Audi und Hager Group erforschen bidirektionales Laden

Theoretisch einfach, praktisch komplex: Audi erprobt mit der Hager Group bidirektionales Laden und peilt dabei vor allem auf den Use Case mit eigener Photovoltaik-Anlage.

Große Potenziale: Die Nutzung von E-Autos als Pufferspeicher könnte für Hausbesitzer die Kosten senken, das Netz stabilisieren und letztlich dem Klimaschutz dienen. | Foto: Audi
Große Potenziale: Die Nutzung von E-Autos als Pufferspeicher könnte für Hausbesitzer die Kosten senken, das Netz stabilisieren und letztlich dem Klimaschutz dienen. | Foto: Audi
Johannes Reichel

Die Volkswagen-Tochter Audi hat ein Forschungsprojekt zum bidirektionalen Laden gestartet und will damit Netzstabilität erhöhen und die Stromkosten senken. In Kooperation mit der Hager Group arbeitet man an der Einbindung des Elektroautos in das häusliche Stromnetz und erwartet speziell im Zusammenspiel mit einer Photovoltaikanlage große Vorteile. Überschüssiger PV-Strom könne damit zwischengespeichert und bei Bedarf abgegeben werden, argumentiert der Anbieter. Mit steigenden Zulassungszahlen von Elektroautos erhöhe sich die Zahl mobiler Energiespeicher. Das stelle ein großes Potenzial dar, wenn die Speicherkapazität intelligent nutzbar gemacht würden. 

„Durch die Elektromobilität rücken Automobilindustrie und Energiewirtschaft enger zusammen. Die Batterie eines Audi e-tron könnte ein Einfamilienhaus rund eine Woche autark mit Energie versorgen. Perspektivisch möchten wir dieses Potenzial nutzbar und das E-Auto als Stromspeicher auf vier Rädern zum Teil der Energiewende machen“, erklärt Martin Dehm, technischer Projektleiter für bidirektionales Laden bei Audi.

Beim bidirektionalen Laden stehen vor allem Use-Cases im Fokus, bei denen Eigenheimbesitzer mit eigener Photovoltaikanlage kostenoptimiert eigenerzeugten Strom laden. Die Hochvolt-Batterie des Elektroautos wird dabei nicht nur über die Wallbox zu Hause geladen, sondern kann als dezentrales Speichermedium auch wieder Energie ans Haus abgeben. Besitze der Kunde eine Photovoltaikanlage, diene das E-Auto als Zwischenspeicher für den eigenerzeugten Ökostrom, skizzieren die Anbieter weiter. Wenn die Sonne nicht mehr scheint, kann das Fahrzeug dann den gespeicherten Strom wieder ans Haus abgeben.

"Das bidirektionale Laden zu Hause – auch Vehicle to Home (V2H) genannt – hat großes Potential, die Stromkosten des Hausbesitzers zu senken und die Netzstabilität zu erhöhen", glauben die Entwickler.

Als weitere Ausbaustufe sei im Zusammenspiel mit einem Heimspeicher eine fast vollständige Energieautarkie sowie erhöhte Versorgungssicherheit im Falles eines Blackouts möglich.

„Die Batterie von Elektrofahrzeugen zu nutzen, um einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und gleichzeitig Stromkosten zu senken, ist eine Vision, die uns von Anfang an fasziniert hat“, meint Ulrich Reiner, Projektleiter Hager Group.

In der Theorie einfach, erfordere die Praxis aber eine hohe technische Intelligenz und das abgestimmte Zusammenspiel verschiedener technischer Komponenten auf Seiten der Infrastruktur sowie im Fahrzeug, führt der Anbieter weiter aus. Bei dem Forschungsprojekt kam ein Audi e-tron mit seriennaher Ladetechnologie zum Einsatz. Im Versuchsverbund agierte das vollelektrische Audi Modell mit einer DC-Wallbox, die eine Ladeleistung von bis zu 12 kW ermöglicht, sowie einem flexibel erweiterbaren Heimspeicher mit 9 kWh Kapazität. Bei einem möglichen Serieneinsatz könne dieser für zusätzliche Flexibilität sorgen, sei aber keine notwendige Voraussetzung für das bidirektionale Laden. Dank der DC-Spannungsebene im Gesamtverbund komme die Verbindung zwischen PV-Anlage und Fahrzeug ohne Wechselrichter aus, was eine besonders effiziente Lösung darstelle.

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