BEM: Retrofit bei Förderung von Nutzfahrzeugen vergessen

Verband sieht Chancen der Umrüstung von Bestandsfahrzeugen in den neuen Förderrichtlinien für Nutzfahrzeuge missachtet und beschwert sich beim Bundesverkehrsministerium.

Zweites Leben für alte Verbrenner: Mittels Retrofit rüsten Anbieter wie BPW oder Paul Nutzfahrzeuge ausrangierte Lkw auf E-Antrieb um und unterziehen sie einer kompletten Überholung. | Foto: BPW/Frank Beer
Zweites Leben für alte Verbrenner: Mittels Retrofit rüsten Anbieter wie BPW oder Paul Nutzfahrzeuge ausrangierte Lkw auf E-Antrieb um und unterziehen sie einer kompletten Überholung. | Foto: BPW/Frank Beer
Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

Der Bundesverband eMobilität BEM e.V. hat in einer Stellungnahme das Fehlen von Retrofitoptionen in den neuesten Förderrichtlinien für Nutzfahrzeuge des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) beklagt. Seit Anfang 2021 incentiviert der Staat die Anschaffung von fabrikneuen Lkw (Abgasstufe Euro VI) oder denen, die elektronisch bzw. Wasserstoff betrieben sind, sofern gleichzeitig ein alter Lkw (Abgasstufen Euro 0 bis Euro V/EEV) verschrottet wird, mit bis zu 15.000 Euro. In der maßgeblichen Richtlinie zur Förderung der Erneuerung von Nutzfahrzeugflotten sei aber kein einziger Absatz zur Förderfähigkeit für Maßnahmen enthalten, die die bestehende Fahrzeugsubstanz erhalten und erneuern bzw. vom Verbrenner- zum Elektroantrieb umrüsten. Auch der Begriff Retrofit tauche nicht ein einziges Mal auf, moniert der Verband. Die Richtlinie sei das Gegenteil von Nachhaltigkeit und widerspreche dem Klimaschutzplan, meint BEM-Vorstand Markus Emmert nach der Befassung mit der Richtlinie in der zuständigen Arbeitsgruppe des Verbandes.

„Der Austausch von alt gegen neu markiert eine Ressourcenverschwendung, die erneut deutlich macht, dass das führende Haus in Sachen Mobilität in Deutschland die Elektromobilität nicht verstanden hat", kritisiert der Verbandsvertreter.

Dutzende von Unternehmen, auch in Bayern, widmeten sich dem Umbau von Bussen und Lkw, damit bestehendes Gerät ein zweites Leben erhält und weiter genutzt werden könne und darüber hinaus auch kein Export von Verbrenner-Fahrzeugen und CO2-Emission stattfinde. Zudem sei Retrofit weit günstiger als Neueinkauf – insbesondere für Kommunen, Verkehrs- und Kleinunternehmer, argumentiert Emmert weiter.

Unter Retrofit (engl. für nachrüsten, umrüsten) versteht man die Modernisierung oder den Ausbau bestehender Anlagen und Betriebsmittel. In Deutschland ist in der Automobilindustrie teilweise auch der Begriff „Aktionierung“ geläufig. Führende Unternehmen in diesem Bereich sind etwa aentron, AL-KO, BPW Bergisch Achsen, e-trofit, IAV Automotive Engineering, I SEE Electric Trucks, Paul Nutzfahrzeuge, Trailer Dynamics, Voltabox, ZF Friedrichshafen und Ziehl-Abegg, die sich in dem Branchenverband seit Jahren zum Thema austauschen würden und teils gemeinsame Lösungen forcierten, wie der BEM weiter skizziert. Man habe nun in einer Stellungnahme an das BMVI die Einwände gegen die mangelnde Förderung vorgetragen.

 

Printer Friendly, PDF & Email