der Segmente soll mindestens ein vollelektrisches Angebot bestehen, von Kompakt bis Luxus. In bestimmten Märkten könne sich die Nachfrage bereits in den kommenden Jahren vollständig zur E-Mobilität verlagern, merkte Zipse an. Jedenfalls sollen bis Ende 2025 rund zwei Millionen E-Fahrzeuge ausgeliefert sein, 2030 mehr als die Hälfte aller Fahrzeuge vollelektrisch angetrieben werden, gesamt in den nächsten zehn Jahren etwa zehn Millionen reine E-Fahrzeuge der Marken.

Feststoffzellen: Invest in Solid Power scheint sich auszuzahlen

Bei den Akkus investiert man weiter in die energiedichtere Feststoffzellentechnologie und gemeinsam mit Ford in den Spezialisten Solid Power. Bereits im nächsten Jahr soll nun die Vorserienproduktion beginnen, vor 2025 ein Prototyp rollen und bis Ende des Jahrzehnts eine Großserienanwendung stehen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Man verspricht sich eine um mindestens einen zweistelligen Prozentbereich gesteigerte Energiedichte. Zudem seien die Akkus weniger brandgefährdet, kreislauffähig und ließen sich auf den vorhandenen Produktionslinien der Lithium-Ionen-Akkus fertigen. Entscheidende Komponente hierbei ist der sogenannte Feststofftrenner, eine dünne Membran, die Ionen passieren lässt. Partner Solid Power scheint hier weit gekommen: Jüngst zeigte man das Bild einer dicken, offenbar mehrlagigen Zelle in großem, schlankem Format, die platzsparend unterzubringen sein sollen, wie die SZ spekuliert.

Autonomes Fahren: Gebremste Euphorie

In Sachen autonomes Fahren herrscht allerdings eher Zurückhaltung. Trotz des euphorischen Starts mit einem Campus vor vier Jahren scheint eine gewisse Ernüchterung einzukehren. Man arbeite an Level 3 und werde das anbieten, wenn es sicher sei, erklärte Zipse auf Aktionärsnachfrage, ohne allerdings einen genauen Zeitpunkt zu nennen.

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