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ATF 2019 - Teil 1: Barcamp und internationaler Abend

Das Automotive Trend Forum ging diesmal noch stärker den Wandel im Handel ein.

Das Barcamp war einmal mehr gut besucht und Ort spannender Diskussionen. | Foto: S. Mende
Das Barcamp war einmal mehr gut besucht und Ort spannender Diskussionen. | Foto: S. Mende
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Gregor Soller

Deutlich stärker als noch 2018 thematisierte das ATF 2019 die Umbrüche im Automotive-Bereich, die auch die Zukunft des Handels ändern werden. Die ganz große Frage, um die die allermeisten Bar-Camp-Themen kreisten, war allerdings, welche Auswirkungen die Digitalisierung und Elektrifizierung auf den Handel haben würde. Was wird sich definitiv ändern und wie muss der Handel darauf reagieren? Noch überspitzer ausgedrückt – hat er überhaupt noch eine Zukunft?

So diskutierte man bei Volkswagen Financial Services die Zusammenarbeit bei der Neu- und Weiterentwicklung von Handels IT-Systemen, während PE Solution fragte, ob die nächste Generation im Automobilvertrieb gar ein neues Mindset braucht. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe fragte, ob Autohäuser noch ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell oder die „neuen Videotheken“ seien. Auch VISION mobility moderierte ein Barcamp unter dem Motto: Wo der Handel dringend handeln muss, während Audi unter den Begriffen „Digital und Tomorrow“ die Transformation im Autohandel diskutierte. Auch die Vergütungssysteme waren Thema, während das Fachmagazin Autohaus in seinem Barcamp fragte, ob die Autohäuser mit der Omni-Channel-Strategie nicht den Kontakt zum Kunden verlieren.

Und so ähnlich sich die Barcamps inhaltlich waren, so eindeutig waren auch die Ergebnisse, die da lauteten: Ja, die neue Mobilität wird auch den Handel massiv ändern, und auf den könnten tatsächlich weitere Einbußen zukommen, denn: Schon heute macht er laut Stefan Tomicic, Head of Sales bei der Plattform „carwow“, der das Barcamp bei VISION mobility hielt, den Großteil seines Umsatzes mit dem Aftersales-Geschäft. Carwow bietet einen einfachen Konfigurator und bündelt die Angebote der Händler: Hat man sein Fahrzeug grob konfiguriert, bietet einem die Plattform die passendsten Angebote in der Region zu verbindlichen Preisen (meist inklusive der zu erwartenden Rabatte) an. Das schafft maximale Transparenz und sorgt dafür, dass Händler ihre Karten offen legen müssen. Details und Ausarbeitung der finalen Verträge obliegt aber weiterhin ihnen. Hochinteressant war die Zahl zur Regionalität: Denn laut Tomicic wählen 78% der Carwow-Kunden zur Bestellung ihres Fahrzeuges den nächsten Händler aus! Was er auch damit begründet, dass man bei so hohen Investitionen wie bei einem Auto gern einen Ansprechpartner vor Ort hat.

Gleichzeitig nimmt aber auch hier die Online-Kompetenz der Kunden zu und mit den neuen E-Fahrzeugen der Servicebedarf ab. Gegensteuern könnte der Handel mit Spezialisierung und dem Wandel zum umfassenden Mobilitätsanbieter, allerdings im Rahmen seiner Möglichkeiten, denn Letzteres streben aktuell mehr oder weniger Alle Anbieter an: Von Google, über Waymo und VW bis hin zu diversen Stadtwerken. Womit wir einmal mehr beim Thema Regionalität gelandet sind: So lange alles funktioniert, spielt diese keine so große Rolle, doch, auch hier herrschte Einigkeit: Im Falle eines Falles braucht der Kunde einen verlässlichen Ansprechpartner aus Fleisch und Blut. Interessant auch Tomicics Anmerkung aus der Praxis: Erfolgreich seien die Händler, die online verstanden hätten.

Auch die zweiten Barcamps zielten teils in die gleiche Richtung: „Online“ verstehen meint: Schnell Antworten, verstehen, was der Kunde möchte und ihm Idealfall noch eine „User Experience“ bieten. Interessant auch die Fragestellung der Dekra zum Thema, die den Faktor Mensch als wesentlichen Bestandteil der digitalen Transformation sah, während Kabema Digital auch die Grenzen der Digitalisierung auslotete.

 

Spannend auch die Grußworte und das Interview zum Internationalen Abend des ATF 2019: Erstere kamen von Dr. Christian Dahlheim, der bei VW den Konzernbereich Vertrieb leitet. Auch er bekräftigte, dass man hier viel Neues angehen müsste und wünschte sich selbstkritisch etwas mehr Flexibilität, was in einem solch großen Konzern wie Volkswagen natürlich nicht immer leicht umzusetzen sei. Trotzdem solle man ab und an mal etwas wagen und den einen oder anderen Versuchsballon steigen lassen, um schneller zu Ergebnissen zu kommen. Durch die Blume stieß Jürgen Stackmann Markenvorstand Volkswagen Pkw für Vertrieb, Marketing und After Sales ins selbe Horn: Er kam just aus Berlin zurück, wo man das Pre-Booking für den VW ID.3 eröffnet hatte und vom Interesse einfach überrollt wurde: Binnen weniger Stunden hätten über 100.000 Personen Interesse angemeldet und die Server so teils zum Absturz gebracht! (VISION MOBILITY berichtete unter https://vision-mobility.de/news/volkswagen-lockt-vorbucher-des-id-3-3998.html) Damit betrat VW Neuland, was auch für die Fertigung gelte: das Auto sei laut Stackmann komplett CO2-neutral entstanden und wenn man es mit Grünstrom betreibe, bliebe es auch klimaneutral. Und das sei laut Stackmann einfach „rattenscharf“. Außerdem habe man mit den klaren Ansagen eine eindeutige Roadmap in die Zukunft beschlossen: VW wolle führen und nicht mehr getrieben sein.

Und auf diese „rattenscharfe Reise“ nehme man auch den Vertrieb mit – denn nur gemeinsam sei man stark und könne die Herausforderung der schnellen Änderungen meistern, womit Stackmann auch eines der Hauptargumente für die Zukunft des Handels nannte: Schnelligkeit!

Was bedeutet das?

Tatsächlich wandelt sich die Automobilbranche wie selten zuvor und mit ihr muss sich auch der Handel wandeln – und eines der Zauberworte ist dabei zweifellos „Geschwindigkeit“.   

 

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