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BDEW-Elektromobilitätsmonitor 2022: Rekord-Zubau an Schnellladern

Neuer BDEW-Elektromobilitätsmonitor soll Überblick liefern. Und konstatiert zur Erstausgabe einen Rekordzubau von Ultraschnellladern mit über 150 kW Leistung. Einmal mehr warnt man in Anbetracht der Ladeleistungssprünge vor übertriebenem Zubau auf Kosten der Steuerzahler. Wettbewerb als Treiber.

Vor allem bei den Schnellladern rührt sich einiges und der Zubau findet rasch statt. Das sorgt aktuell sogar für Überkapazitäten. | Foto: EnBW
Vor allem bei den Schnellladern rührt sich einiges und der Zubau findet rasch statt. Das sorgt aktuell sogar für Überkapazitäten. | Foto: EnBW
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Johannes Reichel

Der Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft hat jüngst einen neuen Lademonitor vorgestellt, mit dem man Überblick über die Trends in Sachen E-Mobilität bieten will. Ergebnis der ersten Ausgabe der Datensammlung: 2022 war ein Rekordjahr – sowohl bei den Zulassungen von E-Fahrzeugen als auch beim Zubau von Ladepunkten und Ladeleistung. Noch nie seien so viele vollelektrische Autos zugelassen und noch nie so viele Ultra-Schnellladepunkte gebaut. Die Ultra-Schnellladepunkte mit einer Ladeleistung von über 150 kW hätten um 80 Prozent zugelegt: von 3.851 auf 7.037 Ladepunkte. Das zeige, dass der Elektromobilitätsmarkt sich schnell und dynamisch entwickle. Der Verband hat im neuen BDEW-Elektromobilitätsmonitor aktuelle Kennzahlen zusammengetragen und ordnet zugrunde liegende technologische Trends ein.

Mit Blick auf die Fahrzeugseite konstatieren die Analysten des Verbands, dass die Zulassungszahlen seit 2020 spürbar angezogen haben. Wichtigster Hebel hierfür sieht man in den europäischen CO2-Flottengrenzwerten, die Ende 2021 und 2022 deutlich verschärft wurden. Der nationale Umweltbonus, der 2020 noch einmal aufgestockt wurde, hat die Entwicklung flankiert und Ende 2022 die Verkaufszahlen von vollelektrischen Pkw auf ein Rekordhoch getrieben. Im ersten Quartal 2023 bewegen sich die Verkaufszahlen wieder auf dem Niveau der Vorjahre.

„Damit ist klar: Der Zuwachs bei E-Autos orientiert sich an den Mindestanforderungen der Flottengrenzwerte. Der Fahrzeugmarkt wächst stabil, aber die 15 Millionen E-Pkw, die laut Koalitionsvertrag und laut Expertenbeirat Klimaschutz 2030 auf den Straßen fahren sollen, erreichen wir damit nicht. Hierfür braucht es eine 15 Millionen-E-Auto-Strategie, die mehr vollelektrische Fahrzeuge auf die Straße bringt“, erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Ein Blick auf die Entwicklung des Ladeangebots zeige zudem, dass sich seit 2019 die Ladeleistung bei Fahrzeugen und Ladesäulen verdreifacht hat. Damit könnten pro Tag deutlich mehr Fahrzeuge an einer Ladesäule laden.

„Dieser enorme technologische Leistungssprung führt dazu, dass das Ziel einer Million Ladepunkten technisch überholt ist. Heute ist nicht die Anzahl, sondern die installierte Ladeleistung relevant. Jedem ist klar: Wenn ich in meinem Portemonnaie nur die Münzen zähle, weiß ich auch nicht, ob ich mir davon ein Brötchen kaufen kann. So ähnlich ist es auch bei den Ladesäulen: Es kommt vor allem auf ihre Leistung an, und nicht nur auf ihre Anzahl", stellt Andreae klar.

Das habe auch die EU erkannt. Entsprechend seien im Trilog-geeinten AFIR-Entwurf leistungsbasierte Zielwerte vorgesehen: 1,3 kW pro E-Pkw und 0,8 kW pro PHEV sollen laut EU die neuen Zielwerte sein. Die BDEW-Auswertung zeigt, dass aktuell sogar über 20 Prozent mehr Ladeleistung in Deutschland installiert seien als gefordert. Der Elektromobilitätsmonitor macht auch deutlich, dass die Förderprogramme des Bundes helfen können, sie seien aber keineswegs allein Treiber des Ladesäulenausbaus. Die meisten Unternehmen verzichteten sogar auf die Förderung, da sie mit zu viel Förderbürokratie verbunden ist. Der Ausbau läuft heute vor allem wettbewerbsgetrieben, so der Verband. Die E-MobilistInnen beurteilten ihren Wechsel sehr positiv: Laut einer BDEW-Nutzerumfrage würden sich 99 Prozent aller E-Autofahrerinnen und E-Autofahrer wieder ein E-Auto kaufen. Sorgen zur Reichweite und zum Laden, die sie vor dem Autokauf hatten, haben sich aufgelöst. Stattdessen sehen sie deutliche Probleme bei der Lieferzeit und den Anschaffungskosten von E-Pkw. Das öffentliche Laden sei auf einem guten Weg, so der Verband.

Auch im AC-Bereich geht es voran

Auch generell komme der Ausbau der öffentlichen Ladesäulen in Deutschland kommt gut voran, wie Zahlen der Bundesnetzagentur zeigten. Insgesamt 80.541 öffentliche Ladepunkte waren am 1. Januar 2023 gemeldet, ein Zuwachs von 35 Prozent innerhalb eines Jahres. Insbesondere ist die installierte Ladeleistung gegenüber 2021 massiv angestiegen von 1,74 GW auf 2,47 GW, ein Zuwachs von über 40 Prozent. Grund dafür ist die hohe Zuwachsrate bei Ultra-Schnellladepunkten mit Ladeleistungen ab 150 kW. Hier hat sich die Zahl von 3.851 auf 7.037 um mehr als 80 Prozent gesteigert. Nach aktuellem Ansatz der EU-Kommission lassen sich mit dem vorhandenen Ladeangebot heute schon rund 2,5 Millionen vollelektrische Pkw versorgen. Aktuell sind rund 1 Million E-Pkw zugelassen.

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