Allianz-Studie: Elektroautos bei Reparaturen teurer

Aufgrund von Hersteller-Vorgaben kommt die Reparatur von batterieelektrischen Fahrzeugen oder Plug-in-Hybriden teurer als bei einem Modell mit Otto- oder Dieselmotor. Das ermittlete das Allianz Zentrum für Technik.

Könnten teuer kommen: Elektrisch und hybrid angetriebene Taxis erfordern aufwändigere Reparaturen bei Unfallschäden. | Foto: Easelink
Könnten teuer kommen: Elektrisch und hybrid angetriebene Taxis erfordern aufwändigere Reparaturen bei Unfallschäden. | Foto: Easelink
Johannes Reichel
von Dietmar Fund

Im Unfallgeschehen unterscheiden sich Fahrzeuge mit batterieelektrischem Antrieb und Plug-in-Hybride nicht grundsätzlich von denen mit Verbrennungsmotoren. Unfallreparaturen sind bei ihnen aber deutlich teurer. Die Ursache dafür sind Normen und Herstellervorgaben für die Reparatur. Das berichtete Carsten Reinkemeyer, Leiter Sicherheitsforschung beim Allianz Zentrum für Technik (AZT) in Ismaning, am 22. September 2021 beim 9. Allianz Autotag. Reinkemeyer stellte dort eine aktuelle Auswertung vor, bei der Schäden an Fahrzeugen mit elektrischen Ladeanschluss zwischen 2018 und 2020 untersucht wurden. Er betonte, dass Elektrofahrzeuge oft äußerlich gleich aussehen würden wie nah verwandte Modelle mit Verbrenner. Sie seien aber wegen ihres höheren Gewichts steifer gebaut und unter dem Blech oft anders aufgebaut.

Der Unfallforscher nannte zwei Beispiele, die Reparaturen an Fahrzeug mit Hochvolt-Anlage deutlich verteuern: Zum einen lasse sich ein vom Marder angebissenes Hochvolt-Kabel nur tauschen und das könne bis zu 7.000 Euro kosten, sofern der Hersteller nicht eine Ummantelung gewählt habe, die man nach einem Marderschaden auswechseln kann. Zum anderen machten manche Hersteller wie Mercedes-Benz die Vorgaben, dass nach einer Auslösung des Airbags die Hochvolt-Batterie getauscht werden müsse.

Qualifizierte Werkstatt nötig

Zudem könne ein Elektrofahrzeug nur in einer Werkstatt repariert werden, die eine Qualifikation für „eigensichere HV-Fahrzeuge“ aufweist. Schließlich enthalte auch eine nicht mehr funktionsfähige Batterie noch viel Energie. Wenn diese Eigensicherheit nicht mehr gegeben sei, genüge die Qualifikation des Werkstattpersonals nicht. Auch die Batterie-Diagnose bei Spezialisten könne durch den Ausbau und den Transport hohe Kosten verursachen und die Reparaturdauer verlängern – ein wichtiger Gesichtspunkt für gewerbliche Nutzer wie Taxi- und Mietwagenbetriebe, die bei Fremdverschulden einen vollwertigen Ersatzwagen beanspruchen dürfen.

„Mit zunehmendem Alter des Fahrzeugs nimmt der Wert der Batterie zu und es droht schon früh ein wirtschaftlicher Totalschaden“, erklärte Reinekemeyer. Abschließend machte er noch eine „klare Aussage“ zu Brandschäden, von denen immer wieder berichtet worden ist: „Wir erkennen keine höheren Brandschäden als bei Benzinern“. Elektrofahrzeuge würden oft nur brennen, weil in ihrer Umgebung ein Brand ausgebrochen sei und auf sie übergegriffen habe.

Laut dem Unfallforscher hat es sich bewährt, auch Elektromodelle und Plug-in-Hybride wie Verbrenner-Modelle anhand standardisierter Crashtests und anschließender Unfallreparaturen in Typklassen einzustufen. Auch bei ihnen seien die Kosten von Unfallreparaturen der größte Hebel für eine günstige Versicherungseinstufung. Batterieelektrische Fahrzeuge ähnelten dabei den Benzinern, Plug-in-Hybriden den Dieselmodellen. Das liege an ihren unterschiedlichen Einsatzprofilen –Elektroautos seien eher innerstädtisch unterwegs, während Plug-in-Hybride auch häufig auf Langstrecken eingesetzt würden.

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