Audi: Verbrenner-Ausstieg bis 2035?

Für 2020 sieht Audi nach eigenen Prognosen seine CO2-Ziele übererfüllt. Damit das so bleibt, plant Audi-CEO Duesmann mehreren Medienberichten zu Folge den Verbrenner-Ausstieg bis 2035.

Audis Chefdesigner Marc Lichte vor dem Heck des Serien E-Tron GT. Hinter den Kulissen gestaltet er bereits die Zukunft der Marke. | Foto: Audi
Audis Chefdesigner Marc Lichte vor dem Heck des Serien E-Tron GT. Hinter den Kulissen gestaltet er bereits die Zukunft der Marke. | Foto: Audi
Gregor Soller

Dass die Elektrifizierung der Modellpalette nicht mehr zu stoppen sein dürfte, belegen mehrere Aussagen, die Markus Duesmann jetzt in der Wirtschaftspresse tätigte. Dass die E-Fahrzeuge künftig in den Fokus rücken, hat der Audi-Chef schon mehrfach angekündigt, doch dass er ein Ende der Verbrenner-Baureihen anpeilt, ist neu – aber nicht verwunderlich. Schließlich haben neben den Plug-in-Hybrid-Modellen schon heute die Zulassungen der beiden e-tron-SUV-Modelle die CO2-Bilanz gerettet. Auf Basis vorläufiger Werte hätten die Ingolstädter ihre CO2-Flottenziele für Europa im Jahr 2020 sogar übererfüllt, mit rechnerisch 101,5 g/km zum gesetzlich vorgegebenen Zielwert von 105,6 g/km. Das Ergebnis entspreche einer Verbesserung von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt, verkündet man stolz. Die Vier-Ringe-Marke hatte 2020 bereits neun Plug-in-Hybrid-Modelle im Angebot, darunter in wichtigen Baureihen wie A3, A6, A7 Sportback, Q7 und Q8 – von Kompakt- bis zur Oberklasse. Bis 2025 will Audi mehr als 30 elektrifizierte Modelle anbieten, davon rund 25 vollelektrische.

Aus dem „Schnellboot“ Artemis, das Chef Duesmann neben dem „Tanker der Serienentwicklung“ zu Wasser gelassen hat, soll bis 2024 ein ganz neues Produkt entstehen. Wie das aussehen könnte, dürfte Audi zur IAA 2021 in einer Studie andeuten. Dabei soll es sich um eine Fahrzeugkategorie handeln, die weder A noch Q heißen wird. Wir erwarten einen flachen Crossover mit jeder Menge Platz und einer ganz neuen Elektronikarchitektur.

In die Zukunft: Entwicklung der MEB-Nachfolgeplattform mit VW

Aber auch in der Serie baut Audi massiv um: MEB wird die neuen Einstiegsmodelle Q4 e-tron tragen, darüber dürfte dann die mit Porsche entwickelte PPE-Plattform viele Modelle tragen. Außerdem entwickelt man aus Artemis mit VW das Projekt „Trinity“, das als Nachfolgeplattform von MEB gehandelt wird. Hier liegt der Fokus auf der Digitalisierung und der Option autonomer Fahrmöglichkeiten. Dazu kommen dichtere Akkus und effizientere Antriebe – womit spätestens die übernächste E-Auto-Generation von Audi deutlich höhere Reichweiten bei viel niedrigeren Gewichten und Verbräuchen erzielen dürfte.

Einstieg in den Ausstieg: Verbrenner-Portfolio wird ausgedünnt

Entsprechend wird das Verbrennerangebot ausgedünnt und ab der übernächsten Generation vieler Baureihen ganz entfallen. Auf der Kippe stehen jetzt schon die Sportwagen TT und R8, aber auch hinter dem A1 steht mittlerweile ein großes Fragezeichen. Auch für A4 bis A8 respektive die Q-Reihen Q2 bis Q8 plant man bereits „Auslaufszenarien“ der Verbrenner. Selbst die noch jungen Plug-in-Hybride scheint auch Audi laut Medienberichten nur als „Übergang“ zu sehen, bevor reine Stromer die Programme dominieren. Ein Grund dürfte auch sein, dass die Politik die PHEV-Technik nach der Bundestagswahl im Herbst 2021 nicht mehr fördern könnte, was die Technik weniger attraktiv macht.

Kennzeichen "E": Kommen E3 und E8 statt den "A-Modellen"?

Intern werden neue Modelle mit dem Kürzel „E“ geführt und könnten als E3 bis E8 die künftige Palette bestimmen, wobei sich „EQ“ für die SUV verböte, da Daimler dieses Kürzel seinerseits für Stromer nutzt. In einem Porträt des „Manager Magazins“ über Markus Duesmann erklärt dieser, das A4 und A6 ab 2023 Nachfolger erhalten, die dann auch rein elektrische Varianten zur Seite gestellt bekommen. Je nach deren Erfolg könnten die Verbrenner dort vor 2030 aus dem Programm gestrichen werden. Der A8 erhält Ende 2021 noch einmal ein Facelift, könnte aber keinen direkten Nachfolger mehr erhalten. Auch gegenüber der „Wirtschaftswoche“ bekundete Duesmann, dass er an einem konkreten Zeitplan für den Verbrenner-Ausstieg arbeite, „in den kommenden zehn, vielleicht 15 Jahren.“

Was bedeutet das?

Audi hatte 2020 Glück mit den CO2-Zielen, die man nach eigenen vorläufigen Prognosen formal sogar übererfüllt hätte, startet aber auf vielen verschiedenen Beinen in die reine E-Mobilität: Der E-Tron basiert auf dem Q5, der e-tron GT auf dem Porsche Taycan und der Q4 e-tron steht auf MEB. Vorsprung durch Technik sieht anders aus, weshalb hinter den Kulissen mit „Artemis“ und später „Trinity“ ganz neue, rein elektrische Plattformen entwickelt werden, welche die Verbrenner sukzessive ablösen. Dass Duesmann sich in dem Zusammenhang eine Prognose für ein Verbrenner-Ende traut, ist mutig, aber für Audi eine stimmige und nach vorn weisende Ansage!  

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