Auch Mercedes-Benz kooperiert mit Factorial Energy für Feststoff-Akkus

Zeitgleich mit Stellantis verkünden die Schwaben eine Technologiepartnerschaft samt Kapitalbeteiligung am US-Spezialisten, von der Zelle bis zur Integration ins Fahrzeug. Ziel: Mehr Reichweite pro Ladung.

Faust drauf für die Feststoffzelle: Markus Schäfer, Chef der Konzernforschung für Konzern und Marke präsentierte die Kooperation mit Siyu Huang, Mitbegründerin und CEO von Factorial Energy (r.). | Foto: Daimler
Faust drauf für die Feststoffzelle: Markus Schäfer, Chef der Konzernforschung für Konzern und Marke präsentierte die Kooperation mit Siyu Huang, Mitbegründerin und CEO von Factorial Energy (r.). | Foto: Daimler
Johannes Reichel

Die Daimler-Pkw-Tochter Mercedes-Benz und der US-Akkuspezialist Factorial Energy haben eine Technologiekooperation vereinbart. Ziel der Partnerschaft sei die gemeinsame Entwicklung von fortschrittlichen Batterietechnologien, angefangen bei der Zelle über Module bis hin zur Integration in die Fahrzeugbatterie. Bereits im kommenden Jahr sollen erste Zell-Prototypen erprobt werden, kündigt man an.

„Mit Factorial als neuem Partner an unserer Seite heben wir die Forschung und Entwicklung im Bereich der vielversprechenden Feststoffbatterie auf das nächste Level. Dafür beteiligen wir uns an Factorial mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag in US-Dollar“, erklärt Markus Schäfer, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und Mercedes-Benz AG, verantwortlich für Daimler Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars COO.

Man wolle die Expertise von Mercedes-Benz in der Batterieentwicklung und Fahrzeugintegration mit dem Knowhow unseres Partners Factorial im Bereich der Feststoffbatterie koppeln. Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll der erste Einsatz der Technologie in kleinen Serien in einer begrenzten Anzahl von Fahrzeugen erfolgen, avisieren die Schwaben. Über die Beteiligung erhält der Autohersteller das Recht, einen Vertreter in das Board of Directors von Factorial zu entsenden.

"Es ist unser Ziel, das Auto mit unserer sauberen, effizienten und sicheren Feststoffbatterie-Technologie gemeinsam weiter zu entwickeln", ergänzte Siyu Huang, Mitbegründerin und CEO von Factorial Energy.

Aus heutiger Sicht gelten Feststoffbatterien als eine der vielversprechendsten Technologien im Bereich der E Mobilität, analysieren die Schwaben weiter. Der entscheidende Unterschied besteht im Einsatz eines Elektrolyts aus festem Material anstelle des üblicherweise verwendeten flüssigen Elektrolyts. Der Elektrolyt wird benötigt, um beim Laden und Entladen der Batterie Ionen zwischen den Elektroden hin und her zu transportieren. Festelektrolyte ermöglichen eine deutlich optimierte Sicherheit der Batterie sowie die Verwendung neuer Anodenarten, zum Beispiel Lithium-Metall-Anoden. Diese böten im Vergleich zu heutigen Li-Ionen-Batteriezellen eine fast verdoppelte Energiedichte. Sie versprechen dadurch eine Erhöhung der Reichweite bei gleichzeitig geringen Ladezeiten.

20 bis 50 Prozent mehr Reichweite pro Ladung

Factorial Energy mit Sitz in Woburn, Massachusetts, hat Feststoffbatterien entwickelt, die eine um 20 bis 50 Prozent größere Reichweite pro Ladung sowie erhöhte Sicherheit bei vergleichbaren Kosten mit herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien bieten sollen. Die firmeneigene Factorial Electrolyte System Technology (FEST™) nutzt ein festes Elektrolytmaterial, das eine sichere und zuverlässige Zellleistung mit Kathoden- und Anodenmaterialien mit hoher Kapazität ermöglicht. Das Elektrolyt wurde erfolgreich in 40Ah-Zellen skaliert und arbeitet bei Raumtemperatur. Größtenteils können bestehende Anlagen zur Lithium-Ionen-Batterieherstellung für die Produktion genutzt werden.

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