Alieno Unum: Das stärkste Auto der Welt – theoretisch

Theoretisch soll er Unum bis zu 584 km/h Topspeed schaffen – doch wie der Erstling Arcanum existiert der Unum bislang nur virtuell. Neu ist dabei die Kombination zwischen Elektromobilität und Druckluft.

Der Unum folgt der Arcanum: Mit bis zu 5221 PS, 8880 Nm und über 530 km/h Topspeed - alles am Rechner. | Foto: Alieno
Der Unum folgt der Arcanum: Mit bis zu 5221 PS, 8880 Nm und über 530 km/h Topspeed - alles am Rechner. | Foto: Alieno
Gregor Soller

Ahmed Merchev, Gründer, CEO & CTO von Alieno ist auch Chefkonstrukteur des UNUM und er erklärt die DNA und Mission seiner Marke Alieno allen Ernstes damit, „Hypercars mit außerirdischen Technologien aus der Zukunft in die Gegenwart zu transferieren.“ Neben der Elektronik will Merchev auch die Aerodynamik nochmal massiv verbessert haben, um die kolportierte Leistung auch auf die Straße zu bringen. Es soll vier Versionen geben: Der RP5 bietet 5221 PS, der RP4 4351 PS, der RP3 3481 PS und der RP2 „bescheidet“ sich mit 2610 PS. Dabei steht RP laut Mercehev für "Raw Power", während die entsprechende Zahl dahinter (5, 4, 3, 2) die ungefähre Leistung der Version in je tausend PS anzeigt.

Bis zu 8880 Nm und 5221 PS…wer böte mehr?

Es soll auch drei Unum-Varianten geben, die STR (Street), TRC (Track) und RCE (Race) heißen. Ihre grundlegenden dynamischen Eigenschaften sollen die gleichen sein, aber es gibt Differenzen bei Standards und Homologationen. Auch hier arbeiten drei bis sechs E-Maschinen am Rad plus Insgesamt 12 (in der RP2-Version) bis zu 24 Elektromotoren (in der RP5-Version) im Auto. Die sind mit einer gemeinsamen Anschlussachse verbunden, um die Kraft wiederum über eine Halbwelle auf das entsprechende Rad zu übertragen. Und weil Alieno so einen „Direktantrieb“ schafft, soll das extrem hohe Drehmoment am Rad auch für den Antriebsstrang gelten, heißt: 8880 Nm in der RP5-Version, 7400 Nm in der RP4-Version, 5920 Nm in der RP3-Version und 4440 Nm in der RP2-Version.

Auch der Unum soll über den Alieno-eigenen Akku verfügen, der aus Graphen-LiPo-Zellen und Superkondensatoren besteht. Der Akku ist laut Mercehev in drei Varianten erhältlich: SBP (Street Battery Pack), mit einer Kapazität von 180 kWh, TBP (Track Battery Pack) mit einer Kapazität von 120 kWh und RBP (Race Battery Pack) mit einer Kapazität von 60 kWh. Die maximale Spannung der Batterie beträgt 800 V, da sie für eine enorme Leistung ausgelegt ist, während sie in der SBP-Variante bis zu 11,7 MW Dauerleistung und 23,4 MW Spitzenleistung erreichen kann.

Extrem kurze Ladezeiten: In 3,2 Minuten von 0 auf 80 Prozent

Darüber hinaus ist die Batterie in der Lage, beim Laden und beim regenerativen Bremsen enorme Energie aufzunehmen und soll in der SBP-Variante bis zu 2,7 MW rekuperieren können. Mit einer 350 kW HPC-Ladestation ist der SBP-Akku laut Pressemitteilung von 0 bis 100% SoC (Ladezustand) in rund 30 Minuten, die TBP-Batterie in 20 und die RBP-Batterie in 10 min geladen. Des Weiteren sei die Batterie so ausgelegt, dass mit einer speziellen Alieno DC Ladestation (900 kW DC für die RBP-Batterie, 1800 kW DC für die TBP-Batterie und 2700 kW DC für die SBP-Batterie), die von Alieno auf Kundenauftrag entworfen und gebaut werden könnte, von 0 bis 100% SoC für 4 min geladen werden kann, und von 0 bis 80% SoC für 3,2 min. All das sind ebenso errechnete Werte wie die Leistungen, denn die Produktion des ersten Hypercars und Hyperladers stehen wie gesagt noch aus.

Aktuell will man laut Mercehev die Planung der Produktionsstätte in Tuhovishta, Bulgarien, abgeschlossen haben. Auch alle notwendigen Genehmigungen seien eingeholt und man starte aktuell eine weitere Bauphase. Hier gibt sich Mercehev gedukdig und erklärt ganz offen, Alieno bereits Ende 2015 gegründet wurde:

„Seitdem sind fast 7 Jahre vergangen, und wir erwarten derzeit, dass unsere ersten Hypercars frühestens 2024 – 2027 auf der Straße sein werden.“

Auch optisch leugnet er eine gewisse Nähe und Bewunderung zu Lamborghini nicht:  Er spricht von aggressiven Formen mit scharfen Kanten und harten Übergängen zwischen den Oberflächen: „Die ursprüngliche Quelle dieses Stils sind die ikonischen Modelle von Lamborghini.“

Und er setzt noch einen drauf:

„Nicht zufällig haben wir seit einiger Zeit die Möglichkeit in Betracht gezogen (natürlich zu diesem Zeitpunkt rein hypothetisch), dass Alieno irgendwann in der Zukunft die Marke Lamborghini erwirbt oder mit ihr zusammenarbeitet. Ich glaube, dass ALIENO in Bezug auf die Technologien in Zukunft zur Entwicklung des Geistes von Lamborghini beitragen kann. Tatsächlich ist mein konventionell angetriebener Lieblings-Supersportwagen immer noch der Lamborghini Aventador in himmelblauer Farbe. Wenn Lamborghini 2015 eine vollelektrische Version mit den neuesten Technologien gehabt hätte, wäre der Alieno vielleicht nicht entstanden - ich hätte ihn (den Lamborghini, Anm. der Redaktion) einfach kaufen und nicht mit dem Bau beginnen."

Encho Enchev, CDO (Chief Design Officer) von Alieno und Chefdesigner des Unum, sagt:


„Es war eine unserer Hauptaufgaben, ein Design zu schaffen, das aus jedem möglichen Blickwinkel interessant und attraktiv aussieht. Die Aerodynamik von UNUM ist sehr fortschrittlich und trägt zu einer hohen Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten in Geraden und Kurven bei. Die Hauptinspirationsquelle für dieses Modell stammt aus dem Kult-Science-Fiction-Film "Aliens". Insbesondere der Kopf des Queen-Aliens, entworfen von James Cameron selbst. Dieser Einfluss ist im vorderen Teil des Autos und seiner Motorhaube zu bemerken.“

 Die zweite Inspirationsquelle stamme von den Batman-Fahrzeugen:

„Vor ein paar Jahren habe ich für diesen Superhelden 2 Konzeptentwürfe für Fahrzeuge erstellt, die in der breiten Öffentlichkeit sehr gut angenommen wurden. Deshalb habe ich einige der Formen und Dynamiken, die ich damals verwendet habe, in unser neues Hypercar integriert. Die neueste Inspiration kommt von einigen Insekten und Krebstieren."

Um die Kraft auf die Straße zu bringen, will Merchev, die aktive, robotergesteuerte Aerodynamik verbessert haben, weshalb er die aktive Aerodynamik auch "The Alien" (TA) System nennt.  Das TRS-Paket soll theoretisch in der Lage sein den Unum zu stabilisieren, selbst in Situationen, in denen der Grip der Reifen auf der Straße vollständig verloren geht.

„Dies war vorher undenkbar und ist ein großer Durchbruch für die Manövrierfähigkeit, Sicherheit und den Genuss der Hypercars. Ich hoffe, dass unsere Entwicklungen dazu beitragen werden, ähnliche Technologien auch in Massenfahrzeugen zu implementieren."

Druckluftspeicher für neue Anwendungen und mehr Kraft, Klang und Sicherheit

Darüber hinaus stelle das TRS-Paket auch eine einzigartige synergetische Ergänzung zu allen anderen Systemen dar, da es auch das sogenannte Alieno „blissful comfort system“ und das Alieno „save me always“ System enthält. Das „blissful comfort system“ beinhaltet ein externes Druckluftsystem
zur zusätzlichen Kühlung der Bremsmechanismen, Elektromotoren, Controller und der Batterie des Hypercars, um eine Überhitzung zu verhindern. Das soll eine Überhitzung der Batterie verhindern. Um die kolportierte extreme Beschleunigung und Verzögerung zu erreichen, wird die Wärmeenergie aus dem Betrieb der Bremsmechanismen, Elektromotoren, Controller und der Batterie verwendet, um damit die Druckluft zu erwärmen und so bei Bedarf den Schub der Triebwerke zu erhöhen;
die Druckluft soll außerdem zur zusätzlichen Kühlung oder Beheizung des Innenraums, der Reifen, Bremsmechanismen, Elektromotoren, Controller und der Batterie verwendet werden. Außerdem zur
Reinigen und Abtauen der Front- und Seitenscheiben, Kameras und Sensoren. Sie böte außerdem für eine zusätzliche Ausrüstung mit Luftfederung für einen schnellen Wechsel der Bodenfreiheit und zusätzliche Modi mit komfortableren Federungseinstellungen des Hypercars und natürlich könnte man sie noch zur Modulation des Klangs in einer eigentlich unnötigen Abgasanlage nutzen.

Das „Save me always System“ soll die Antriebe nutzen, um einen Haftungsabriss zu kompensieren oder einen sicheren Stopp zu gewährleisten. Auch bei einer bevorstehenden Kollision sollen die E-Maschinen dann die Bewegungsbahn des Hypercars korrigieren können, um einen Crash zu verhindern – und sollte sich das nicht mehr vermeiden lassen, sollen die Triebwerke einen Schub in die Gegenrichtung erzeugen, um die Folgen des Aufpralls abzuschwächen.

Der Unum könnte sich dank Druckluftspeicher theoretisch gefährlichen Schotter von der Bahn pusten

Crazy berechnet ist auch die Möglichkeit, auf einer verschmutzten Fahrbahn bei Bedarf einen starken Luftstrahl vor den Reifen des Hypercars freizusetzen, der Steinchen oder Schotter wegbläst, um so ein Schleudern oder die Beschädigung oder Platzen eines Reifens zu verhindern; Gleiches könnte mit Regenwasser passieren um Aquaplaning zu verhindern. Und bei verschneiter und/oder eisiger Fahrbahn könnte laut Chefkonstrukteur Merchev bei Bedarf ein starker Heißluftstrahl vor den Reifen des Hypercars freigesetzt werden, „der den Schnee / das Eis schmilzt, ihn von der Straßenoberfläche vor dem Reifen wegdrückt und ein Schleudern und so einen Kontrollverlust verhindert“. Auch zum Aufrechterhalten des Drucks im reifen, sollte der doch platzen, will Merchev die Druckluft nutzen.

Dass Merchev wirklich an alle Eventualitäten gedacht hat, beweisst die Tatsache, dass er mit der Druckluft optional auch einen Verkehrsunfall, bei dem das Hypercar ins Wasser fiel, gerüstet wäre: Dann würde im Interieur zusätzlicher Druck erzeugt, um die Füllung mit Wasser zu begrenzen, um die kritische Zeit für die Reaktion und Rettung der Passagiere zu verlängern, und das Auto würde so lange wie möglich über der Oberfläche gehalten – sofern Pumpen und Elektronik nicht schon abgesoffen sind. Und im Falle eines plötzlichen Ausfalls oder einer vollständigen Entladung der Batterie bietet die Druckluft die Möglichkeit einer kurzen Überbrückung nur mit Luft bis zum sicheren Stopp des Hypercars. Details zum TRS-Druckluftpaket sollen später bekannt gegeben werden.

Auch der Unum THF soll zu folgenden Netto-Basispreisen vorbestellt werden können: 1,8 Mio. Euro für die RP2-Version, 2,1 Mio. Euro für die RP3-Version, 2,4 Mio Euro für den RP4 und 2,7 Mio Euro für den RP5. Mit Druckluft wird das dann aber empfindlich teurer: Der Unum TRS kann zu einem Grundpreis ab drei Millionen Euro und dann je nach Version für bis zu 4,5 Mio. Euro vorbestellt werden. Die Lieferzeit variiert zwischen 18 und 30 Monaten, abhängig von der gewählten Modifikation (STR, TRC oder RCE) und anderen vom Kunden gewählten Optionen. Auch der Preis von vom Arcanum wurde aktualisiert – er ist mit 200 000 EUR günstiger im Vergleich zu Unum – auch der Arcanum soll optional mit der TRS-Drucklufttechnologie geliefert werden.

Was bedeutet das?

Wow! Ahmed Merchev, Gründer, CEO & CTO von Alieno ist echt ein Phänomen: Es gibt noch nicht mal einen Prototypen des Arcanum, da haut er am Rechner den Unum samt Druckluftspeichertechnik raus, die den Akku und E-Antrieb für unterstützen soll. Mit dem sich nach Mercehevs Berechnungen viel anstellen ließ. Aber all die Ideen und Leistungen existieren leider weiter nur auf Merchevs Rechner…

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