Audi Q4 e-tron: Großes Kino vorn und hinten

Mit dem kompakten E-SUV kehrt Audi an seinen Ursprungsort Zwickau zurück – setzt in der Basis MEB-bedingt allerdings auf Heckantrieb.

Der Q4 e-tron basiert auf dem MEB-Baukasten von VW und wird in Zwickau montiert werden. | Foto: Audi
Der Q4 e-tron basiert auf dem MEB-Baukasten von VW und wird in Zwickau montiert werden. | Foto: Audi
Gregor Soller

Bereits im März 2019 stand Audis MEB-Modell als seriennahes Konzept in Genf, jetzt lässt Audi die letzten Hüllen fallen. Dabei haben sich die Ingolstädter einiges einfallen lassen, um ihr MEB-Modell von den VW- und Skoda-Geschwistern zu differenzieren. Bei den Maßen hielt man Maß: Der Q4 e-tron misst 4.590 x 1.865 Millimeter x 1.613 Millimeter in Länge, Breite und Höhe.

Viel Radstand und ansteigende „Kinobestuhlung“

Der Radstand beträgt üppige 2,76 Meter und da man einen ebenen Boden ohne Mitteltunnel hat, bietet der Q4 innen luftige Raumverhältnisse, die im Fond schon zwischen Q5 und Q7 liegen. Außerdem setzt man auf eine „Kinobestuhlung“, womit man in Reihe sieben Zentimeter höher thront als vorne. Üppig fällt auch der Kofferraum des Audi Q4 e-tron aus: In der Basis nennt Audi 520 Liter Gepäckvolumen, durch Umklappen der 40:20:40 geteilten Lehnen werden daraus bis zu 1.490 Liter, womit der Audi knapp unter dem VW ID.4 liegt, der 543 bis 1.575 Liter bietet, während der Skoda Enyaq gar 585 bis 1.710 Liter auffahren darf. Wie raumeffizient der Q4 e-tron ist, demonstriert auch der Vergleich mit dem Q5, bei dem der längs montierte Verbrenner viel Platz kostet: Der bietet trotz zehn Zentimeter mehr Gesamtlänge maximal 520 Liter bis 1.520 Liter, als Plug-in noch etwas weniger. Und weil man auch bei Audi neue praktische Ideen hatte, packte man noch üppige 25 Liter an Ablagen dazu und schuf neue Flaschenhalter in allen vier Türverkleidungen.

Technik: Typisch MEB

Der Q4 e-tron dürfte zu Beginn als starke Allradversion starten: Heißt 225-kW, erzeugt aus dem 150-kW-Motor im Heck und der 75-kW-Maschine an der Vorderachse. Darunter wird die 150-kW-Heckantriebsversion stehen, als Einstieg erwarten wir später die 125-kW-Version. Auch bei den Akkus dürfte Audi erstmal „groß“ starten, mit 82 kWh, was 77 kWh netto entspricht, hier könnte später noch eine kleinere Version nachgereicht werden. Die Reichweite soll nach WLTP bei mehr als 450 Kilometern liegen, die Heckantriebsversionen dürften locker die 500-Kilometer-Marke knacken, was real auch im Winter gut 300 Kilometer bedeuten wird. Geladen werden darf auch hier mit maximal 125 kW DC, um in weniger als 30 Minuten auf einen Ladestand von 80 Prozent zu kommen.

Im Interieur bringt Audi viele neue Ideen ein

Innen bringt Audi einige Neuheiten, die man so noch nicht kannte: Auch der Q4 e-tron setzt auf ein volldigitales Anzeige- und Bedienkonzept, das auch hier in vier Ebenen untergliedert ist: Zum „Audi virtual cockpit“ kommt das bis zu 11,6 Zoll große, zentrale MMI Touch-Display. Gesteuert werden kann vieles über die Sprache, Option ist das große Augmented Reality Head-up-Display, das großes Kino ist. Es spiegelt in zwei getrennten Ebenen – gefühlt rund zehn und drei Meter vor der Windschutzscheibe – Informationen wie Abbiegepfeile der Navigation oder Hinweise einiger Assistenzsysteme (etwa des Adaptiven Fahrassistenten) auf den Fahrweg ein. Vor allem beim Navigieren erleichtert es das Abbiegen und Finden der korrekten Straßen in der Praxis erheblich. Audi erklärt, dass das Sichtfenster der virtuellen Inhalte aus der Fahrerperspektive heraus einer Diagonale von üppigen 70 Zoll entspräche – klar, da Audi im virtuellen Head-Up-Display eine viel größere Breite erzeugen kann als auf einem Screen. Darunter zeigt ein flaches Nahbereichsfenster, den Audi „Statusbereich“ nennt, das gefahrene Tempo, die Verkehrszeichen sowie die Assistenz- und Navigationssymbole statisch an.

Außerdem neu ist die Lenkrad-Generation mit Touch-Bedienung. Die unteren Speichen sind verchromt und trennen das Volant optisch in einen unteren und oberen Bereich. Letzterer bietet Touch-Flächen in Black-Panel-Optik, deren Funktionsbereiche hinterleuchtet sind und so die je aktiven Tasten anzeigen. Wie beim Smartphone gibt es neben Touch- auch Wisch-Gesten, beispielsweise um durch Listen zu scrollen. Die Topversion bietet dazu lenkradfeste Wippen für die Rekuperation und eine zweiteilige Blende auf den Speichen.

Sicher ist sicher: Centerairbag rechts im Fahrersitz

Wie beim Honda Jazz oder in Daimlers S-Klasse hat Audi das Airbag-Aufgebot um einen Center-Airbag erweitert, der sich bei einem Seitenaufprall aus der rechten Wange des Fahrersitzes entfaltet. Bei der sonstigen Ausstattung zeigt man sich dagegen etwas weniger spendabel: Sitzheizung, elektrische Einstellung und elektrische Lendenwirbelstütze kosten Aufpreis, aber natürlich gibt es auch für den Q4 e-tron mehrere Versionen, die sich in Basis-, Komfort und Sportversionen mit optisch integrierter Kopfstütze ausdifferenzieren. Basis ist immer eine weiße LED-Beleuchtung innen, alternativ gibt es ein mehrfarbiges Ambiente-Lichtpaket.

Und natürlich hält man auch für den Q4 e-tron ein sportliches S-Line-Paket bereit. Neu ist darüber hinaus eine „vegane“ Ausstattung, die Kunstleder und das Microfasermaterial Dinamica kombiniert. Optisch sieht das aus wie Veloursleder, wird laut Audi aber zu 45 Prozent aus recyceltem Polyester hergestellt. Die S-Linie kann man aber auch in der „Puls“- Optik ordern, wofür ebenfalls Kunstleder genutzt wird. Doch bis zu 50 Prozent des verwendeten Textils bestehen aus recycelten PET-Flaschen, die zu Garn verarbeitet werden. Auch das kennt man so ähnlich bereits von Fiat oder Volvo.

Was bedeutet das?

Der Q4 e-tron dürfte in Sachen Platz, Verarbeitung, Leistung und Ausstattungsvielfalt prinzipiell alle Audi-Ansprüche erfüllen und hat durchaus das Zeug, zum neuen Markenkern zu werden, zu dem Audi neben vielen „schönen“ auch praktische Details weiterentwickelte. Der Q4 e-tron bietet viel Platz, ordentliche Reichweite und ein elegantes Ambiente.

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