Audi Tech Talk: Nachhaltige Technologie als Gesamtkonzept

Audi will klimaneutral werden und das produktionsübergreifend. Dafür wird in die Entwicklung innovativer Recycling-Systeme als auch in Kooperationen mit strategischen Partnern investiert. Wie das genau aussieht, wird auf dem Greentech Festival 2021 vorgestellt.

Will zügig ergrünen: Die Premium-Marke unter dem VW-Dach verfolgt einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz, für den man beim Greentech-Festival wirbt. | Foto: Audi
Will zügig ergrünen: Die Premium-Marke unter dem VW-Dach verfolgt einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz, für den man beim Greentech-Festival wirbt. | Foto: Audi
Redaktion (allg.)

„Audi fährt grün, das ist das Ziel. Sowohl vom Band als auch auf der Straße.“ Ganz soweit ist es zwar doch noch nicht, ambitioniert aber geht es allemal zu, bei der VW-Premium-Tochter. Im Rahmen des Greentech Festivals 2021 in Berlin präsentieren die Ingolstädter Umwelt-, Beschaffungs- und Dekarbonisierungsstrategien, laufende Projekte und neue Ansätze, wie man künftig umweltverträglicher als Automobilhersteller agieren will.

Positiv Impact, unter diesem Kredo soll der gesamte Lebenszyklus der Fahrzeuge weiter Richtung CO2-neutraler Mobilität rücken. Oliver Hoffmann, Vorstand für technische Entwicklung, setzt in der Nutzungsphase der Fahrzeuge auf mehr Effizienz und niedrigere cW-Werte, unter Einsatz von recyceltem Produktionsmaterialien. Wer umweltbewusst laden will, den verweist Hoffmann an Elli, einen Stromanbieter aus eigenem Hause, unter dem Dach der Volkswagen Group, bzw. an den Ladepartner Ionity, für hpc-Laden auf der Autobahn. Da Grünstrom aktuell aber noch nicht flächendeckend verfügbar ist, setzt man auf europaweite Partnerschaften mit Energieversorgern.

Größter Solarpark Deutschlands

„Gemeinsam mit den Partnern der Energiebranche wollen wir das Angebot an Wind- und Solarenergie weiter ausbauen. Bis 2025 wollen wir 5 Terabytestunden Grünstrom produziert haben, um damit unsere Fahrzeugflotte in Europa bilanziell CO2-neutral aufzustellen. Nicht zu vergessen, wir stehen am Anfang unserer Elektrifizierungsstrategie, mit der e-tron-Familie. Mit dem e-tron GT und dem Q4 e-tron angefangen, werden wir bis 2025 über 20 vollelektrische Produkte anbieten können“, so Hoffmann.

Um das Ziel zu erreichen, setzt Audi auf eine Partnerschaft mit der RWE. Zusammen will man 2022 in Mecklenburg-Vorpommern mit einem Solarpark ans Netz gehen, dem „größten, unabhängigen Solarpark Deutschlands“, mit über 420.000 Solarmodulen. Weiter Kooperationen sind angedacht.

Nachhaltige Lieferketten

Auch bei der Beschaffung soll CO2 eingespart werden. Johanna Klewitz, Teamleiterin im Bereich Nachhaltige Lieferkette, erklärt, dass man mit Zuliefererunternehmen zusammenarbeiten will, die „gemeinsame Werte“ teilen.

„Deswegen haben wir 2019 ein verbindliches Vergabekriterium eingeführt, das Sustainability Rating, nach dem wir unsere Zuliefererunternehmen nach sozialen, Compliance- und Umweltkriterien bewerten.“

Filtersystem gegen umweltschädliche Partikel

Die Audi Stiftung arbeitet zusammen mit der TU Berlin an einem Filtersystem, das den Abrieb der Reifen und weiterer umweltschädlicher Partikel abfangen soll, bevor er zusammen mit Regenwasser in die Kanalisation und damit in natürliche Gewässer abfließen kann. Laut Audi entstehen durch Fahrbahn- und Reifenabrieb jährlich geschätzte 110.000 Tonnen Mikroplastik, alleine in Deutschland. Dazu tragen nicht nur Fahrzeuge, sondern sämtliche Verkehrsteilnehmer bei. Sedimentfilter für Straßenabläufe könnten hier greifen. Modular konzipiert, können sie entsprechen Straßensituation, Verkehrs- und sonstiger Schmutzbelastung angepasst werden und die Feinpartikel auffangen.

„Daneben wollen wir auch noch möglichst viele andere Schadstoffe abfangen, die auf und an Straßen anfallen – Getränkedosen und Zigarettenkippen, die leider häufig auf dem Gehweg landen, genauso wie eigentlich natürliche Partikel wie Sand, Blätter und Pollen von Bäumen“, so Joachim Wloka, Greenovation-Projektleiter der Audi Stiftung für Umwelt.

Die Filter sind in drei Zonen unterteilt: Straße, Schacht, Ablauf. In der obersten Zone können Ablaufrinnen oder spezieller Asphalt eingesetzt werden, um im Gulli-Schacht darunter so Feststoffe mittels Laubkörbe oder Filterrocks abzufangen. Die unterste Ablauf-Zone filtert dann die Feinstoffe.

„Hier erproben wir gerade ein Magnetmodul“, kommentiert Daniel Venghaus, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft an der TU Berlin. „Magnete halten in unseren Vorversuchen besonders feine Partikel zurück, ohne dabei verstopfen zu können.“

Noch befindet sich das Filtersystem größtenteils in der Planung, im Laufe diesen Jahres aber sollen bereits erste Praxistests erfolgen.

Was bedeutet das?

Ob die Maßnahmen von Audi und der Automobilindustrie insgesamt greifen, um die Umwelt wirksam und merklich zu entlasten, bleibt abzuwarten. Interessant sind die Ansätze allemal. Das Greentech Festival 2021 fand vom 16. bis zum 18. Juni im Kraftwerk Berlin statt.

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