Binz macht Tesla S zum Leichenwagen

Der voll elektrische Leichenwagen Binz.E geht ab sofort in Serie

Die zweite "Karriere" des Tesla Model S: Es wird als Basis für Leichenwagen immer beliebter. | Foto: Binz International
Die zweite "Karriere" des Tesla Model S: Es wird als Basis für Leichenwagen immer beliebter. | Foto: Binz International
Robin Lang

Binz und Benz – das war einst eine klassische Verbindung vor allem im Bereich der Krankentransport- und Sonderfahrzeuge. Auch verlängerte Sterne und Leichwenwagen bauen die Schwaben, die seit 2019 gehört zur Woodall Nicholson Group, dem europäischen Marktführer für Sonderfahrzeuge im Bereich der Bestattung gehören. Entsprechend öffnet Binz sich auch seit Jahren für diverseste Basisfahrzeuge – zuletzt das Tesla Model S:

Das baut Binz als erstes Unternehmen europaweit in ein voll elektrisches Bestattungsfahrzeugs in Sandwichtechnologie um. Die ersten beiden Binz.E werden voraussichtlich im Oktober 2020 fertiggestellt.

Dabei kombinieren die Schwaben bewährte Handarbeit mit innovativer Fertigungstechnik. So können im neuen Werk in Schwäbisch Gmünd Spezial-Karosserieteile in Serie hergestellt werden. Außerdem verfügt Binz vor Ort über eine hochmoderne Lackiererei für Sonder- und Ausstellungsfahrzeuge. Mit dem europaweit ersten E-Bestattungsfahrzeug in Sandwichbauweise kommt Binz dem Wunsch vieler Bestattungsinstitute nach, eben vor allem auf den Friedhöfen emissionsfrei und geräuschlos fahren zu können.

Der leise Bestatter ist 5,82 Meter lang, 1,86 Meter breit und erreicht im Heckbereich eine Fahrzeughöhe von 1,72 Meter. Damit kann er neben dem Sarg auch ausreichend Equipment aufnehmen. Mit dem originalen Batterieantrieb von Tesla erzielt er laut Binz eine Reichweite von etwa 350 Kilometer. Für die Fabrikation des voll elektrischen Bestattungsfahrzeugs wird der Tesla Model S hinter der A-Säule in zwei Hälften geteilt: Die Karosserie wird mittels einer selbsttragenden Sandwichtechnologie aus glasfaserverstärktem Kunststoff verlängert. Dabei werden die einzelnen Komponenten mit flüssigem Schaum verbunden, der unter Einsatz von hoher Temperatur und Innendruck aushärtet. So entsteht ein stabiles, verlängertes Fahrgestell, das ein nahezu gleiches Fahrverhalten wie das Original bieten soll – auch bei maximaler Beladung.

Bedienung per Touchpad

Der Binz.E ist nach Herstellerangaben aktuell das einzige elektrische Bestattungsfahrzeug in GFK-Sandwichtechnologie auf dem Markt. Im Gegensatz zum klassischen Spaceframe-System soll das Fahrzeug so leichter und stabiler sein. Sargladeboden und Heckklappe sind elektrisch und können mit einem Touchpad am hinteren Ende des Fahrzeugs bedient werden. Die elektrischen Scheiben des Fahrzeugs sind selbsttönend und können sowohl von hinten als auch von vorne betätigt werden. Sie sind je nach Wahl in weiß oder grau verfügbar. Sowohl Fahrerkabine als auch der Ladebereich strahlen eine schlichte Eleganz und Ruhe aus. Der Sargladeboden kann mit einem Urnenhalter ergänzt werden.

Auch gebrauchte Teslas können umgebaut werden

Binz bietet zudem die Möglichkeit, sowohl neue als auch gebrauchte Fahrzeuge des Tesla Model S (ab dem Facelift 2016) umzubauen. Kunden können ihr eigenes Fahrzeug zur Verfügung stellen oder das Auto direkt über Binz bestellen. Ein weiterer Vorteil für deutsche Kunden besteht beim Binz.E darin, dass sie für dieses E-Sonderfahrzeug eine staatliche Umweltprämie erhalten können. Für den Umbau eines bestehenden Fahrzeugs müssen etwa drei Monate Zeit eingeplant werden. Die Wartezeit für die Lieferung eines Teslas ab Werk aus den Vereinigten Staaten beträgt etwa sechs bis sieben Monate.

Die ersten beiden Kundenaufträge für den BINZ.E werden aktuell fertiggestellt und voraussichtlich im November dieses Jahrs als Testfahrzeuge an Großhändler ausgeliefert. Das klassische Binz-Programm auf Benz-Basis bleibt erhalten: Darunter der Binz.H2, auf Basis des Mercedes-Benz S213. Dazu kommt der Binz.H4, ein „Kabinenwagen“ auf Basis der E-Klasse, sowie der Binz.K1, der auf dem Mercedes-Benz Vito basiert und sicher auch elektrisch geliefert werden kann. Denn Binz bleibt auch offizieller Aufbauhersteller von Mercedes-Benz Fahrzeugen. Zu den Leistungen gehören neben dem Einkauf und Umbau ausgewählter Neu- und Gebrauchtfahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Tesla auch die Instandsetzung von Fahrzeugen anderer Sonderfahrzeughersteller.

In der firmeneigenen Werkstatt oder bei in Deutschland angesiedelten Spezialisten können Spezial-Karosserieteile in Serie hergestellt werden. Außerdem verfügt Binz über eine hochmoderne Lackiererei für Sonder- und Ausstellungsfahrzeuge.

Was bedeutet das?

In den letzten Jahren verschwanden die meisten Sonderfahrzeughersteller von der Bildfläche. Insofern darf man hoffen, dass der Einstieg der Briten, die auf der Insel noch immer ein großes Faible für Sonderkarosserien haben, Binz eine lange und spannende Zukunft beschert. Jetzt eben auch elektrisch. Dass Binz auf einen Tesla statt einen Benz zurückgreifen muss, zeigt, dass Benz hier Nachholbedarf hat.  

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