Audi: e-tron GT-Produktion fährt hoch

Der erste elektrisch angetriebene Audi, der in Deutschland entsteht, rollt mit dem Verbrenner R8 über die gleiche Montagelinie und will mit einem eigenen e-Sound auf sich aufmerksam machen.

Manufaktur trifft Automation: Die Fertigung in Neckarsulm wurde für den e-tron GT massiv umgebaut. | Foto: Audi
Manufaktur trifft Automation: Die Fertigung in Neckarsulm wurde für den e-tron GT massiv umgebaut. | Foto: Audi
Johannes Reichel

Der Ingolstädter Automobilhersteller Audi hat für den Startschuss für die Produktion des Elektrosportwagen e-tron GT gegeben Das erste reine Elektroauto der Marke, das in Deutschland entsteht wird ab Ende 2020 in den Audi Böllinger Höfen am Standort Neckarsulm vom Band fahren, teilte der Hersteller mit. Die Kleinserienfertigung sei dafür erweitert, auf- und umgerüstet worden. Man habe das handwerkliche Können aus der bisherigen Manufaktur erhalten können und um digitale Prozesse und intelligente Technologien ergänzt. So sei die Erprobung der Arbeitsabläufe in der Montage und der Logistikprozesse erstmals virtuell erfolgt, die Behälterplanung lief ebenfalls VR-gestützt ab. Die Fertigung des e-tron GT wurde ohne physische Prototypen konzipiert – ebenfalls ein Novum bei den Ingolstädtern.
 

Die Karosserie des rein elektrisch angetriebenen Gran Turismo besteht in weiten Bereichen aus ultrahochfestem Stahl und Aluminium. Um diesen Material-Mix in den geplanten Stückzahlen zu fertigen, entstand ein Karosseriebau, der das handwerkliche Fähigkeiten der Mitarbeiter mit dem Potenzial der automatisierten Fertigungstechnik vereinen soll. Das expressive Design des Modells stelle hohe Ansprüche an die Fertigungsqualität – der Seitenwandrahmen etwa weise zwischen dem höchsten und dem tiefsten Punkt eine ungewöhnlich große Ziehtiefe von 35 Zentimeter auf. Die erweiterte Montagelinie umfasst 36 statt bisher 16 Arbeitstakte.

Verbrenner und Stromer auf einer Linie

Der e-tron GT teilt sie sich mit dem R8 – diese Integration von zwei technisch völlig unterschiedlichen Autos, einem Verbrenner und einem Stromer, sei einzigartig im Volkswagen-Konzern. Beide Modelle werden auf denselben fahrerlosen Transportfahrzeugen (FTF) und an einer elektrisch angetriebenen Hängebahn bewegt. An einer Station der Linie arbeiten Menschen und Roboter unmittelbar zusammen. Wenn gewünscht, produziert ein 3D-Drucker auf Vorschlag der Mitarbeiter maßgeschneiderte Montagehilfen. Nach seiner Fertigstellung absolviert jedes Auto eine 40 Kilometer lange Runde auf öffentlichen Straßen, die auch Passagen auf der Autobahn und im Stadtverkehr beinhaltet.

„Mit der Integration von Audi R8 und Audi e-tron GT entsteht in den Böllinger Höfen ein einzigartiges Zusammenspiel aus Handwerkskunst und Smart Factory“, fasst Produktionsleiter Wolfgang Schanz zusammen.

Besondere Aufmerksamkeit ließ man dem sogenannten e-Sound des Modells angedeihen. Die Ingenieure Rudolf Halbmeir und Stephan Gsell konzipierten einen dem Vernehmen nach "progressiven elektronischen Sound" am Rechner, im Soundlabor, im fahrenden Auto und in Kundenstudien. Wie jedes Elektroauto bringt der e-tron GT das gesetzlich erforderliche Akustische Fahrzeug-Warnsystem (AVAS) mit. Das sei jedoch in ein breiteres akustisches Spektrum eingebettet. Ein Lautsprecher in der Fahrzeugfront strahlt den AVAS-Klang ab. Wenn der Kunde das optionale Soundpaket bestellt, kommt ein zweiter, großer Lautsprecher im Heck dazu. Parallel dazu sorgen zwei Lautsprecher im Innenraum für ein emotionales Klangerlebnis, so das Versprechen des Herstellers. Der e-tron GT-Sound werde von zwei Steuergeräten permanent neu abgemischt, abhängig von Größen wie Geschwindigkeit oder Fahrpedalstellung. Über das System Audi drive select könne der Fahrer einstellen, ob und wie intensiv er ihn hören will.

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