Audi: Pilotprojekt mit modularen und flexiblen Schnelllade-Hubs

Ein charging hub mit Schnellladepunkten soll bei Spitzennachfrage und fehlender heimische Lademöglichkeit eine Alternative bieten. Schnell plan- und realisierbares Konzept mit Reservierung und Lounge.

Schnell realisierbar und komfortabel: Audi startet ein Pilotprojekt mit Schnellladehubs, die alte Autoakkus als Pufferspeicher nutzen. | Foto: Audi
Schnell realisierbar und komfortabel: Audi startet ein Pilotprojekt mit Schnellladehubs, die alte Autoakkus als Pufferspeicher nutzen. | Foto: Audi
Johannes Reichel

Die Ingolstädter Volkswagen-Tochter Audi hat angekündigt, sich neben der Entwicklung von E-Fahrzeugen auch dem Thema Ladeinfrastruktur verstärkt annehmen zu wollen und pilotiert erste Schnelllade-Hubs als Alternative zum Heimladen. Das Vorzeigeprojekt soll in der zweiten Jahreshälfte starten und im Praxistest einen möglichen Serieneinsatz erproben. Mit der wachsenden Zahl elektrischer Modelle stiegen auch die Anforderungen an die Ladeinfrastruktur. Eine Antwort auf künftige Spitzenbedarfe sieht der Hersteller in seinem "charging hub". Das Konzept sieht reservierbare High-Power-Charging-(HPC-)Ladepunkte für eine hohe Planungssicherheit vor, ein direkt angeschlossener Lounge-Bereich soll als hochwertiger Verweilort zur Verfügung stehen, wie es weiter heißt.

Pufferspeicher erübrigt aufwändige Elektro-Technik

Als Basis für den Audi charging hub dienen sogenannte Cubes. Die flexiblen Container-Würfel sollen verschiedene technische Anforderungen erfüllen und beherbergen neben Ladesäulen auch gebrauchte Lithium-Ionen-Batterien als Stromspeicher. Durch den Einsatz von 2nd-Life-Modulen, die aus zerlegten Entwicklungsfahrzeugen stammen, würden die Batteriezellen nicht nur einer nachhaltigen Zweitverwendung zugeführt. Ein weiterer Vorteil liege vor allem in ihrer Eigenschaft als Pufferspeicher für Gleichstrom. Eine aufwendige Infrastruktur mit Hochspannungszuleitung und teuren Transformatoren werde damit überflüssig. Dank eines solchen rund 2,45 MWh großen Zwischenspeichers benötigten die insgesamt sechs Ladepunkte, an denen mit bis zu 300 kW Leistung geladen werden kann, lediglich einen gängigen 400-Volt-Starkstromanschluss.

Kurze Planung, schnelle Umsetzung

Dabei sei eine Leistung ab 11 kW pro Cube ausreichend, um die drei Speicher-Module mit einer Gesamtkapazität von 2,45 MWh kontinuierlich füllen und über Nacht aufladen zu können. Photovoltaik-Module auf dem Dach sollen zusätzliche grüne Energie liefern. Im Gesamtverbund erleichtere das nicht nur die Auswahl möglicher Standorte, sondern reduziere auch die zeitlichen Planungsvorläufe und spart Kosten sowie Ressourcen. Darüber hinaus ermögliche das modulare Konzept ein Maximum an Flexibilität und Skalierbarkeit. Der Hub könne in kurzer Zeit transportiert, installiert und auf die jeweiligen Anforderungen vor Ort angepasst werden – weitestgehend unabhängig von den lokalen Netzkapazitäten, so das Versprechen. Das Aufladen eines Audi e-tron GT mit in der Spitze bis zu 270 kW Ladeleistung soll von fünf auf 80 Prozent in 23 Minuten über die Bühne sein, in gut fünf Minuten Energie sei für bis zu 100 Kilometer Strecke nachgeladen, wirbt der Hersteller.

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