BEM fordert Förderung für Leicht-Stromer und gründet Sonderkommission

Eine "Pkw-Fixierung" bei der Förderung wirft der Verband der Regierung vor - und fordert, auch Leicht-Elektro-Fahrzeuge wie E-Mofas oder elektrische Mikrovans zu incentivieren. Man verweist auf geringere Emissionen, Platz- und Ressourcenverbrauch. Sonderkommission soll Vorschlag erarbeiten.

Klein, aber oho: Der BEM fordert eine stärkere Berücksichtigung der neuen Leicht-Elektro-Mobile, die für Personen- wie für Güterbeförderung große Potenziale bieten. | Foto: Ari Motors
Klein, aber oho: Der BEM fordert eine stärkere Berücksichtigung der neuen Leicht-Elektro-Mobile, die für Personen- wie für Güterbeförderung große Potenziale bieten. | Foto: Ari Motors
Johannes Reichel

Der Bundesverband eMobilität (BEM) hat der Bundesregierung eine Pkw-Fixierung bei der Incentivierung vorgeworfen und eine Erweiterung der Förderkulisse auch für leichte Elektro-Fahrzeuge gefordert. Durch die Erweiterung von Mobiltätsangeboten mit leichten Elektro-Fahrzeugen sei die Chance gegeben, die Umweltbilanz des nach wie vor stark CO2 emittierenden Verkehrs in Deutschland zu verbessern. Für den 25. Februar 2022 hat der Verband eine Sonderkommission einberufen, in der fachübergreifend über die Öffnung der finanziellen Förderung der Fahrzeug-Klassen L1e bis L7e (LEV) beraten werden soll. Darunter fallen etwa E-Roller, Mofas, Golf-Caddys, mehrspurige dreirädrige und vierrädrige eFahrzeuge für den Personen- und Gütertransport, die allesamt für mehr als 25km/h zugelassen sind.

„Der Verkehrssektor in Deutschland emittiert nach wie vor zu viel klimaschädliche Abgase, die Auslastung der Fahrzeuge verharrt bei 1,5 Personen im Pkw-Bereich und die Automobilindustrie kommt dem gestiegenen Bedarf an E-Autos nicht nach – hier wird es höchste Zeit, die Förderung für andere Fahrzeuge zu öffnen, die weniger Material und Platz beanspruchen“, appelliert BEM-Vorstand Markus Emmert zur Einberufung der Sonderkommission.

Er verwies in einer Pressekonferenz gegenüber VISION mobility auch auf die Bedeutung der Branche als "Jobmotor" und plädierte für eine angepasste Förderhöhe je nach Gesamtkosten der jeweiligen Fahrzeugklasse. Im Augenblick sei die Lücke zwischen den staatlich geförderten N1- und M1-Fahrzeugen und den LEVs zu klein, die Leicht-Elektro-Fahrzeuge im Nachteil. Er plädierte zudem für eine Erhöhung des zulässigen Tempos bei Leichtstromern auf 59 km/h, eine SWAP-Prämie für den Fall der Stilllegung eines Verbrenner-Fahrzeugs sowie der Integration der LEV in den THG-Quotenhandel.

Wieder bei Null starten

Organisatorisch sei es bedauerlich, dass man nun aufgrund des Regierungswechsels und dem Wechsel der handelnden Personen quasi wieder von vorne anfangen müsse, nachdem man mit der alten Bundesregierung schon weit fortgeschritten war in der Formulierung eines Förderprogramms. Man wolle nun einen Fördervorschlag erarbeiten. Viele Aspekte seien ungeklärt, etwa die Höchstgeschwindikgeit, die Möglichkeit passender Fahrspuren sowie Sicherheitsaspekte, meinte Emmert.

Ressourcenschonend: LEV brauchen weniger Platz und Primärenergie

Nach Ansicht des Verbandes können in Deutschland bis 2035 mindestens fünf Millionen Bestandsfahrzeuge adäquat durch Leichtfahrzeuge ersetzt werden, die im Personenverkehr als auch in der Logistik zum Einsatz kommen. Leichtfahrzeuge haben insbesondere im urbanen Bereich große Vorteile. Dazu zählen die Geräuschreduktion, die Platzersparnis beim Parken und damit die Vereinbarkeit zu intermodalen Verkehrslösungen von Bus & Bahn. Auch in Sachen Primärenergieverbrauch bilden sie eine erhebliche Energie- und Umwelt-Entlastung, weshalb Leichtfahrzeuge energetisch den E-Autos sogar überlegen wären.

„Moderne Verkehrslösungen zeichnen sich durch Differenzierung und passgenauen Einsatz aus. Ein Zweitonnen-Fahrzeug zu bewegen, um zwei 10-Kilo-Taschen im Stadtbezirk vom Supermarkt nach Hause zu fahren, ist ökologischer Unsinn. Wir brauchen Anreize für kluge Verkehrsangebote und zur Verkleinerung der Geräte. Bei Computern oder Telefonen hat der Markt das längst entschieden, im Personenverkehr hindert uns daran die Auto-Fixierung", präzisiert Emmert. 

Die Sonderkommission LEV ist fachoffen und kostenfrei. Eingeladen sind Vertreterinnen und Vertreter der zuständigen Bundes- und Landesministerien, Hersteller aus der Mikromobilitäts- und LEV-Branche sowie aus der Logistikbranche, Zulieferer, Unternehmen von Antriebssystemen und Batterietechnologie sowie Unternehmen aus den Bereichen Logistik, Transport und Fuhrpark.

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