Bahn startet Test mit Digitaler Automatischer Kupplung

Digitale Revolution im Schienengüterverkehr: Ein Zug mit Digitalen Automatischen Kupplungen ist im Beisein des Verkehrsministers in den Test gerollt. Die Technik soll deutliche Effizienzsteigerung bringen.

Start des Praxistest der Digitalen Automatischen Kupplung in Berlin. Im Bild: Dr. Volker Wissing, Bundesminister für Digitales und Verkehr; Dr. Daniela Gerd tom Markotten, DB-Vorständin für Digitalisierung und Technik; Dr. Sigrid Nikutta, DB-Vorstand für Güterverkehr. Bilder: Deutsche Bahn AG/Oliver Lang
Start des Praxistest der Digitalen Automatischen Kupplung in Berlin. Im Bild: Dr. Volker Wissing, Bundesminister für Digitales und Verkehr; Dr. Daniela Gerd tom Markotten, DB-Vorständin für Digitalisierung und Technik; Dr. Sigrid Nikutta, DB-Vorstand für Güterverkehr. Bilder: Deutsche Bahn AG/Oliver Lang
Johannes Reichel
von Nadine Bradl

Die Digitale Automatische Kupplung (DAK) ist ein wesentlicher Bestandteil der Digitalisierung von Güterzügen, teilte das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) mit. Sie sei damit ein entscheidender Hebel, um die Schiene gegenüber der Straße wettbewerbsfähiger zu machen. Die DAK ermögliche es, Güterwagen automatisch, das heißt ohne Handarbeit zu kuppeln. Auch die Wagenverbindungen für die Bremsen werden automatisch hergestellt. Erstmals werden Güterwagen mit durchgehenden Strom- und Datenleitungen ausgerüstet sein.

Länger, schwerer, schneller
 
Mit der DAK werden schnellere, automatisierte Rangierabläufe möglich. In Summe steigt die Kapazität von Umschlagbahnhöfen wesentlich. Güterzüge können mit der neuen Kupplungstechnik länger und schwerer werden. Noch wichtiger ist: Sie können mit höherem Tempo als bisher unterwegs sein und dadurch im Schienenverkehr besser „mitschwimmen“. Das erhöhe die Kapazität im Schienennetz. Die DAK werde maßgeblich dazu beitragen, die europäischen Klimaziele zu erfüllen.

„Das wachsende Transportaufkommen in Einklang mit unseren Klimaschutzzielen zu bringen, ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Die Schiene ist hierfür der Schlüssel – auch wenn wir gerade im Güterverkehr einiges aufholen müssen", kommentierte Volker Wissing, Bundesminister für Digitales und Verkehr (FDP).

Getreu dem Ampel-Koalitions-Motto "Mehr Fortschritt wagen" würde mit der EU-weiten Einführung eines einheitlichen automatischen Kupplungssystems ein über 70 Jahre währender Missstand gelöst und über eine halbe Million Güterwagen ins 21. Jahrhundert katapultiert, so Wissing weiter. Eine nach seiner Ansicht dringend benötigte Transformation, die keinen weiteren Tag Aufschub dulde.

„Diese Kupplung ist eine Revolution; ihr gehört die Zukunft. Die DAK macht Güterwagen schlau und schnell: beim Kuppeln, aber auch beim Fahren", glaubt Daniela Gerd tom Markotten, DB-Vorständin für Digitalisierung und Technik.

Durch diese Technologie könnten nicht nur mehr Güterwagen auf der Schiene fahren. Sie ermögliche auch eine Verdichtung des Schienenverkehrs, die allen zugutekomme.

„Die neue Kupplung ändert den Güterverkehr auf Schienen grundlegend und bringt uns das Tempo, das wir brauchen, um das Klima zu retten. Und es verändert die bislang harte Arbeit auf den Güterbahnhöfen: Rund 70.000 mal am Tag müssen unsere Mitarbeitenden im Rangierbetrieb die bis zu 20 Kilo schweren Kupplungsbügel auf Schulterhöhe wuchten, um Züge zu kuppeln", meint Sigrid Nikutta, DB-Vorstand für Güterverkehr.

Digitalisierung und Automatisierung des Zugbetriebs seien ein starkes Signal an die Logistik-Kunden: Güter gehören auf die Schiene. Jeder der Züge spart laut Nikutta gegenüber dem Straßentransport 80 bis 100 Prozent CO2.

Auf dem Weg zur Serienreife

Die Fahrt des Güterzugs der Zukunft geht zunächst von Deutschland aus nach Österreich und anschließend in die Schweiz. Danach sollen weitere EU-Länder folgen. Dabei wird die DAK in anderen Fahrsituationen erprobt, als dies in Deutschland möglich wäre. Dazu gehören stärkere Steigungen, engere Kurven oder andere klimatische Bedingungen. Die Testfahrt soll die DAK zur Serienreife führen. Abgeschlossen werden soll der Praxistest Ende dieses Jahres. In den vergangenen Monaten fanden bereits Streckenfahrten in Deutschland und Kuppelversuche auf Rangierbahnhöfen statt.

Ein 13 Millionen Euro-Projekt
 
Der Testzug ist Teil eines Forschungsprojekts, das vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) mit 13 Millionen Euro finanziert wird. Daran beteiligt ist ein Konsortium von sechs Unternehmen. Außer der DB und ihrer Tochter DB Cargo sind dies die schweizerischen und die österreichischen Güterbahnen SBB Cargo und Rail Cargo Austria sowie die Wagenhalter Ermewa, GATX Rail Europe und VTG. Das Ziel ist die EU-weite Einführung der DAK.

Printer Friendly, PDF & Email