Audi und KIT wollen erdölbasierte Kunststoffe recyclingfähig machen

Pilotprojekt  mit chemischem Recycling soll geschlossenen Kreislauf für Kunststoffe aus dem Automobilbau ermöglichen. Die recycelten Kunststoffabfälle werden zu Pyrolyseöl verarbeitet, das wiederum für neue Bauteile eingesetzt werden kann, so die Hoffnung.

Kunst mit Kunststoff: Erdölbasierte Materialien für Hochleistungsbauteile lassen sich bisher kaum recyceln. Audi und das KIT wollen das ändern.
Kunst mit Kunststoff: Erdölbasierte Materialien für Hochleistungsbauteile lassen sich bisher kaum recyceln. Audi und das KIT wollen das ändern.
Johannes Reichel

Audi und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben im Rahmen ein Pilotprojekt für chemisches Recycling gestartet. Damit will man sogenannte Kunststoffmischfraktionen in einen ressourcenschonenden Kreislauf zurückführen. Zahlreiche Bauteile in Autos werden aus Kunststoffen gefertigt. Für sie gelten hohe Anforderungen an Sicherheit, Hitzebeständigkeit und Qualität. Besonders intensiv beanspruchte Kunststoffbauteile in Autos ließen sich daher bislang nur aus Materialien auf Erdölbasis herstellen, die meist nicht wiederverwertet werden könnten, skizzieren die Partner den Hintergrund. Während sortenreine Kunststoffe oft mechanisch recycelt werden können, sei das Recycling von gemischten Kunststoffabfällen eine große Herausforderung.

„Wir wollen intelligente Kreisläufe in unseren Lieferketten etablieren und Ressourcen effizient einsetzen“, erklärt Marco Philippi, Leiter Beschaffungsstrategie.

Chemisches Recycling berge hierfür großes Potenzial. Wenn sich Kunststoffbauteile ohne Qualitätsverlust anstatt aus Erdöl aus Pyrolyseöl herstellen ließen, wäre es möglich, den Anteil an nachhaltig hergestellten Teilen im Auto signifikant zu erhöhen, glaubt der Beschaffungsspezialist. Auf lange Sicht könne dieses Verfahren auch im Altfahrzeugrecycling eine Rolle spielen, so Philippi weiter.

Kreisläufe für Kunststoffe schaffen

Das Pilotprojekt „Chemisches Recycling von Kunststoffen aus dem Automobilbau“ zielt darauf, intelligente Kreisläufe für Kunststoffe zu schaffen sowie diese Methode als Ergänzung für mechanisches Recycling und anstelle energetischer Verwertung zu etablieren. Mit dem KIT als Partner will Audi zunächst die technische Machbarkeit des chemischen Recyclings testen und das Verfahren auf Wirtschaftlichkeit und Umweltauswirkungen bewerten. Das Unternehmen stellt dafür nicht mehr benötigte Kunststoffbauteile wie Kraftstofftanks, Radzierblenden oder Kühlerschutzgitter aus Fahrzeug-Modellen zur Verfügung, die etwa aus dem deutschen Händlernetzwerk zurückkehren. Diese Kunststoffbauteile werden durch chemisches Recycling zu Pyrolyseöl verarbeitet.

Uneingeschränkte Materialqualität

Die Qualität dieses Öls entspreche der von Erdölprodukten, daraus hergestellte Materialien seien ebenso hochwertig wie Neuwaren, zerstreut der Hersteller etwaige Befürchtungen. Mittelfristig hofft man, Bauteile aus Pyrolyseöl erneut in Automobilen verwenden zu können. Chemisches Recycling ist bisher die einzige Methode, mit der es möglich ist, solche gemischten Kunststoffabfälle wieder in Produkte mit Neuwarenqualität umzuwandeln. Dadurch kann eine größere Bandbreite an Kunststoffen wiedergewonnen werden. So geschlossene Materialkreisläufe haben mehrere Vorteile. Sie sparen wertvolle Ressourcen, weil weniger Primärmaterial benötigt wird. Dies wiederum spart Energie und Kosten. Audi zählt sich zu den ersten Automobilherstellern, die diese Recyclingmethode in einem Pilotprojekt mit Kunststoffen aus der Automobilproduktion testen.

„Automobile Kunststoffe zu recyceln ist bisher für viele Bauteile nicht möglich, deshalb leisten wir hier mit Audi Pionierarbeit“, sagt Prof. Dieter Stapf, Leiter des Instituts für Technische Chemie am KIT.

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