Atmosfair E-Kerosin-Anlage: Was das Fliegen kosten müsste

Klimafreundliches Kerosin kann man schon heute dazubuchen. Wenn sie es wüssten, würden Kunden es wohl nicht tun. Denn der Preis ist hoch. Noch. Eine Pilotanlage von Atmosfair ging jetzt in Betrieb.

Beweis antreten: Atmosfair will die Vision vom klimaneutralen Fliegen umsetzen und nahm eine PtL-Anlage für klimafreundliches Kerosin bei Werlte in Dienst. | Foto: Atmosfair
Beweis antreten: Atmosfair will die Vision vom klimaneutralen Fliegen umsetzen und nahm eine PtL-Anlage für klimafreundliches Kerosin bei Werlte in Dienst. | Foto: Atmosfair
Johannes Reichel

Im emsländischen Werlte hat der Spezialist für Klimakompensation Atmosfair die weltweit erste PtL-Anlage zur Produktion von klimaneutralem Kerosin in Betrieb genommen. Für das sogenannte "fairfuel" wurde der Strom von vier Windparks unter Vertrag genommen, überschüssiger Strom wird ins Netz eingespeist. Das für die Produktion des Synfuels notwendige CO2 liefert eine Biogasanlage, in der aus Lebensmittel- und Erntereststoffen Methan hergestellt wird. Zudem wird das CO2 mittels spezieller Filter direkt aus der Luft generiert, sodass im Anschluss das bereits vor 96 Jahren entwickelte Fischer-Tropsch-Verfahren der Elektrolyse angewandt werden kann. Destilliertes Wasser wird unter hohem Energieaufwand in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten.

Die Pilotanlage benötigt etwa 1,25 Megawatt an Strom. Pro Stunde wird damit 20 Kilogramm Wasserstoff produziert, der mit Kohlendioxid bei 200 Grad und hohem Duck in künstliches Rohöl verwandelt wird. Jährlich will man auf 350 Tonnen CO2-neutralen Flugtreibstoffs kommen, täglich acht Fässer Biosprit für Flugzeuge liefern, das in der Raffinerie Heide zu Jet-A1-Kerosin verwandelt wird. Kostenmäßig kommt jeder Liter Sprit auf fünf Euro, ein vielfaches von Standardkerosin, was allerdings auch an den hohen Stromkosten liegt.

"Wir wollten den ersten Schritt in Deutschland gehen, um hier die Technologie zu probieren", erklärt Atmosfair-Chef Dietrich Brockhagen gegenüber dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Der Bioflugsprit soll über die Reisebürokette RTK in Klimapaketen angeboten werden, auch die Lufthansa zählt zu den ersten Kunden. Diese verwendet bereits eine Beimischung von Speiseölen bei ihren Flugtreibstoffen. Man wolle dem ersten in Deutschland produzierten Kraftstoff und der Technologie einen Schub geben, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Die Branche setzt vor allem auf Synfuels, Wasserstoff und Brennstoffzellen in Flugzeugen gelten eher noch als Zukunftsmusik, batterieelektrische Antriebe auf leichte Anwendungen und kurze Strecken limitiert.

Für einen typischen Flug von München nach New York würden durch den Klimazuschlag für den grünen Sprit etwa 200 Euro Aufpreis fällig, wie der Spiegel vorrechnet. Im Vergleich zu einer Klimakompensation würde ein Flug Hamburg-München 41,29 Euro zu 1,55 Euro Aufpreis kosten. Deutschland plant, bis 2030 200.000 Tonnen klimafreundliches Kerosin zu produzieren, was etwa einem Drittel des Spritaufkommens im innerdeutschen Flugverkehr entspräche.

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