Attiadesign QRack: Smarter Fahrradbügel lädt E-Bikes

Warum müssen Fahrradständer immer so trist aussehen und das womöglich teure Dienst-Pedelec verkratzen? Dachte sich auch der Münchner Designer Maruan Attia und stellte im Umfeld der IAA Mobility an der Start-up-Einheit der TU München einen raffinierten Bügel vor, der zugleich den E-Bike-Akku lädt.

Stolzer Tüftler: Maruan Attia entwickelte einen cleveren Fahrradbügel mit integriertem Pedelec-Anschluss. | Foto: J. Reichel
Stolzer Tüftler: Maruan Attia entwickelte einen cleveren Fahrradbügel mit integriertem Pedelec-Anschluss. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Die Not macht ja oft erfinderisch. Ok, eine richtige Not ist es nun nicht, wenn es einem das Radl verkratzt. Aber für einen passionierten Biker eben doch ein krasses Ärgernis. Zumal die Fahrräder immer teurer werden und im Zuge des Jobrad-Booms auch hochwertige Bikes nach einem sicheren und beschädigungsfreien Halt am Firmensitz verlangen. Schließlich sollen die Leasingräder ja noch in ein zweites Leben, möglichst wohlbehalten. "Die Erfahrung lehrt auch, dass an öffentlichen Radständern ein ziemlich grober Umgang mit den benachbarten Bikes herrscht. Da passt niemand richtig auf", erklärt der Münchner Desinger Maruan Attia.

Er baute auf diese Erfahrung auf und wollte eine Lösung ersinnen, die erstens natürlich für einen Designer hohe Ansprüche an die Ästhetik erfüllt, zweitens kratzfest und robust ist. Und drittens dem Trend zum Pedelec Rechnung trägt. Das Ergebnis der jahrelangen und einigermaßen kostspieligen Tüftelarbeit am Munich Urban Colab unter dem Dach der Start-up-Sparte namens UnternehmerTUM, die auch schon Firmen wie Evum Motors auf die Räder half, führte Attia im Umfeld der IAA exklusiv für VISION mobility vor. Es hört auf den sinnfälligen Namen QRack und soll bald bestellbar sein.

i-Phone-Form und modularer Aufbau

Der pulverlackierte Edelstahlbügel mit einem robusten, sogar mit dem Pkw überfahrbaren Kunststoff-Sockel erinnert in der Form an das erste i-Phone, könnte also optisch schon mal ein Klassiker werden. Raffiniert daran, so schlicht die Form wirkt, ist die eingelegte und rundum laufende Gummilippe, die den Fahrradrahmen vor Kratzern sicher schützt. Sie lässt sich zudem bei Verschleiß austauschen. Wie überhaupt alle Teile an dem "Radlständer" tauschbar sind, sprich ein modulares System. "Das ist auch ein Gebot der Nachhaltigkeit, dass die Gegenstände des Alltags nicht nur ein zeitloses Design haben, sondern auch lange Zeit halten", findet Attia. 

Der dritte Clou ist neben der Form, die praktischerweise für alle möglichen Fahrradgrößen und -Arten taugt, dass Attia einen simpel zu verbindendenen Stromanschluss, wahlweise auch mit Akku-Kasten auf dem Sockel kombiniert. Hier lässt sich nicht nur das teure Netzteil des E-Bikes sicher verstauen und verschließen. Es gibt auch einen direkten Stromanschluss fürs Bike. Nebenbei ließe sich auch noch ein Werbedisplay in dem rechteckigen Feld unterbringen und so der nicht ganz billige Bügel gegenfinanzieren.

Der Jungunternehmer sucht jetzt noch nach einem industriellen Partner für seine Idee. Aber die IAA Mobility bot dafür gleich mal Gelegenheit: Bei den Erfindern des am Königsplatz positionierten "Velohub" von designit war man so interessiert, dass man den von Attia herbeigebrachten, intelligenten Fahrradbügel gleich mal davor aufpflanzte. Und genau für solche Verbindungen ist doch eine Messe da.

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