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BEM/Uscale/Voylt Studie: Mikromobilität boomt und ersetzt Autos - auch am Land

Eine Studie ergibt eine hohe Anzahl von Nutzenden elektrischer Leichtfahrzeuge in Stadt und Land. Über 50 Prozent reduzieren Autofahrten. Große CO2-Sparpotenziale, aber keine Förderung.

Leicht, elektrisch, effizient: Der BEM sieht große Potenziale in den vielfältigen Ausprägungen leichter E-Mobilität und vermisst eine Förderung und Unterstützung durch die Bundesregierung. | Foto: Swobbee
Leicht, elektrisch, effizient: Der BEM sieht große Potenziale in den vielfältigen Ausprägungen leichter E-Mobilität und vermisst eine Förderung und Unterstützung durch die Bundesregierung. | Foto: Swobbee
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Johannes Reichel

Der Bundesverband eMobilität e.V. (BEM) hat auf der polisMOBILITY in Köln gemeinsam mit den Mitgliedsunternehmen, dem Marktforschungsunternehmen UScale und dem Informationsportal für nachhaltige Mobilität voylt seine Mikromobilitätsstudie 2023 vorgestellt und eine deutliche Zunahme der Nutzenden in Stadt und Land festgestellt. Die Studie analysiert Einstellungen von Besitzern, Interessierten sowie Nicht-Besitzern elektrischer Leichtfahrzeuge zur Mikromobilität in Deutschland und gibt Einblick in das Sozialverhalten der Käufer-Gruppen. 

Elektrische Leichtfahrzeuge (LEV) gelten als die neue Fahrzeug-Alternative zum Auto und sind technische Vehikel der Antriebswende, skizziert der BEM. Was der Normalverbraucher oftmals allein mit Angeboten wie eScootern und Pedelecs verbindet und der Regulierer in mehrere Untergruppen teilt, sei inzwischen ein gewachsenes Feld vielfältiger Fahrzeuginnovationen der Mikromobilität. Zu ihnen gehören neben den Fahrzeugen der Elektro-Kleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) bis 20 km/h genauso zweirädrige, dreirädrige oder vierrädrige Kraftfahrzeuge ab 25 km/h, die zum Fahren auf öffentlichen Straßen bestimmt sind und die sowohl Personen- als auch Logistikfahrzeuge umfassen. Um das gesamte Spektrum abzudecken, wurden in der Studie zusätzlich die in Deutschland nicht zugelassenen Elektro-Kleinstfahrzeuge ohne Lenkstange aufgenommen. 

Zentrale Ergebnisse der Studie sind:

  • Mikromobilität ist kein Großstadt-Phänomen. Auf dem Land werden LEVs sogar häufiger genutzt als in der Stadt.
  • Alle Altersgruppen fahren gleichermaßen Leichtfahrzeuge. Insbesondere ältere Menschen entdecken die Fahrzeuge für sich, um etwa bei gesundheitlichen Einschränkungen mobil zu bleiben. 
  • LEVs werden aktuell von Menschen genutzt, die tendenziell besser verdienen.
  • Besitzende sind mehrheitlich gut an den ÖPNV angeschlossen. So stellen LEVs keine Konkurrenz zum Öffentlichen Nahverkehr dar. 
  • 53% der Besitzenden geben an, das Auto weniger zu nutzen, 6% berichteten sogar, einen eigenen Pkw abgeschafft zu haben.

In der repräsentativen Umfrage von 1.110 Menschen in Deutschland wurde die Einstellung der Befragten zur Mikromobilität bzw. LEVs erhoben. Zusätzlich dazu wurden weitere rund 800 Besitzende und Interessierte für tiefergehende Analysen zu ihren Erfahrungen im Kaufprozess und der Nutzung befragt. Die Gesamtstichprobe der im April 2023 durchgeführten Studie betrug damit 1.890 Teilnehmende. Im Bundesverband eMobilität beschäftigt sich die BEM-Arbeitsgruppe 1 mit diesem Marktsegment. 

LEVs als ressourcen- und energieeffiziente Option

Da elektrische Leichtfahrzeuge deutlich kleiner und leichter sind als ein klassisches Automobil, seien sie ein wichtiger Beitrag zur Klima- & Ressourcen-Schonung, argumentiert der BEM. Aufgrund ihres Größenvorteils nehmen sie im ruhenden und fließenden Verkehr weniger Platz ein, reduzieren Lärm und verbrauchen über ihren Lebenszyklus hinweg weniger CO2 und Primärenergie.

„Wir sehen bei den Befragten keinen Kulturkampf zwischen den Fahrzeugen, sondern die Suche nach der optimalen, persönlichen Verwendung. Da der Markt sehr jung ist und es an zahlreichen Stellen an Informationen fehlt, tasten sich die Menschen vorwärts. Auch wir als Marktanalytiker nähern uns endlich diesem für die Mobilitätswende so wichtigen Feld und sind froh, dass wir jetzt erstmals eine große Studie zu diesem wichtigen Thema vorlegen können", erklärt Axel Sprenger, Gründer & Geschäftsführer von UScale. 

Leidige E-Scooter-Debatte verstellt den Blick

Für Johannes Haas, Gründer & Geschäftsführer von voylt zeigen die Ergebnisse, dass die "leidige Diskussion um die im Sharing betriebenen e-Scooter in schlecht regulierten Großstädten den Blick auf die Chancen der Mikromobilität verstellt". In der Realität bestätige sich der Zugewinn an persönlichem Komfort durch elektrische Leichtfahrzeuge in hoch individualisierter Mobilität. Er nennt Arbeitnehmer, die täglich mit dem e-Moped 20 km zur Arbeitsstätte im Nachbarort pendeln, Rentner, die ein elektrisches Dreirad für Einkaufsfahrten nutzten oder auch Unternehmer, die vermehrt elektrische Kleintransporter einsetzen. Auch Singles, die in der Großstadt mit dem elektrischen MicroCar in jede Parklücke passen.

"Es gibt tolle und bequeme Möglichkeiten, heute im Alltag die Umwelt zu entlasten und dennoch mobil zu sein", wirbt Haas.

Christian Heep, Vize-Präsident BEM, fordert auf, Mobilität neu zu denken. Dabei komme man an der Individualisierung durch den Einsatz von Mikromobilität und elektrischen Leichtfahrzeugen nicht vorbei.

"Die Tatsache, dass dieser Bereich in Deutschland - im Gegensatz zu vielen unserer europäischen Nachbarn - staatlich nicht gefördert wird, macht deutlich, wie viele Handlungsmöglichkeiten zur Senkung der CO2-Mengen noch ungenutzt sind", argumentierte Heep.

Die weitere Auswertung der Daten ergab: 

  1. Kaufende haben einen großen Bedarf an Informationen zu technischen und regu­lato­rischen Themen. Sie erkundigen sich ganz überwiegend online. Die Mehrheit kauft aber beim Fachhändler (46%). 
  2. 20% der Besitzenden haben vor dem Kauf Erfahrung mit dem Sharing von LEVs gemacht. Die Hälfte von ihnen gibt an, dass diese Erfahrungen sie darin bestärkt haben, ein LEV zu kaufen. 
  3. Neben dem Preis sind die Reichweite und die technische Ausstattung die wichtigsten Faktoren für die Kaufentscheidung. 
  4. 31% der Nicht-Besitzer sind grundsätzlich an einem Kauf interessiert, weitere 10% bescheinigen LEVs immerhin eine große Zukunft und für weitere 36% machen LEVs vereinzelt Sinn. Nur 5% der Nicht-Besitzenden lehnen LEVs grundsätzlich ab.
  5. Nicht-Interessierte anerkennen, dass LEVs mehr als nur eine Mode sind. Allerdings wünschen sie sich eine stärkere Regulierung, um die Teilhabe der LEVs am Verkehr sicherer zu machen.
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