Alfa Romeo will neu durchstarten: Mit Brennero und Co.

Marken-CEO Jean-Philippe Imparato will Alfa endlich aus dem Tal der Absatzschwäche herausführen: Mit den neuen SUV Tonale und Brennero sowie Giulia- Stelvio-Nachfolger und einem sportlichen Modell

Dem Tonale (Bild) soll das kompaktere SUV "Brennero" folgen. | Foto: Alfa Romeo
Dem Tonale (Bild) soll das kompaktere SUV "Brennero" folgen. | Foto: Alfa Romeo
Gregor Soller

Die Plattformen „Autocar“ und „Auto Motor und Sport“ mutmaßen jetzt etwas konkreter über die Zukunft Alfa Romeos. Zehn Jahre hat Konzernlenker Carlos Tavares jeder einzelnen Marke gegeben, profitabel zu werden und sich solide für die Zukunft aufzustellen. Alfa-Romeo-Chef Imparato muss also „Gas geben“, um das zu erreichen. Am Rande einer Fahrzeugvorstellung soll er gesagt haben, Alfa Romeo habe „das Potenzial, die globale Premiummarke von Stellantis zu werden."

Mit im Premium-Verbund sind unter anderem DS, wo dieser Tage der neue DS4 präsentiert wird und Lancia – wo es außer dem Y im italienischen Markt keine Modelle mehr gibt….

Zum Neustart setzt der Franzose jetzt auf die neuen elektrischen und elektrifizierbaren Plattformen aus dem Konzern, ein neues (Retro)-Design und wenigstens teilweise auf ein Comeback bekannter Namen. Laut Auto Motor und Sport soll ein Team aus 49 Experten (wieder mal) an einer neuen Strategie für Alfa Romeo arbeiten. Dazu gehört auch der neue neuer Design-Chef Alejandro Mesonero Romanos, den Luca die Meo von Seat zu Renault „mitnahm“ und der nach Leon, Arona, Areca und Taracco bei Renault für Dacia und Lada zuständig war. Auch bei Seat wunderte man sich über den erneuten Wechsel und kolportierte, dass die Chemie im neuen Konzern für Mesonero Romanos vielleicht nicht ganz so gestimmt habe wie einst in Barcelona. Da sei ihm von Seat kommend, Alfa wohl doch näher als Dacia und Lada.

Gestartet wird mit dem Alfa Tornale, der jetzt 2022 mit 190 und 240 PS zumindest als Hybrid kommt. 2023 verdichten sich die Gerüchte um den „Brennero“, ein Kompakt-SUV unterhalb des Tonale, das in Polen zusammen mit dem Nachfolger des Fiat 500x und des Jeep Renegade vom Band laufen soll. Aktuell entstehen dort die Verbrenner des Fiat 500 und der Lancia Y. Der Brennero steht auf der nicht mehr ganz neuen e-CMP-Basis von PSA, die 2026 von der STLA Small abgelöst wird. Der Brennero soll elektrisch kommen und als Mild- sowie Plug-in-Hybrid. Als Basis-Fronttriebler soll er einen 100-kW-E-Motor bieten und Strom aus einem 45-kWh-Akku ziehen, was für bis zu 200 Kilometern Reichweite genügen soll.

Ab 2023/24 sollen Giulia und Stelvio dann von „Giorgio“ auf die neue „STLA Large“-Basis umziehen. Sie soll rein elektrisch bis zu 800 Kilometer Reichweite bieten. Die Akkus sollen laut Auto Motor und Sport vom Stellantis/Saft-Joint Venture ACC (Automotive Cell Co.) stammen. Die Elektromaschinen will man wohl vom japanischen Zulieferer Nidec beziehen. Fahrwerk und Lenkung will Alfa von der Giorgio-Plattform hinüberziehen. Damit dürften auch die neuen Maserati-Modelle Levante und Ghibli auf STLA Large umziehen, ebenso wie die künftigen Chrysler-300 und Dodge Charger/Challenger-Nachfolger.  

Imparato will aber auch noch ein Coupé oder Cabrio beistellen. Am Rande der GTA-Präsentation erklärte er seine Vorliebe für das Duo GTV und Spider, die lange fester Bestandteil des Alfa-Portfolios waren. Der GTV hätte bereits aus der Giulia entwickelt werden sollen, bevor das Modell gekippt wurde. Ein neuer GTV könnte jetzt elektrisch gegen BMW i4 oder Tesla Model 3 gesetzt werden, um auch Stückzahlen zu machen. Ein Spider müsste dagegen vom Rohbau her mit anderen Sportwagen respektive Cabrios (Fiat 124, Lancia, Chrysler, Peugeot, Opel?) entstehen – bleibt die Frage, ob sich Stellantis angesichts des immer kleineren Marktes traut.

Was bedeutet das?

Alfa-Boss Imparato hat Geschmack und ein gutes Gefühl dafür, was die Marke braucht. Trotzdem keine leichte Aufgabe, denn aktuell besteht das Portfolio aus zwei Modellen, die sich zu selten verkaufen, um große Marge zu bringen. Elektrifizierung? Startet erst mit dem Tonale und damit sehr spät!

 

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