Autonomes Fahren: Daimler dockt jetzt bei Nvidia an - bis Level 4

Nach der abrupten Abkehr von BMW sollen jetzt ab 2024 alle Mercedes-Modelle mit automatisierten Fahrfunktionen auf Basis des Nvidia Drive-Systems der nächsten Generation ausgerüstet sein.

Kalifornien statt Oberbayern: Daimler kooperiert für das autonome Fahren jetzt mit NVIDIA, deren Drive-Plattform schon weit gediehen ist. | Foto: Daimler
Kalifornien statt Oberbayern: Daimler kooperiert für das autonome Fahren jetzt mit NVIDIA, deren Drive-Plattform schon weit gediehen ist. | Foto: Daimler
Johannes Reichel

Nachdem der Daimler-Konzern vor kurzem abrupt das vorläufige Ende der Entwicklungskooperation mit dem bayerischen Konkurrenten BMW bekannt gegeben hatte, wollen die Schwaben jetzt gemeinsam mit dem kalifornischen Graphikkarten- und KI-Spezialisten NVIDIA das automatisierte Fahren voranttreiben. Auf Basis des NVIDIA Drive-Systems sollen beginnend mit dem Jahr 2024 sukzessive die Mercedes-Benz-Modelle mit automatisierten Fahrfunktionen ausgestattet sein. Dabei handelt es sich allerdings um die nächste Generation, die auf der im Dezember 2019 angekündigten NVIDIA Ampere-Supercomputing-Architektur Drive AGX Orin basiert und unabhängig von der NVIDIA-Kooperation mit ZF läuft. Die kalifornischen Chip-Spezialisten kooperieren darüber hinaus in Sachen automatisiertes Fahren mit Volvo Trucks sowie auch mit dem US-Fahrdienst Uber. Der wiederum hatte mit Volvo Cars vor kurzem ein dem Vernehmen nach serienreifes System für vollautomatisches Fahren präsentiert hatte.

Aktuelles System für ZF Level 2+-Copilot

Das aktuelle NVIDIA Drive AGX Xavier-System fußt noch auf einer Hardware und Steuerbox ZF Pro AI, die auf der CES im vergangenen Jahr vorgestellt worden war und modulare Assistenz von Basis-ADAS-Funktionen bis hin zu Mobility-as-a-Service-Lösungen und Robo-Taxi-Anwendungen bieten soll. In Shanghai im April 2019 hatte man darauf aufbauend den ZF Co-Pilot präsentiert, der ab Ende 2020 als "Level-2+"-System mit einer laut Anbieter neuen Qualität für teilautomatisiertes Fahren in Serie gehen soll, dem Vernehmen nach erstmals bei einem asiatischen Hersteller. Der Friedrichshafener Zulieferer bewirbt das System als kosteneffizientestes Level 2+-System für Volumenmodelle und einem Preis von deutlich unter 1.000 US-Dollar.

Nächste Generation mit Mercedes von Level 2 bis Level 4

Die neue Software-definierte Daimler-Architektur auf NVIDIA-Basis soll aber darüber hinaus gehen und in allen Fahrzeugen zum Standard gehören. Ein Ziel ist es unter anderem, regelmäßige Strecken automatisiert zu fahren. Zusätzlich werde es "zahlreiche weitere Sicherheits- und Komfortanwendungen" geben, wie der Hersteller mitteilte. Die Geschäftsidee dahinter ist ähnlich dem Konzept bei Tesla, Kunden künftig Software-Anwendungen und Abonnement-Dienste via Over-the-Air-Updates über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs gegen Gebühr anzubieten.

Das System-on-Chip (SoC)-System der NVIDIA Drive-Plattform umfasst einen vollständigen Systemsoftware-Stack, der speziell für die automatisierte Steuerung von KI-Anwendungen entwickelt wurde. Beide Anbieter wollen gemeinsam KI-Anwendungen und automatisierte Funktionen entwickeln, die SAE Level 2 und 3-Stufen sowie automatisierte Parkfunktionen (bis Level 4) umfassen. Der Fokus des neuen Systems werde klar auf dem Thema Sicherheit liegen, so der Hersteller. Mit der Entwicklung der Technologie und bei Vorliegen des entsprechenden Rechtsrahmens solle jedes Auto neue automatisierte Fahrfunktionen via Over-the-Air-Updates bekommen können.

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