Auto China Peking 2018: Die Erfolge der US-Cars

Trotz Trumps Aversion gegen den freien Welthandel mit China sind die US-Marken dort viel erfolgreicher als in Europa.

Abgehoben: Ford präsentierte in Peking den viertürigen Focus Stufenheck. | Foto: F. Kaplan
Abgehoben: Ford präsentierte in Peking den viertürigen Focus Stufenheck. | Foto: F. Kaplan
Funda Kaplan

Buick ist selbst im Heimatmarkt USA nur noch eine Marke unter vielen – in China aber eine ganz große Nummer: Nämlich die vierstärkste Automarke. Auch Chevrolet ist in Asien deutlich erfolgreicher als in Europa – gleiches gilt für die Premiummarken Cadillac und Lincoln, die in China durchaus als Alternativen zu den europäischen Premiums gesehen werden – bekannt und geschätzt vor allem durch Hollywood-Blockbuster.

Entsprechend groß fuhr man in Peking auf. Buick zeigte die SUV-Elektro-Studie „Envision“, Chevrolet konterte gegenüber mit einem ähnlich gestrickten SUV-Konzept, dem FNR-X. Dazu rollte man das ganze umfangreiche Programm aus, das bei Buick auch die PHEV respektive Elektriker Velite 5 und 6 umfasst – der Chevy Volt lässt grüßen. Auch Cadillac brachte die komplette Palette mit und zeigte nochmal den eben erst in New York präsentierten SUV ST 5. Elektrifizierung – nun ja, ein bisschen PHEV, sonst aber eher später. Interessant: Der Buick Envision wird mittlerweile gar nicht mehr in den USA, sondern nur noch in China gefertigt – und von dort auch in die Staaten exportiert. Dazu gründete GM mit seinen Partnern in China die etwas günstiger positionierten Eigenmarken Baojun, Jiefang und Wuling, die ebenfalls eine eigene chinesische Erfolgsgeschichte schrieben.

Davon kann Ford nur träumen: Die One-World-Strategie ging eher nicht auf, was den Dearbornern in China zuletzt einige Verluste bescherte. Entsprechend schiebt man jetzt den Escort unter den neuen Focus und plant weitere Modelle, die spezifischer auf den chinesischen Markt abgestimmt sind.

Auch bei der Edeltochter Lincoln – bisher fast ausschließlich in Nordamerika USA mit dezenten Stückzahlen unterwegs tut sich etwas: In China feierte das SUV Aviator Weltpremiere und soll gegen BMW X5 und Co antreten. In Europa klassische Führungskräfte-Flottenfahrzeuge. Dazu gönnte Ford sich sogar eine neue allradantriebsfähige Heckantriebs-Plattform die auch der nächste Explorer nutzen soll. Mittlerweile verkauft Lincoln in China fünf Modelle, zu denen auch der Continental und der große Navigator zählen.

Und auch bei FCA kommt das China-Geschäft langsam in Fahrt: Dort tritt man vor allem mit der Marke Jeep an, die mit Partner GAC ebenfalls lokal fertigt. Weltpremiere hatte jetzt der klang erwartete Commander, allerdings vorerst nur für China. Ein Modell, das in Europa und in den USA noch über dem Grand Cherokee parken sollte und dessen Vorgänger zuletzt 2010 vom Markt verschwand. Stattdessen stehen Commander und Grand Commander jetzt in Peking, fallen mit knapp fünf Metern und 2,0-Liter-Turbobenzinern dann doch etwas kompakter aus als gedacht und bleiben dem chinesischen Markt in einer für dort ungewöhnlichen Ausstattungsbreite vorbehalten. Ebenfalls schon präsentiert wurde der Commander PHEV, womit FCA die Elektrifizierung in China schneller vorantreibt als in den Heimatmärkten. Ebenfalls im Angebot ist hier der Chrysler Pacifica, der vor allem als Plug-in-Hybrid beworben wird.

Und Messemuffel Musk mit Tesla? War natürlich auch mit der ganzen Palette vor Ort und für viele bot sich erstmals die Möglichkeit einer Sitzprobe im Model 3, das laut Pressesprecher Rich Otto jetzt endlich die 3000-Einheiten-Marke pro Woche knacken dürfte. Schaut man sich auf den Straßen Pekings um, wird einem schnell klar, warum Elon Musk trotz lauten Gejammere über Zollblockaden in China ausstellt: Binnen zwei Tagen sieht man im Zentrum schnell mal zehn Model S und X herumfahren und damit auch gleich die einzigen Stromer – die auch hier trotz hoher Importzölle als (pseudo-)grünes Luxusstatement funktionieren – und trotz oder vielleicht auch wegen ihres hohen Preises gekauft werden.  

Was bedeutet das?

Die US-Hersteller sind in China deutlich erfolgreicher und aktiver als in Europa. Das klappt aber nur mit maßgeschneiderten Modellen, welche für das Reich der Mitte auch entwickelt werden. Interessanterweise wird hier auch bei den alternativen Antrieben schnell nachgelegt. Ob Lincoln oder Cadillac dagegen in Europa je Premiumalternativen im Flottengeschäft werden können, ist dagegen fraglich. 

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