Alphabet Road to sustainability: Spannendes Podium

Viele Flotten beschleunigen aktuell ihren Umstellungsprozess hin zu mehr Nachhaltigkeit – Alphabet will sie dabei kompetent begleiten

Spannendes moderiertes Podium: Thomas Becker, Leiter Nachhaltigkeit & Mobilität, BMW Group, Volker Buttermann, Vice President und Head of Indirect Procurement bei Infineon Technologies als Kunde, Uwe Hildinger, CEO Alphabet und Kurt-Christian Scheel, Geschäftsführer Politik & Gesellschaft beim VDA (v.l.) Ganz rechts: Moderator Martin Kloss. | Foto: G. Soller
Spannendes moderiertes Podium: Thomas Becker, Leiter Nachhaltigkeit & Mobilität, BMW Group, Volker Buttermann, Vice President und Head of Indirect Procurement bei Infineon Technologies als Kunde, Uwe Hildinger, CEO Alphabet und Kurt-Christian Scheel, Geschäftsführer Politik & Gesellschaft beim VDA (v.l.) Ganz rechts: Moderator Martin Kloss. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Nachhaltigkeit ist aktuell in aller Munde, macht das Business für die Mobilitäts- und Nachhaltigkeitsmanager aber nicht einfacher. Denn neben den „Total Costs of Ownerhip“ der Flotten, die im Idealfall immer weiter sinken sollen, wäre es jetzt noch schön, wenn der CO2-Footprint im Idealfall gegen null reduziert werden könnte. dafür hat Alphabet viele Bausteine entwickelt, um die Kunden auf ihrer je individuellen Straße der Nachhaltigkeit zu begleiten. Wie komplex das Thema ist, veranschaulichte auch eine Diskussion, die Uwe Hildinger, CEO Alphabet mit Volker Buttermann, Vice President und Head of Indirect Procurement bei Infineon Technologies als Kunde, Thomas Becker, Leiter Nachhaltigkeit & Mobilität, BMW Group als Fahrzeughersteller und Kurt-Christian Scheel, Geschäftsführer Politik & Gesellschaft beim VDA aus Verbandssicht führte. Die Moderation leitete in erfrischender Art Martin Kloss.

Alphabet hat schon seit 2013 die eMobility-Lösung AlphaElectric im Programm, um die Kunden durch den gesamten Prozess zur E-Mobilität zu begleiten. Dass das immer komplexer wird, zeigt die Einführung des erweiterten Consulting-Angebotes, bei dem man die User individuell zur Senkung von CO2-Emissionen und der Erstellung der passenden eCar Policy beraten kann. Becker von BMW verweist darauf, dass das Unternehmen bereits seit 1973 ein Umweltmanagement betreibt, das zuletzt erheblich an Fahrt und Komplexität aufnahm und heute „von der Erzgrube bis zur Schrottpresse“ reicht. Wichtig ist ihm dabei die Tatsache, dass der Wandel vor allem durch die Flotten getrieben wird, denn der durchschnittliche „Fuhrpark“ der Deutschen sei im Schnitt fast elf Jahre alt. Das Pariser Klimaabkommen erhöht aktuell den Druck im Kessel und auch VDA-Sprecher Scheel fordert: „Klimaneutraler Verkehr muss bis 2050 möglich sein!“

Klimaneutralität: Kunden fragen bei Auftragsvergaben auch nach den Flotten

Das Thema Umweltfreundlichkeit und CO2-Neutralität betrachtet Becker aus Sicht der Autohersteller klar als Wettbewerbsvorteil. Auf der IAA Mobility sei kein Tag vergangen, wo BMW nicht gefragt wurde, wie man die Ziele erreiche und wie man die CO2-Neutralität belegen könne. Diese Nachfrage wolle man bedienen. Hier stimmt ihm Hildinger zu, denn das Thema „Fuhrpark“ bringe oft auch die HR-Abteilung mit an den Tisch, um gute Mitarbeiter zu gewinnen, die immer öfter Fragen, wie sie nachhaltig mobil sein können. Hier beobachtet er gerade bei der jüngeren Generation einen Wandel, den auch Buttermann als Kunde bestätigt. Zumal auch die Kunden von Infineon ihrerseits wieder nachbohren, wie der Chiphersteller seinerseits seine CO2-Ziele erreichen will. An vielen Ausschreibungen dürfe man laut Buttermann beispielsweise ohne Grünstrom gar nicht mehr teilnehmen. Auch Scheel vom VDA beobachtet, dass die Themen Klimawandel mittlerweile tief in die Gesellschaft hineinreichen.

Hier hakt Becker von BMW wieder ein, der den Posten der CSR- (Corporate Social Responsibility) Verantwortlichen ins Spiel bringt. Und die werden bei BMW auch bei neuen Bauvorhaben oder Sourcing-Projekten ganz konkret gefragt: „Geht es dem Land mit BMW besser als ohne?“ Womit wir mitten in der Lieferkettendiskussion sind, die am Ende bei den Flotten endet, wie Hillinger weiß. Weshalb das Thema „Flotte“ auch immer komplexer wird, bei der der Vertrieb andere Fortbewegungsmittel braucht wie der Vorstand und der Servicemitarbeiter. Weshalb das Thema Beratung einen immer größeren und wichtigeren Part einnimmt: „Dabei ist das Thema Nachhaltigkeit so relevant wie nie zuvor“, erklärt Hildinger. Buttermann als Flottennutzer spürt zudem, dass der Zeitdruck steigt, um den Planeten lebenswert zu erhalten.

Jeder deutsche Staatsbürger emittiert im Jahr durchschnittlich zwei Tonnen CO2

Wozu Becker von BMW Zahlen liefert: So erzeugte 2019 ein durchschnittlicher BMW-Pkw im Laufe seines Fahrzeuglebens rund 50 Tonnen CO2. Davon entfielen rund 10 Tonnen auf die Herstellung der teile, eine Tonne auf die Fabrikation und die restlichen fast 40 Tonnen auf den Betrieb. Dieser Fußabdruck steigt beim Elektrofahrzeug vor allem wegen dem Akku schon in der Herstellung auf 20 Tonnen, was es absolut zu vermeiden gilt. Denn das Elektrofahrzeug ist auf der Straße ja nur dann umweltfreundlicher, wenn es dort im Idealfall mit CO2-neutralem Grün- statt Graustrom fährt. Und da man die 20 Tonnen erst gar nicht erreicht. Steuern die Münchner massiv gegen und wollen den CO2-Fußabdruck in Lieferkette und Produktion bis 2030 auf acht Tonnen senken. Großes Potenzial sieht Becker hier vor allem bei der Produktion von Akkuzellen und in der Alu- Und Stahlerzeugung, wo BMW perspektivisch viel höhere Recyclingquoten anstrebt.

Auch bei Infineon treibt man laut Buttermann die Entwicklung immer effizienterer Halbleiter weiter, um bei gleichem energetischen Output mit weniger Energieaufwand auszukommen. Das Ganze wird extern auditiert, in dem Fall von KPMG. Und so plant Infineon, bis 2030 der erste klimaneutrale Halbleiterhersteller zu sein. Bereits 2025 sollen 70 Prozent Reduktion erreicht sein, wozu bis 2025 auch alle Infineon-Standorte auf Grünstrom umgestellt werden. Auch die Car-Policy soll bis 2030 entsprechend umgestellt sein. Auch BMW plant ähnlich, aber realistisch: Bis 2030 rechnet Becker mit einem Anteil von 50 Prozent Elektrofahrzeugen, was zehn Millionen Einheiten entspricht. Außerdem entwickelt man die Verbrenner und Plug-in-hybride weiter und hält sich die Tür Brennstoffzelle offen, die vor allem im Hängerbetrieb bei X5 und X7 Sinn machen kann. Auf der Straße und in der Lieferkette soll der CO2-Ausstoß laut Becker bis 2030 jedenfalls um bis zu 40 Prozent sinken. Auch Scheel betont nach wie vor die Technologieoffenheit des VDA.

Um das Ganze für den Kunden zu vereinfachen, hat Alphabet alle relevanten Funktionen in der Alpha-Guide-App zusammengefasst, was den Flotten jegliche Kunststoffkarten- und „Papiersammlung“ abnimmt. Wichtig: Die digitalen Lösungen müssen individualisierbar sein und sich leicht in die bestehenden Unternehmensstrukturen integrieren lassen. Zudem ist es wichtig, die Bedürfnisse von Fahrern und Fuhrparkverantwortlichen in Einklang zu bringen, ebenso wie die Themen Ökonomie und Ökologie. Durch die zunehmende Komplexität der Stellhebel wird die ausführliche Beratung immer wichtiger. Daraus entstand der Consulting-Zweig, von dem Hildinger zu Beginn nie gedacht hätte, das Unternehmen dafür bezahlen würden: Schnell kommt bei solchen Terminen je nach Umfang drei bis vier Stunden zusammen.

Ganz wichtig: Digital convenience

Mittlerweile hätten laut Hildinger 25 Prozent des Alphabet-Fuhrparks einen Stecker und die Kunden fragen verstärkt nach weiterem Optimierungspotenzial. Auch die Tiefe und Vielschichtigkeit der Fragen nehme zu. Wozu auch die Infrastruktur und die Konnektivität kommt. „Die Vernetzung nimmt zu“, erklärt Hildinger und es gäbe durchaus Mobilitätsmanager, die abends um 22 Uhr noch mal schnell ein Reporting abrufen wollen. Und es seiner gerade die Kleinigkeiten wie Tank- und Ladekarten, Versicherungskarten oder Details bei Billing und Payment, die man angenehm digitalisieren könnte.  

Beim Thema Connectivity steigt Becker von BMW wieder ein und verweist auf ein Projekt mit dem größten Stromanbieter in Kalifornien, wo es ums Thema Sektorkopplung und erneuerbare Energien geht – und darum, das eher empfindliche US-Stromnetz nicht zu überlasten. Heißt, wenn die BMW-Kunden dann laden, wenn ohnehin wenig Strom benötigt wird – also nachts, wenn die Autos ohnehin meistens stehen, werden sie mit günstigeren Tarifen belohnt. Das Ganze ließe sich mit bidirektionalem Laden noch weiter ausbauen.

Und mit der Uni Rotterdam trimmte BMW seine Plug-ins darauf, dass sie bei Nutzung der Navigation bei Erreichen der Innenstädte automatisch in den E-Modus gehen um lokal immer emissionsfrei zu fahren. Ganz wichtig sei gerade in Flotten der Gamefication-Aspekt, mit dem die Nutzer in spielerische Konkurrenz zum Beispiel um die meisten rein elektrischen Kilometer oder die niedrigsten Verbräuche treten können. Immer wichtig ist dabei laut Hildinger eine einfache Anwendung und eine klare Verständlichkeit, was auch fürs Reporting gilt, womit er wieder beim Stichwort „Convenience“ ist – für Mobilitätsmanager und Nutzer.

Buttermann von Infineon erlaubt sich hier sogar die Frage, ob man in jedem Fall noch individuell zugeordnete Fahrzeuge braucht, da man so auch Fuhrparkgrößen reduzieren kann, ebenso wie man die Offices auf Großräume mit Arbeitsplatzbuchung umstellt – im Wechsel mit Homeoffice. Er plädiert hier für große gesamtheitliche Ansätze, wohl wissend, dass hier nicht jeder sofort mitziehen kann oder will. Um das nachzuhalten und weitere Anreize zu schaffen, brauche man außerdem verlässliche Daten. Und so könne man die Car-Policy zum Beispiel dahingehend verändern, dass man nicht mehr auf alle CO2-einsparenden Autos Anreize gibt, sondern nur noch auf rein elektrische Modelle, was auch erreicht werden kann, indem man die CO2-Obergrenze der Flotte zügig absenkt. Wer dann nicht spaßbefreit fahren möchte, wird sehr schnell beim PHEV oder gleich beim Elektroauto landen. Und schafft trotzdem in SUV oder größeren Limousinen 400 bis 600 Kilometer Reichweite. Begleitend zur gestiegenen Komplexität stellt Hildinger fest, dass es auch bei den Anfragen eine „große Seriosität“ gäbe und die Kunden sehr zielgerichtete Beratungen anfragten.

Die gewerblichen Zulassungen im deutschen Markt gehören zu den Treibern

Alle Diskutanten gemeinsam stellten am Ende übereinstimmend fest: Der Wandel ist längst angestoßen – mit einer unglaublichen Energie, die man gemeinsam nutzen müsse. Buttermann stellte fest: „Ich glaube, dass der Tipping-Point bereits erreicht ist.“ Zumindest bei Infineon, wo man im August 2021 erstmals mehr als 50 Prozent des Fuhrparks elektrifiziert hätte, Tendenz weiter steigend. Auch Becker signalisiert seitens BMW, dass die Zahlen „eindeutig“ seien und verweist darauf dass der deutsche Markt und die gewerblichen Zulassungen die Treiber der Wende seien. Gastgeber Hildinger stellt am Ende der Diskussion fest: „Das Thema Nachhaltigkeit wird zentral sein – und es ist unumkehrbar!“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Was bedeutet das?

Oft wirft man den Akteuren in Industrie und Politik großes Zaudern in Sachen Nachhaltigkeit und Klimawandel vor – in der Praxis gehen die Beteiligten zumindest in dieser Diskussionsrunde mit Siebenmeilenstiefeln voran.

 

 

 

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