Auto Shanghai 2021: A6 e-tron concept nimmt Tesla Model S ins Visier

PPE-Premiere in Fernost: Audi zeigt das A6 e-tron concept, das die Elektrifizierung der vier Ringe boosten soll, mit 700 Kilometer Reichweite, 350-kW-Motor und 270-kW-Lader klotzt und den A6-Verbrenner obsolet macht.

Läuft: Über 700 Kilometer Reichweite soll der A6 e-tron concept mit 100 kWh-Akku und dank ausgefeilter Aerodynamik schaffen. | Foto: Audi
Läuft: Über 700 Kilometer Reichweite soll der A6 e-tron concept mit 100 kWh-Akku und dank ausgefeilter Aerodynamik schaffen. | Foto: Audi
Johannes Reichel

Es ist, als hätte Audi bei Tesla Maß genommen: 4,96 Meter Länge, 1,96 Meter Breite und 1,44 Meter Höhe, das sind nicht nur fast exakt die formalen Daten des Tesla Model S, sondern auch die des in Shanghai präsentierten A6 e-tron. Der trägt zwar noch den Tarnzusatz "concept", aber kann kaum verhehlen, dass er eine Art elektrischer Audi A6 sein will und ziemlich genau so kommen wird. Erstmals fahren die Ingolstädter bei der elektrischen Business-Limousine auf die performante PPE-800-Volt-Plattform ab, während der ebenfalls im Shanghai-Umfeld präsentierte Q4 e-tron auf der "Brot-und-Butter"-MEB-Basis rollt.

Kein Ersatz für den A6, sondern Ergänzung

Das A6 concept soll übrigens den A6-Verbrenner nicht ersetzen, sondern ergänzen. Schließlich sei die konventionelle A6-Plattform noch jung und man weltweit nach wie vor schwer gefragt. Für manchen könnte der elektrische A6 den konventionellen aber durchaus ersetzen: Ähnlich wie Tesla beim neuen Model S (663 km) etwa 700 Kilometer Reichweite im WLTP mittels eines zwischen den Achsen sehr flach verbauten 100-kWh-Lithium-Ionen-Akkus mit in Fahrtrichtung orientierten Zellen, kombiniert mit bis zu 270 kW Schnellladeleistung, wodurch binnen 10 Minuten 300 Kilometer und in 25 Minuten von 5 auf 80 Prozent Energie gebunkert sein sollen sowie ein reichweitenfördernder cW-Wert von 0,22 (Tesla Model S 0,20) - ein imposantes technisches Package.

Oberklasse: Platzangebot soll deutlich über dem A6 ICE

Dazu gesellt sich ein ein fürstliches Platzangebot mit vor allem viel Beinraum und topfebenem Boden sowie einem Kofferraum von tendenziell deutlich über 500 Liter (e-tron GT 405 l) plus Frunk, gepaart mit einer Performance, für die man schon eines der sportiven RS-Modelle aus der Verbrenner-Linie wählen muss, wenn überhaupt: In vier Sekunden sollen 100 km/h anliegen in der Topversion der elektrischen Business-Limousine aus Ingolstadt. Die reichweitenoptimierten Basisversionen genügen aber mit ihren sieben Sekunden für den Standardsprint im verkehrsreichen Dienstwagenalltag völlig.

Mit Quattro und adaptiver Luftfederung

Obligatorisch ist für Ingolstadt die Wahl zwischen reinem Heckantrieb sowie dem Quattro mit zusätzlicher E-Maschine an der Vorderachse, zusammen dann mit 350 kW Leistung und lastwagenmäßigen 800 Nm Drehmoment. Vorne sorgt eine auf E-Antrieb optimierte Fünflenker-, hinten eine Mehrlenkerachse für der Motorleistung angemessene Fahrdynamik. Das Konzept trägt zudem eine adaptive Luftfederung "zur Schau", die möglicherweise optional erhältlich sein wird. Was das Thema automatisiertes Fahren betrifft, hielt sich der Hersteller noch bedeckt. Man darf aber davon ausgehen, dass man hier nicht hinter dem aktuellen Ingolstädter Stand zurückbleibt, sondern eher noch etwas in Richtung Level2+ drauf sattelt.

Ein optimiertes Thermomanagement soll die Reichweite pimpen, ebenso denkt man über die Rolle der Lackierung für die Energieeffizienz nach, was nicht nur beim Häuserbau naheliegt. "Heliosilber kann einen bedeutenden Anteil der Wärmestrahlung im Sonnenlicht reflektieren und so den Energieeintrag in Karosserie und Innenraum senken. Willkommener Effekt: In vielen Situationen ist der Einsatz der Klimaanlage verzichtbar", werben die Audi-Entwickler für die Ingolstädter Traditionsfarbe statt Einheitsschwarz.

Liebe zum Licht: Ingolstädter LED-Spiele

Tradition hat an der Donau auch die Liebe zum Licht, wo sich die Lichtdesigner mit LED-Matrix und OLED-Technik austoben durften, sodass die extrem flachen Leuchten nicht nur stark, sondern auch individuell programmiert werden können. So lassen sich etwa mit den drei LED-Projektoren an den Seiten auch Warnsignale etwa an Radfahrer auf den Boden projizieren - oder wie bei einem Filmprojektor aus den Front-Matrix-LEDs ein Video oder das eigens entwickelte Audi-Computerspiel an die Wand "beamen". Die vier LEDs an den Ecken fabrizieren Blinkerprojektionen, können aber auch ein kleines Begrüßungslichtspiel aufführen. Naja, wer's braucht. Aber nette Spielereien sind es doch. Auch am Heck zeichnen individuell programmierbare OLEDs die obligate "Lichtsignatur" in die Nacht, sogar dreidimensional.

Abgrenzung: Der A6 e-tron für viele, der e-tron GT für wenige

Und die Abgrenzung zum noch viel jüngeren e-tron GT, der nur als RS noch schneller beschleunigt? Der noch drei Zentimeter flachere, aber mit 4,99 Meter fast identisch lange Gran Tourismo auf der mit dem Porsche Taycan geteilten J1-Sportwagen-Plattform sei vor allem sportlich-luxuriös und technologisch High-End-mäßig ausgerichtet, schlicht, zu "spitz positioniert", wie ein Entwickler pointiert. Audi sieht hier also eine weitere Nische. Und der A6 e-tron dürfte mithin auch preislich deutlich unterhalb des GT ansetzen, der knapp unter der 100.000-Euro-Marke erst startet. Entsprechend exklusiv dürfte das Vergnügen auch sein für GT-Kunden.

Gut für die Flottengrenzwerte: Schub für die Elektrifizierung

Dagegen spricht der technische PPE-Projektleiter Johannes Arneth bei der Vorabpräsentation im Web dezidiert von einer Skalierung der Elektrifizierung, die mit dem A6 e-tron concept einhergehen soll. Erst mittels der PPE rollt die Elektrifizierung in einem breiten Marksegment der Geschäftswagen so richtig an und senkt damit auch die Flottenemissionen des Herstellers, so zumindest die Hoffnung. Schließlich operiert man hier in einem Volumensegment.

Denn der A6 e-tron concept soll nicht weniger als der "Vater einer Familie von Elektroautos der Zukunft", wie es bei der Vorstellung etwas pathetisch heißt, sein. Erst kommt also das C-Segment dran, dann soll abwärts skaliert werden in Richtung A4, die flexible PPE-Plattform gebe das her, so die Verantwortlichen. Der A6 sei der perfekte Auftakt und Erweiterung des bisher entweder exklusiv (e-tron GT) oder am Hochbau (SUV e-tron, Q4 e-tron) orientierten Stromerportfolios.

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