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Alternative Antriebe: Seat will beim Thema CNG weiter Gas geben

Die spanische Tochter von VW wird Technologieführer im Konzern und verzeichnet im Zuge der Umweltprämie beachtliche Umsteigerquoten vom Diesel auf CNG. Außerdem kommt ein leistungsstärkeres CNG-Aggregat mit mehr Reichweite.

Am Drücker bleiben mit CNG: Seat soll die Technologieführerschaft beim Thema CNG im Konzern übernehmen. | Foto: Seat
Am Drücker bleiben mit CNG: Seat soll die Technologieführerschaft beim Thema CNG im Konzern übernehmen. | Foto: Seat
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Johannes Reichel

Die spanische Volkswagen-Tochter Seat soll die Technologieführerschaft für das Thema CNG im Konzern übernehmen. Das wurde bei einem Erdgasworkshop des Herstellers bestätigt und war schon von Seat-Chef Luca de Meo auf dem Gasnam-Kongress angekündigt worden. Die Seat-Verantwortlichen sehen diese Entscheidung der Konzernleitung auch als Zeichen der Anerkennung für die beachtlichen Zuwächse, die die Marke nicht nur insgesamt, sondern auch vor alllem mit ihren CNG-Modellen verzeichnet. So steht etwa bis März 2018 der Seat Leon auf Platz 1 der CNG-Verkaufslisten in Deutschland, wobei es sich mit etwa 660 verkauften Einheiten immer noch um ein absolut betrachtet niedriges Niveau handelt. Im ersten Quartal hatte die Marke in Deutschland die Verkäufe auf ein Rekordniveau von 25.300 Fahrzeugen gesteigert. Gefolgt wird der Golf-Bruder vom Skoda Octavia g-tec mit 418 Einheiten, dann erst reiht sich der VW Golf TGI ein, vor dem VW Caddy TGI. In den Top Ten rangieren ausschließlich VW-Konzernprodukte, darunter weitere Seat-Modelle wie der Ibiza und der Mii, wie Deutschland-Geschäftsführer Bernhard Bauer nicht ohne Stolz anmerkt. Beim Leon liegen die CNG-Quoten bei 13 Prozent, beim neuen Ibiza seien es sogar 14 Prozent und damit für den Polo-Bruder erstmals über den Diesel-Varianten. Weitere Hoffnung setzt die Marke auf die CNG-Variante des Kompakt-SUV Arona, die Ende des Jahres das alternative Portfolio ergänzen und die ebenfalls von dem sparsamen 1,0-Liter-Dreizylinder-Erdgasmotor angetrieben werden soll.

Erdgas statt Diesel: Eroberungsquote von gut einem Fünftel

Mit Stolz verweist Bauer auch auf die Eroberungsquote der Marke allgemein im Zuge der sogenannten Umweltprämie, die zum dritten Mal verlängert wurde. Dabei habe Seat über ein Fünftel der vormaligen Diesel-Fahrer vom Umstieg auf den CNG-Antrieb überzeugen können. Der für für die Entwicklung des CNG-Geschäfts zuständige Leiter Johannes Fleck sieht Rückenwind für den CNG-Antrieb auch durch die Aussage des Seat-Chefs Luca de Meo, der den Erdgasantrieb auch langfristig als Alternative bezeichnet hat. Er spielte damit auch auf die Optionen Biomethan und "Power-to-Gas" an, mit der der Kraftstoff fast klimaneutral wird. Fleck setzt zudem auf die von der Bundesregierung angekündigte Ausweitung des Tankstellennetzes von derzeit etwa 900 auf 2.000 Zapfpunkte. "Der CNG-Antrieb ist wirtschaftlich, umweltfreundlich - und er ist sofort machbar", erklärte Fleck.

Technisch will die Marke Ende des Jahres statt des 1,4-Liter-Motors mit einem stärkeren Motor auf Basis des 1,5-Liter-Benzin-Aggregats nachlegen beim Leon und Leon ST, das mehr Fahrspaß und Leistung bieten soll und Richtung 130 PS tendieren dürfte. Zudem will man in diesem Zuge in allen Modellreihen auf monovalenten Antrieb (bisher nur beim Mii) umstellen und damit die jetzt noch kleinen CNG-Tanks vergrößern sowie die Benzintanks auf 15 Liter verkleinern. Damit dürfte die bisher maue Reichweite der dann "quasi-monovalenten" Aggregate auf 400 km steigen. "Wir wollen, dass CNG nicht mehr als Verzicht empfunden wird", erklärte Fleck. Deshalb seien auch nahezu alle Ausstattungsvarianten bis hin zu den sportiven FR-Versionen als CNG erhältlich.

Kostenrechnung: Amortisation noch im gleichen Jahr

Angestrebt ist zudem die weitere Reduzierung des Aufpreises zum Diesel, der dann bei nur mehr 1.000 Euro liegen soll, wie Bernhard Bauer vorausblickte. Damit werde sich der Erdgasantrieb auch nach Ende der Umweltprämie für den Nutzer noch schneller amortisieren, versprach der Seat-Mann. Auch die Händler sollen weiter geschult werden und den CNG-Antrieb besser beim Kunden platzieren können. Für Bauer ist "CNG der neue Diesel", wie er vor kurzem formulierte. Nur eben sauber nach Euro 6d Temp ohne die aufwändige Abgasreinigung. Dennoch wolle man den Kunden nicht erziehen. "Man bekommt bei uns den sauberen Diesel ebenso wie CNG oder bald einen Plug-In-Hybrid und Elektroantrieb", erklärte der Manager.

Zugleich sollen ab 2020 aber auch erste vollelektrisch angetriebene Modelle von Seat auf den Mark kommen. Angekündigt ist etwa eine Hybrid-Version des Leon sowie ein elektrisch angetriebenes sogenannten CUV (Crossover Utility Vehicle), wie Seat-Chef de Meo bei der Jahreshauptversammlung Ende März erklärt hatte.

Was bedeutet das?

Es ist durchaus eine Art Ritterschlag, mit dem der VW-Konzern die noch vor nicht allzu langer Zeit schwer kriselnde Tochter Seat nun adelte. Was auch immer sich konkret mit der "Technologieführerschaft" beim Thema CNG verbindet, man traut den verkaufsmäßig beflügelten Spaniern zu, die Brückentechnologie, die laut Seat-Chef de Meo weit mehr ist als nur eine Brücke, weiterzuentwickeln, für den ganzen Konzern. Wenn der Hersteller jetzt noch konsequent auf "monovalent" setzt und das Reichweitenmanko beseitigt, könnten die CNG-Modelle mit dem "S" im Grill zum Renner werden. Denn sie bieten nicht nur umweltfreundliche Technik, sondern auch attraktives Design und ein gutes Preisleistungs-Verhältnis. Eine würdige und grüne Neuinterpretation des Wortes "Volks-Wagen" im eigentlichen Sinne.

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